Lost Chronicles

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„Danke!“ Cai setzte sich auf die Bank und wunderte sich derzeit noch stumm über den sprechenden und gut ausgestatteten Waschbären, und fragte sich einerseits ob dieser sie gerade beschnuppert hatte und wie er Athaín jetzt am besten noch wissen ließ wen sie da vor sich hatten, möglichst ohne gleich schrecklich unhöflich zu werden.
Aber das musste wohl warten, oder sein Schwingenbruder musste selbst drauf kommen, der hatte doch immer Mittel und Wege und Cai würde es nun wirklich nicht wundern wenn er auch hier die Wahrheit alleine herausfand.
Außerdem kam Lisbeth gerade wieder um ihre Bestellungen aufzunehmen und sein Magen hatte sich bereits mit einem lauten Knurren wieder bemerkbar gemacht.
Zuerst musste er jedoch einen weiteren Seitenhieb von Athaín über sich ergehen lassen, welcher es sich natürlich nicht hatte nehmen lassen auch hier die Führung zu überlassen. Lisbeth musste herzhaft lachen und Cai verzog säuerlich das Gesicht, bevor er zwei Finger hoch hielt um bei der Schankmaid ein zweites Bier für sich zu bestellen „Ich nehm noch ein zweites für dich auf Reserve. Die Hälfte verschüttest du ja eh wieder!“ gab er prompt zurück bevor er geschickt Lisbeths Hand auswich, welche ihn mit den Worten >Ach Cai, du hast dich in all den Jahren wirklich nicht verändert!< liebevoll in die Wange kneifen wollte.
„Lass das gefälligst! Wenn du mich kneifst, kneif ich dich auch!“ erwiderte er mit drohend erhobener Hand und einem vielsagenden Zwinkern in den Augen, was die Schankmaid abermals mit einem gutmütigen Lachen quittierte.

Auch er wandte sich wieder dem Waschbären zu, den Athaín gerade zu einem Bier einlud, dass er hoffentlich auch noch zahlen konnte. Bis der nächste Sold kam würden sie wohl ziemlich auf dem Trockenen sitzen, aber ein Bier für den Fremden würde sich schon noch ausgehen, und wenn sie dafür zusammenlegen mussten.
„Was führt euch nach Accipetris? Seid ihr auf der Suche nach Arbeit?“ fragte er neugierig und mit einem Seitenblick auf den gut bestückten Waffengurt des pelzigen Tieres. Caius hätte nur zu gerne mehr über ihren kuriosen Sitznachbarn erfahren. Woher kam er und wer war er, was hatte er vor und… warum war er ein Waschbär der aufrecht laufen und sprechen konnte wie ein Mensch?
Aber die Erfahrung hatte den jungen Rotschopf bereits gelehrt, dass nur die wenigsten bereit waren einfach mal so aus dem Nähkästchen zu plaudern und schon gar nicht irgendwelchen Fremden gegenüber.
Also… versuchte er es erst einmal mit Geduld.

Erfreulicherweise dauerte es überhaupt nicht lange bis Lisbeth mit Eintopf und Bier wieder kam und die gut gefüllten Krüge und Schüsseln vor ihnen abstellte.
Sie hatte jedoch noch etwas mitgebracht, oder besser gesagt jemanden: eine junge Dame, eindeutig zu gut gekleidet um wirklich in diese Umgebung zu passen, mit blasser Haut und hellen Haaren, die Athaíns eitel gepflegter Haarpracht doch glatt Konkurrenz machen könnte. Und… woher kamen die Blutflecken auf ihrem Kleid, welches eindeutig aus zu deinem Tuch gemacht war?
Sie war schön, auf eine sehr eigene Art und Weise. Er hätte nicht genau gewusst wie er es beschreiben sollte, vielleicht weil ihre helle Haut und das fast weiße Haar ihn einfach zu sehr an eine Marmorstatue erinnerten.
Bier und Eintopf waren auf jeden Fall erst einmal vergessen.
Und Lisbeth stellte sie als Leos Cousinchen vor. Wer auch immer dieser Leo sein mochte…
Er warf einen kurzen fragenden Blick zu Athaín, der das natürlich nicht sehen konnte, also berührte er seinen Schwingenbruder kurz am Arm um ihm die unausgesprochene Frage anders begreiflich zu machen.
Aber so wie Lisbeth den Namen genannt hatte, musste es sich doch um eine bekannte Größe in diesem Wirtshaus handeln, was anhand der genannten Zahlen an Bier, Brathähnchen und bezirzten Frauen wohl auch kein Wunder war.

Cai konnte es nicht verhindern, das seine Brauen erst einmal überrascht in die Höhe wanderten, als Atevora um ihre Tatkräftige Unterstützung bat. Moment mal, worum sollte es hier jetzt gehen? Um die verdrehten Köpfe, oder… ah nein, es ging ihr doch um das Essen.
Sollte ihm recht sein, er hatte genug Hunger für zwei und Cai neigte dazu einem geschenkten Gaul nicht ins Maul zu schauen.
„Womit haben wir denn die Ehre verdient?“ fragte er mit einem schiefen Lächeln, während er ein wenig rückte um am Tisch noch etwas Platz zu schaffen, wobei er sie unverhohlen Neugierig musterte.
Das wäre dann der dritte Krug an diesem Tag und nun war Scimitar erst recht froh, eine weitere Schale Eintopf bestellt zu haben, war dieser doch deftig und somit eine ausreichende Unterlage. Denn obwohl er für seine Größe äußerst trinkfest war, irgendwo hatte auch er seine Grenzen und schon ein kleiner Schwips war mehr, als er sich in der Stadt erlauben wollte. Mit einem Grunzen nahm er die Einladung des weißhaarigen Hünen dennoch an. Es kam nicht allzu oft vor, dass ihm jemand einen ausgab. Die meisten Zweibeiner wollten ihn entweder kraulen (ein Vorhaben, das in ihm die Lust weckte in diverse Finger zu beißen), verlangten nach Kunststückchen (auch nicht besser) oder bewarfen ihn gar mit Gegenstände. Manch einer war ihm auch schon mit der Mistforke auf den Pelz gerückt, was dann regelmäßig in einer Prügelei endete. Diese beiden wussten es nicht, aber allein der Umstand, dass Lisbeth sie beide kannte, machte sie in seinen Augen ein klein weniger verdächtig. Die Schankmaid wusste um sein – in seinen Augen durchaus berechtigtes - Misstrauen gegenüber Fremden, und allem Magischen im Besonderen.

Als der Rotschopf der Bedienung Kniffe androhte, musste Scimitar gegen seinen Willen grinsen. Er hatte schon einige Male eines auf die Pfoten bekommen, denn so gern die Schankmaiden den Waschbären auch mochten, seine Pfoten auf ihren Rundungen mochten sie gar nicht. Dabei meinte er es ja nicht böse, es war nur seine angeborene Neugierde gegenüber Menschen und hier in erster Linie gegenüber den weiblichen Vertretern dieser Spezies. Als Lisbeth der Küche zusteuerte, um ihre Bestellungen zu holen, wandte sich der junge Mann an ihn. >Was führt euch nach Accipetris? Seid ihr auf der Suche nach Arbeit?< Oha, wollte ihn da jemand aushorchen? Wieder etwas misstrauischer geworden, beäugte er sein Gegenüber, konnte aber kein Anzeichen für eine List erkennen … oder wittern. Zweibeiner, die etwas verheimlichten, hatten in der Regel einen speziellen Geruch, ebenso wie solche die Angst hatten. Um Zeit zu gewinnen, nahm Scimitar einen letzten Schluck aus dem Krug. Eher ein Schlückchen, denn mehr war nicht mehr drinnen. Dann entschied er, dass er sich mit komplettem Schweigen nur interessanter und eventuell auch verdächtiger machten würde. „Bin nur auf der Durchreise. Aber wenn sich lohnende Arbeit ergibt, warum nicht?“ Er zuckte mit den pelzigen Schultern. „Ein paar Münzen mehr im Beutel haben noch keinem geschadet. Aber wenn die Frage gestattet ist: Mit wem hab ich das Vergnügen?“

Lisbeth, flott wie immer, steuerte eben, beladen mit Eintopf und Bierkrügen auf ihren Tisch zu und eigentlich war Scimitar gewillt, mit den Fremden anzustoßen, immerhin wusste auch ein pelziges Raubein mitunter was sich gehörte. Der Tost blieb ihm allerdings in der Kehle stecken, als er der Frau gewahr wurde, die die Schankmaid an ihren Tisch brachte. Die Haare in seinem Nacken stellten sich auf und nur mit Mühe konnte er ein Knurren unterdrücken: Magierin! Wie konnte Lisbeth nur so blöd sein, die in seine Nähe zu lassen? Und an Gesichts der beiden Fremden konnte er sich auch nicht unauffällig verdrücken. Oh dieses dämliche Weibsstück! Er warf Lisbeth einen vielsagenden Blick zu, den diese aber ignorierte und stattdessen die Fremde vorstellte. Leos Cousinchen …. Leo, den Namen hatte er schon des Öfteren gehört. Dieser war eine einflussreiche Person und Stammgast im tanzenden Wichtel. Persönlich kannte er den Mann zwar nicht aber die Schankmaiden redeten im Großen und Ganzen gut über ihn. Die Erwähnung einer verwandtschaftlichen Beziehung zwischen der Magierin (Scimitar würde seinen Schwanz darauf verwetten dass dieses weiße Dämchen eine war) und Leo sorgte nun aber zumindest dafür, dass die aufsteigende Panik einer gesunden Vorsicht wich.

Der Rotschopf rückte ein wenig zur Seite, um für die Lady Platz zu machen, die ihm augenscheinlich zu gefallen schien. Der Waschbär nutzte die Gelegenheit, um seinen pelzigen Hintern unauffällig ein wenig weiter Richtung Küchentür zu schieben, sicher war sicher. Zugegeben, die Fremde war nicht unansehnlich aber zum einen war sie ihm ein wenig zu mager und blass und zum anderen, vor allem,  nicht zu vergessen: Magierin. Allerdings schien sie sich in gewisser Weise von den üblichen Bücherwürmern ihrer Art zu unterscheiden, denn bei näherem Hinsehen wurde Scimitar einiger Blutflecken auf ihrem Kleid gewahr. Prüfend witterte er. Das Blut war schon geronnen, und sie bewegte sich normal und fließend, folglich war das wohl nicht ihr Blut. Als Lisbeth sich erneut davon machte, die Bestellung, diesmal jene der Lady, zu holen, holte Scimitar seinen Tost nach. „Auf die edlen Spender!“ Vielleicht lockerte ein gemeinsamer Krug die Zungen und er würde erfahren, wer sich da an seinen Tisch gesellt hatte.
Athaín wertete das Grunzen als Bestätigung und nickte in Richtung Lisbeth, die schließlich eilfertig davon huschte um das Gewünschte zu besorgen, nachdem Cai ihr eine Revanche für's Wangekneifen angedroht hatte. Was der Halbdrache natürlich nicht sah, es sich aber aus dem Geplänkel einigermaßen zusammenreimen konnte. Wie üblich konnte der Kleine seine freche Klappe nicht halten und mußte natürlich mal wieder auf der mangelnden Sehfähigkeit seines Schwingenbruders rumreiten. "Hmpfhm. Paß nur auf, dass es dir nicht versehentlich über den Kopf schwappt, du Frechdachs", brummte er zurück. "Soll schon vorgekommen sein." Wie man Athaín kannte, machte er keine leeren Versprechungen. Zumindest konnte man nie sicher sein, ob er es nicht doch ernst meinte. Nicht umsonst sah man bis heute davon ab, dem durchgeknallten Halbdrachen irgendeine Art von Kommando zu übertragen. Er galt als verrückt und unberechenbar. Oder - wie Windmeister Gavron es nüchterner zu formulieren pflegte - persönlich nicht geeignet. Wofür er sich eignete, waren Himmelfahrtskommandos mit mäßigen Erfolgsaussichten. Und anscheinend hatte man Caius dazu auserkoren vom schlechtesten Beispiel zu lernen.

Da der Rotschopf mit seiner vorwitzigen Frage die Unterhaltung begonnen hatte, überließ es ihm der Ältere auch sie fortzuführen und lauschte interessiert. Anscheinend waren sie nicht die Einzigen, die ein paar Extramünzen gebrauchen konnten. Nun ja, alles andere hätte in diesem Etablissement auch verwundert. Der Tanzende Wichtel war die erste Adresse für Glücksritter, Söldner und sonstiges eher zwielichtiges Volk. Dass sich auch deren potentielle Auftraggeber gern hier einfanden, weil der Laden ordentlich geführt und das Essen gut und preiswert war, machte ihn als Anlaufstelle umso interessanter. Zu dumm, dass es Drachenreitern per Dekret verboten war gewisse Nebentätigkeiten anzunehmen. Athaín ahnte bereits, wie sein junger Nebenmann den Mund öffnete und tief Luft holte, um sich des Langen und Breiten und nicht ohne Stolz vorzustellen. Deswegen erfolgte ein Stups gegen den Oberarm, um ihn davon abzuhalten. 

"Guter Versuch, Meister", ergriff der Ältere das Wort und richtete seine Aufmerksamkeit auf ihr Gegenüber, aus dessen Richtung es immer noch nach Fell und Eintopf roch. "Aber stellt man sich nicht selbst zuerst vor? Nichts für ungut." Seiner Meinung nach hatte der Fremde nämlich nicht so erschöpfend Auskunft erteilt, dass dies eine vollumfängliche Vorstellung gerechtfertigt hätte. Im Gegenteil hatte er die Antwort auf Caius' - zugegeben ziemlich neugierige - Frage eher geschickt umgangen. Der Halbdrache neigte kurz den Kopf, denn es war trotz allem nicht seine Absicht unfreundlich zu sein. "Mich kannst du Athaín nennen, und mein naßforscher Freund hier ist Caius." Das sollte für's Erste genügen. Jetzt war ihr Tischnachbar dran.

Rasche Schritte, das Schwappen von Bier in Krügen und der köstliche Duft von Essen, begleitet von diversen Verzeihung's und Darf ich mal durch's kündeten davon, dass Lisbeth wieder auf dem Weg war. Aber was war das? Athaín runzelte die Stirn und lauschte. Leichtere Schritte, die sich ebenfalls näherten. Das Rascheln von feiner Seide, welches sich ganz eklatant vom Reiben groben Stoffs unterschied. Ein teures Duftwasser war zu riechen. Und einen Moment später trat Lisbeth in Begleiterung einer... dem Klang ihrer Stimme nach jungen Dame wieder an den Tisch. AtevoraLeos Cousinchen. Weder der eine, noch der andere Name sagte ihm etwas. Es gab sicher zwei Dutzend Leos in Accipetris, und Athaín kannte davon bestimmt ein halbes. Nun, vielleicht würde es sich noch ergeben welcher gemeint war. Der Halbdrache rutschte ebenfalls ein Stück, als sein Nebenmann es tat. Er wollte den Kleinen ja nicht auf dem Schoß sitzen haben. Ansonsten versuchte er sich unauffällig zu verhalten - nicht gerade eine seiner Paradedisziplinen - und eine Ahnung davon zu bekommen was diese junge Dame vorhatte, die sie gerade so großzügig zum Schmausen einlud. Zugegeben, es war eine freundliche Geste, und es wäre gelogen zu behaupten dass sie nicht willkommen war. Aber für gewöhnlich floß niemandem das Herz so über, dass er einfach so etwas an Fremde zu verschenken hatte. 

Athaín beschloss die Antwort auf Caius' Frage erst einmal abzuwarten, denn es war eine wirklich gute Frage. Seine Finger griffen nach dem vor ihm stehenden Bierkrug, der nicht besonders schwer zu finden war, und hoben ihn an, um dem Fremden zuzuprosten der gerade einen Trinkspruch ausbrachte. "Darauf und noch weitere edle Spenden", schloß er sich an. "Das Schicksal scheint es heute überraschend gut mit uns zu meinen. Denkst du nicht auch, Cai?" Seine Aufmerksamkeit war auf die fremde Dame gerichtet. Neugier, gemischt mit ein wenig Vorsicht. "Seid gegrüßt, Atevora, Cousine von... Leo?"
Wie 'wundervoll' sich die Kopfe zu ihr wandten und sie teils kritisch einer ausgiebigen Musterung unterzogen. Von allen Anwesenden außer natürlich dem Mann mit der auffälligen Augenbinde. Der drehte zwar den Kopf zu ihr, aber beäugte sie natürlich nicht. Dafür warf die Augenbinde natürlich bei der Magierin sofort einige Fragen auf die sie gerne im Laufe des Abends näher erörtern würde. Waren es frische Verletzungen die sich darunter verbargen? Es waren jedoch keine Spuren von Blut oder wässrige Flecken wie von einer wässernden Wunde darunter zu erkennen. Bedeutete das, der Verband wurde frisch gewechselt? Dafür war er jedoch schon etwas zu sehr vom Staub der Straßen belegt. Generell wirkte der Mann, wie sollte man es ausdrücken? Exotisch? Die helle Haut, mit dem perlmutartigen Schimmer, sodass sie entgegen ihrer weit ab davon war fahl zu wirken. Die hellen seidigen Haare waren den ihren vom Farbton her ähnlich, doch Atevoras waren von einem brillanteren Weiß. Insgesamt blieb es natürlich eine äußerst ungewöhnliche Haarfarbe, jedenfalls kam es nicht oft vor, dass sie jemanden mit grauweißen Schopf traf der kein altes Weiblein, oder ein tattriger Greis war. Ob das vor ihr wohl ein Halbelb war? Vielleicht sogar ein Elb? Letzteres wäre ungewöhnlich und gewagt in der Stadt. Die langen Haare und die Binde verdeckten im Moment auf jeden Fall hervorragend die womöglich darunter liegenden spitzen Ohren. Es lohnte sicherlich hier Aufmerksamer zu bleiben und zu eruieren ob dieser Mann in ihre Zuständigkeit fiel. Es wäre doch auch wirklich bedauerlich. Ein hübscher Kerl mit seidigem Haar ihrer Wertungsvollmacht und ihrem Wohlwollen ausgeliefert. Das würde ihr natürlich überhaupt nicht gefallen. Zu wievielen Bieren sie ihn wohl verleiten musste, um die Haare zurück zu streichen und unter die Binde luren zu können?
Womit sie die Ehre verdient haben, dass sie die Leute am Tisch einlud, wollte nun der Jungspund wissen, der vom äußeren Erscheinungsbild in ihrem Alter sein konnte – wobei wir natürlich bedenken müssen, dass Atevora dank Feen, oder Kathedralenwerkes, inzwischen gut zehn oder zwölf Jahre Älter war als sie aussah.


„Eine Ausgezeichnete Frage!“ Entgegnete sie dem jungen Mann beschwingt. „Es könnte sein dass mich ein unsichtbarer Kobold auf meiner Schulter dazu angestiftet hat. Womöglich habe ich aber heute nur meinen freigiebigen Tag, eventuell fällt es nach der ruinierten Robe nicht mehr ins Gewicht ein paar Biere auszugeben, oder weil mir der forsche Versuch der Magd den Umsatz des Etablissements in die Höhe zu treiben gefallen hat und ich beschlossen habe mitzuspielen? Wer weiß schon was hinter dieser weißen Stirn wirklich vor sich geht. Darf ich mich setzen?“

Wie sie doch alle gleich ein Stückchen rückten. Sogar der Blinde. Aufgestanden war jedoch niemand um ihr galant den Sessel hervor zu ziehen auf den sie sich dann geschmeidig niederlassen hätte können. Wahrlich, das hier war eindeutig keine Gesellschaft von Stand, oder eine vornehme Lokalität in der Hochstadt. Dafür stießen die Herren auch gleich auf sie, die edlen Spenderin an. Der Tost kam sogar von dem Wesen von dem sie es aufgrund der taxierenden Blicke, die es ihr zugeworfen hatte, am wenigsten vermutet hätte. Es lag nämlich aufgrund der Körpersprache, nun soweit man das bei einem Waschbär auf menschliche Verhältnisse übertragen könnte, die Vermutung nahe, dass dieses Wesen nicht gänzlich erfreut über die ihre Gesellschaft war. Der naheliegenste Grund wäre sicherlich die rechtliche Situation, sofern dieses 'Tier' magischer Natur war. Ein interessantes 'Objekt' war er allemal. Wann begegnete man schon einem überdimensionierten aufrecht gehenden Waschbär, der sprechen konnte und Weste samt Waffengurt trug! Ob er ein Besucher aus den Portalen war? Er zeigte jedenfalls überlegtes Vorgehen. Er hätte sie schließlich auch wie ein Trottel vom Dienst anpöbeln können. Stattdessen wählte er ein wesentlich klügeres Vorgehen. Atevora honorierte so etwas immer.
„Hoffen wir, dass Euch das Schicksal“ Oder ich. „gewogen bleibt. Und seid bedankt für den Tost. Da werde ich ja direkt verlegen.“ Nein wurde sie nicht. Bedauerlicher Weise konnte sie weder einen Humpen, noch ein Glas Wein für den Tost heben. Das Glas Wein wäre ihr dabei sicherlich weit lieber als das Bier, aber irgend etwas, nennen wir es eine sachte Vermutung, flüsterte ihr, dass ein Bier hier die bessere Wahl war.
„Seid natürlich auch begrüßt, geheimnisvoller Fremder mit dem hübschen Silberhaar. Ah ja, Leo, oder der nicht so geheimnisvolle Leonidas Waílamereis, Achatgardist und Frauenschwarm erster Güte. Letzteres vermutlich weil er den Damen gerne ihre Einkäufe trägt. Der Magd zufolge ist zu vermuten, dass hier schon jeder von ihm gehört hat. Von mir jedoch weniger. Ich sitze meistens zwischen schweren Regalwänden in einer Bibliothek, werde von Feen, Piraten und sonstwem entführt - typisch Magierin, oder adeliges Fräulen in Nöten eben - oder helfe einmal im Monat in der Suppenküche im bescheidensten Viertel der Stadt. Und mit wem habe ich das Vergnügen?“
„Schon gut, ich bin schon still, Baden muss heute nicht mehr wirklich sein…“ gab er mit verkniffenem Gesicht, als Antwort zurück nachdem Athaín ihm angedroht hatte, dass der Inhalt seines Bierkruges wohl auch einen Weg finden würde um sich über Caius zu ergießen. Aber den Rest des Tages in feuchter Kleidung zu verbringen, die noch dazu nach Bier müffelte wie beim ärgsten Säufer, war keine verlockende Aussicht. Noch dazu, würde es bei ihrer Ankunft am Drachenfelsen sicherlich ein paar unangenehme Fragen hervorrufen, und auch darauf hätte er keine Lust. Sein Schwingenbruder war ja dafür bekannt keine leeren Versprechungen zu machen und Cai hatte nicht vor herauszufinden, wie ernst Athaín es dieses Mal meinte.

Und nebenbei, der Waschbär war interessanter! Er ließ sich mit einer Antwort ja doch lange genug Zeit um dann doch nur sehr vage Auskunft zu geben. Aber gut, Fremden die man gerade eben erst in der Taverne getroffen hatte band man nicht unbedingt freiwillig gleich die eigene Lebensgeschichte auf die Nase. Das konnte auch Cai irgendwie verstehen.
Auch wenn sein Flügelmann es auch hier nicht lassen konnte und schließlich doch die Führung übernahm. Denn Cai, hatte gerade erst Luft geholt um sich und seinen Gefährten vorzustellen, als er auch schon einen leichten Stubs am Arm spürte und den Mund somit überraschend brav, wenn auch mit einem schweren Seufzen, unverrichteter Dinge wieder zuklappte. Stattdessen überließ er es Athaín sie ihrem Tischnachbarn vorzustellen und beschränkte sich auf ein kurzes Winken und ein „Freut mich!“ nachdem sein Schwingenbruder geendet hatte.
Es war wirklich erstaunlich wie zurückhaltend Athaín manchmal sein konnte, ganz im Gegensatz zu seinem sonstigen Verhalten. Cai, trug dafür wohl zu wenig Misstrauen in sich, zumindest hier, im tanzenden Wichtel fühlte er sich sicher genug um sich nicht in kryptische Verschwiegenheit zu Hüllen…
Aber manchmal, war es besser Athaín einfach seinen Willen zu lassen und die Klappe zu halten. Eine Lektion, die er bereits lernen hatte müssen.

Aber die Aufmerksamkeit drehte sich wieder. Weg vom Waschbären, hin zu der blassen Lady die sich gerade zu ihnen an den Tisch gesellt hatte und die zusammengewürfelte Truppe überraschend auf Brathuhn und Bier einlud.
Ach, waren denn heute nur die Wortkünstler unterwegs? Konnte niemand eine vernünftige Antwort geben? Nachdem er sich schon den ganzen Vormittag mit Juristen-Kauderwelsch hatte herumschlagen müssen, war ihre blumige Antwort alles andere als zufriedenstellend.
„Nur wenn ihr meine Frage beantwortet!“ verlangte er frech auf ihre Bitte, ob sie sich nicht zu ihnen setzen durfte. „Und den Kobold dürft ihr auch nicht mitnehmen!“ ein kurzes, verschmitztes Lächeln huschte wieder auf sein Gesicht, bevor er dann doch ein Stückchen rückte um ihr Platz zu machen.
Auch er griff nach seinem Bierkrug und hob ihn um auf ihr Wohl zu trinken „Auf die Spenderin!“ stimmte er mit ein und dann trank er endlich seinen ersten Schluck und ließ ein zufriedenes „Ah!“ vernehmen als er den Krug wieder absetzte.
Die Beschreibung ihres Cousins passte auf einen Kerl, den er tatsächlich wahrscheinlich schon das eine oder andere mal und von der Weite hier gesehen hatte, aber er war sich auch sicher, noch nie ein Wort mit ihm gewechselt zu haben.
Uff, eine Magierin also. Wie sie so angelegentlich hatte einfließen lassen. Irgendwo zwischen dem Teil dass sie ständig von Piraten entführt oder ein adeliges Fräulein in Nöten war. Auch wenn sie ihn grad völlig ignorierte, sondern eher von Athaín oder dem sprechenden Waschbären angetan war.
Das Problem daran war… Cai saß zwischen seinem Schwingenbruder und ihr. Was ihm gar nicht recht war, mal ganz zu schweigen davon, dass er es nicht mochte, wenn man über seinen Kopf hinweg sprach.
„Scheint so!“ antwortete er auf Athaíns Feststellung, während er sich ein wenig aufrechter hin setzte, damit er neben seinem weißhaarigen Schwingenbruder nicht so unterging.
„Ich, bin Caius!“ stellte er sich also recht gewichtig vor, obwohl ihm doch bewusst war, dass sie diese Frage nicht unbedingt und direkt an ihn gerichtet war. „Und das ist mein Schwingenbruder Athaín.“ dieses Mal ließ er es sich nicht nehmen seinen Gefährten vorzustellen, wenn er jetzt schon die Chance dazu hatte.
„Und wir sind Dra…“ der Rest des Satzes endete in einem seltsam verschluckten Schmerzenslaut, denn Athaín hatte es irgendwie geschafft unter all den Schienbeinen die sich jetzt bereits unter der Tischplatte kreuzten, seines zu finden und schmerzhaft dagegen zu treten. Erstaunlich wie er das immer wieder fertig brachte.
„… auf der Durchreise…” vollendete er seinen begonnenen Satz und warf dem weißhaarigen einen bösen Blick zu, den dieser natürlich nicht sehen konnte.
Ach, das war doch zum aus der Haut fahren!
Mit einem Seufzen nahm er einen tiefen Schluck aus seinen Bierkrug um zumindest für einen Moment nicht ansprechbar zu sein.
Nachdem alle am Tisch ihren Namen genannt hatten, war es nun an dem Waschbären, seinen ebenfalls zu nennen. Alles andere hätte ihn nur interessanter und womöglich noch verdächtig gemacht, Dinge, die er weder brauchen noch leiden konnte. „Scimitar, Scimitar Racoonis“ stellte er sich also vor. „Wie ihr …“ bei diesen Worten nickte er dem Rotschopf zu, der mit einem Mal eine reichlich säuerlich-schmerzverzerrte Miene zur Schau stellte, „… bin ich ebenfalls auf der Durchreise. Allerdings bin ich auch nicht abgeneigt, länger an einem Ort zu verweilen, sollte sich die Möglichkeit ergeben, einen lukrativen Auftrag zu erledigen.“ Weiter wollte er dann doch nicht ins Detail gehen. Er fand seine Aufträge in der Regel über Aushänge, wo Söldner, Leibwächter und ähnliches gesucht wurde oder über Mundpropaganda und Empfehlungen.

Mittlerweile war Lisbeth mit dem zweiten Teil der Bestellung, den Brathähnchen und weiterem Bier, an den Tisch getreten und selbiger bog sich nun regelrecht unter der Last des Essens. Obwohl Scimitar mittlerweile nicht weniger als drei Schalen Eintopf intus hatte, angelte er sich eines der Hühnchen, rupfte sich dem Schenkel herunter und begann daran zu nagen. Auch die anderen widmeten sich dem Essen, wobei nur zu deutlich zu erkennen war, wer es gewohnt war, mit Händen zu essen: die weiße Magierin war es de facto nicht unbedingt, so viel stand fest. Das Grinsen blieb ihm allerdings im Hals stecken, denn eben betraten zwei weitere Gäste den Schankraum. Und auf dem Wams des Kleineren war ein Wappen, das er erst vor nicht allzu vielen Kerzenstrichen gesehen hatte: In einem Waldweg an einem Kerl, der versucht hatte, ihn aufzuspießen. Verfluchter Dreck verdammter! Unauffällig spitzte er die Ohren, während er an seinem Hühnerbein nagte. Die beiden hatten sich an einen Tisch in ihrer Nähe, der eben frei geworden war, gesetzt. Oder besser gesagt, den sie sich frei gemacht hatten, denn die Gäste hatten erstaunlich rasch die Flucht ergriffen, als der Größere der beiden Neuankömmlinge ihnen einen eisernen Blick zugeworfen hatte. Mit den Bierkrügen in den Händen lehnten sie nun am Tresen und warfen den Neuankömmlingen besorgt-ängstliche Blicke zu. Den restlichen Gästen schien die Episode nicht weiter aufgefallen zu sein, der Lärmpegel im Wichtel hatte sich jedenfalls um nichts verringert.

So sehr Scimitar sich auch anstrengte, mehr als ein paar Wortfetzen konnte er nicht verstehen. > …. Irgendwie davon gekommen …. Kampfspuren …. Tot …. Keine Anzeichen …. Verflucht sauer …. Seltsame Spuren ….< Das aber reichte ihm auch schon. Er würde seinen Schwanz darauf verwetten, dass die beiden sich über den Überfall von heute Morgen unterhielten. Was auch immer der Händler da in seiner Kutsche verborgen hatte, es war eindeutig heiße Ware, soviel stand für ihn fest. In was bin ich da rein geraten verflucht?  Eigentlich könnte ihm das egal sein, er hatte sein Geld, Auftrag erledigt, aus die Maus. Aber er wäre nicht er, wenn seine Neugierde nicht geweckt worden wäre. Zum Glück schien die Magierin sich eben mehr mit den beiden anderen Kerlen, die sich als Aithín und Caius vorgestellt hatten, zu befassen, sodass er in Ruhe die seltsamen Gesellen beobachten konnte. Eben war Lisbeth auf sie zugesteuert, um die Bestellung aufzunehmen. Die Schankmaid war in der Regel eine robuste Natur, die auch der schlimmste Saufkopf nicht aus der Ruhe bringen konnte. Als sie aber von dem Tisch der beiden Neuankömmlinge zurückkam, war sie etwas bleich um die Nase. >Alles in Ordnung bei euch?< erkundigte sie sich pflichtbewusst. Scimitar nickte. „Ja danke. … Bei dir auch?“ Eigentlich war er sich selbst der Nächste und jemand anderen zu fragen, wie es ihm ging, nun, das konnte man übers Jahr verteilt an einer Hand abzählen. Aber er mochte Lisbeth nun mal, auch wenn er das nicht zugeben würde und so eingeschüchtert hatte er sie noch nie gesehen. >Alles in Ordnung, sind … sind nur etwas ruppige Gesellen. Ehrlich, da bist du ein Sonnenschein dagegen!< Scimitar grunzte und warf den abgenagten Knochen auf den Haufen, der bereits den Tisch verzierte. Er und ein Sonnenschein? Das Mädel war gerade dabei seinen Ruf zu ruinieren. Als nächstes würde sie ihn als süß bezeichnen! Aber Lisbeth hatte schon die Schank angesteuert, anscheinend hatten die beiden doch etwas bestellt.
Die Miene des Halbdrachen blieb glatt und unbewegt. Dass nur die untere Hälfte seines Gesichts zu sehen war, mochte diesen Eindruck untermauern, fanden doch die meisten Mimiken unter Beteiligung der Augenpartie statt. Allerdings hätte sich in Athaíns Fall wohl auch nicht viel geändert, wenn er keine Augenbinde getragen hätte. In keinem Fall jedoch wirkte es, als befände sich darunter eine frische Verletzung. Nicht nur weil nichts auf Wunden schließen ließ, sondern auch weil seine Bewegungen und sein ganzer Habitus nicht wirkten, als sei dieser Zustand für ihn ungewohnt.

Treffsicher fand sein Stiefel das Schienbein seines Schwingenbruders. Natürlich nicht allzu fest, nur so dass es als Mahnung zu verstehen war. Als Drachenreiter unterstand man zwar nicht der Fuchtel der Magier, aber einem von denen auf die Nase binden dass man einer war, mußte auch wieder nicht sein. In Accipetris war Reden Silber und Schweigen Gold, was eine allgemeingültige Weisheit war und auf so ziemlich jeden Lebensbereich angewendet werden konnte. Caius mußte das noch lernen. Er plusterte sich immer gern auf wie ein kleiner Gockel. Nicht dass Athaín das nicht hin und wieder ebenso tat, aber man mußte wissen wann der Zeitpunkt dafür war, und wann man es besser ließ. Er griff nach dem Brathuhn in seiner Nähe, riß einen Schenkel heraus und biß hinein, um dann demonstrativ zu kauen. Soviel zum Schicksal vorlauter Gockel. "Freut mich, Scimitar", nickte er dem Fremden zu und schmunzelte leicht, während er den abgenagten Knochen vor sich auf den Tisch legte. Er konnte zwar Cais bösen Blick nicht sehen, hatte aber anhand des erstickten Schmerzlautes sehr wohl vernommen dass der Wink angekommen war, und mußte deshalb seine Fantasie nicht besonders anstrengen. Natürlich liebte ihn der Kleine dafür nicht.

"Und seid bedankt für den Tost. Da werde ich ja direkt verlegen."

Athaíns Ohren waren vom Beginn seines Lebens an darauf geschult, aus feinsten Zwischentönen die Stimmung des Gegenübers herauszudeuten, und in der Stimme dieser Dame schwang nicht ein Hauch Verlegenheit mit. Was ihn einmal mehr vorsichtig werden ließ.

„Seid natürlich auch begrüßt, geheimnisvoller Fremder mit dem hübschen Silberhaar." 

Die Brauen des Halbdrachen hoben sich. Es kam nicht oft vor, dass man von einem weiblichen Wesen so angesprochen wurde, es sei denn in gewissen Etablissements. Da Caius die Vorstellung übernahm, beschränkte er sich auf ein Nicken. "Auf der Durchreise, in der Tat. Sozusagen", fügte er an. "Ihr seid mir gegenüber im Vorteil,  Mylady. Deshalb verzeiht, wenn ich das Kompliment nicht erwidere." Schließlich hatte er keinen blassen Schimmer wie das Fräulein aussah. Ihre Stimme klang jung und sie trug feine Kleider aus raschelnder Seide, das war das Einzige was er über sie sagen könnte. Nichts davon taugte zum Süßholz raspeln. "Ein Leonidas ist mir jedoch bekannt", gab er zu und stupste seinen Schwingenbruder an, der das sicher auch wußte. "Ist das nicht dieser Achatgardist?"

Während die Vorstellungsrunde lief, öffnete sich einmal mehr die Tür. Man bemerkte es an dem leichten Luftzug, der durch den Schankraum wehte. Das war nichts Ungewöhnliches, schließlich betraten oder verließen alle naselang Leute die Taverne. Auch dass sich die neuen Gäste an einem Tisch in der Nähe niederließen, war noch nicht besonders erwähnenswert. Allerdings fiel Athaín auf, dass ihr Tischnachbar mit dem markanten Pelzduft, der sich als Scimitar vorgestellt hatte, plötzlich sehr ruhig geworden war. Ein Plappermaul schien er ohnehin nicht zu sein, aber im Moment war gar nichts von ihm zu vernehmen. Weder das Absetzen des Bierkrugs auf dem Tisch, noch Geräusche die auf das genüßliche Vertilgen von Brathühnern schließen ließen. Der Halbdrache hatte ihn aber auch nicht aufstehen hören, also spitzte er beiläufig die Ohren, um herauszufinden was die Aufmerksamkeit momentan so viel mehr fesselte als die Magierin und ihre edlen Spenden.

Das Wort tot drang leise geraunt an seine Ohren, außerdem war von Kampfspuren die Rede. Schritte näherten sich rasch, sie klangen nach Lisbeth. So wie auch die Stimme, die fragte ob alles in Ordnung sei. Aber sie klang nicht so fröhlich wie sonst. Bevor er selbst fragen konnte, übernahm Scimitar das bereits, worauf die Schankmaid verbal abwinkte und sich auf den Rückweg machte. Die rauen Gesellen am Nebentisch erwähnte sie dabei, allerdings konnte sich Athaín nicht erinnern dass Lisbeth sich jemals hatte einschüchtern lassen. Sie bediente schließlich von früh bis spät zuweilen zwielichtiges Publikum. Nachdenklich geworden griff er nach einem weiteren Hähnchenviertel und biß ein kleines Stück ab, wobei er jedoch nur den Anschein erwecken wollte als würde er schmausen. In Wirklichkeit nutzte er die Gelegenheit um sich über den Tisch zu beugen. "Kann es sein dass du die Gesellen vom Nebentisch kennst?" erkundigte  er sich leise.
Es war von ihrer Seite eigentlich eine eher rhetorische Frage ob sie sich setzen dürfe, und entsprang antainierter Höflichkeit. Es kam folglich etwas überraschend, dass der junge Mann mit der Sturmfrisur noch einmal nachhakte. Dabei hatte sie doch ihre Beweggründe genannt! Jedenfalls ein paar davon. Zugegeben, mit einer unsinnigen Einleitung und mit ihrem gewöhnungsbedürftigen Humor, aber drei der ‘Womöglichs‘ bliesen ins selbe Horn. War das nicht eindeutig genug gewesen? Die Frage beantwortete sich von selbst. Es war nicht eindeutig genug gewesen. Auch wenn sie sich etwas glücklicher und direkter hätte ausdrücken sollen, und hier der Ball bei ihr lag, verstimmten sie es Bedingung gestellt zu bekommen, sich erklären zu müssen um sich zur erlauchten Runde hinzu setzen zu dürfen, generell sich erklären zu müssen damit die geneigte Gesellschaft sich dazu bemüßigt ihre Einladung anzunehmen. Ganz schön frech. Vielleicht sollte sie in die Tavernen-Runde rufen ob eine der anderen Tischgesellschaften Platz für Sie hätte. Ja, für sie die vor hatte  die Tischgesellschaft auf ein, zwei Runden Bier und etwas Unterlage dafür einzuladen. Irgendwie hatte sie das Gefühl es würden sich rasch einige Freiwillige finden die ihr ein Plätzchen in ihrer Runde gegönnt hätten. Der Waschbär war jedoch noch zu interessant dafür, und sie selbst zu geübt sich Verstimmungen nicht anmerken zu lassen. Wäre sie es nicht, hätte sie niemals die Erfolge vor 5 Jahren erzielt und man hätte nicht die Aufgaben zugeteilt mit diesen schwierigen Spitzohren zu korrespondieren. Also gab sie sich einen Ruck und setze ähnlich fort wie sie begonnen hatte.
„Oh? Berta darf nicht mit? Das ist aber eine ganz gemeine Diskriminierung  von sponannonsens-indizierten Imaginärkobolderfindungen!“ Sprach sie mit eindeutig absolut nicht ernsthaften tadelndem Tonfall und dem Gefuchtel eines belehrend erhobenen Zeigefingers in Caius Richtung um in einem freundlichen Schmunzeln zu enden. „Um etwas ernsthafter und ehrlich zu sein: Ich habe die Frage mit drei Beweggründen beantwortet die allesamt wahr sind.“
Damit hatte sie die Bedingung sicherlich vollends erfüllt und wartete sie nicht auf eine weitere Zusage, sondern machte Anstalten sich einfach zu setzen. Da niemand offen maulte, sondern das pelzige Wesen ihr sogar noch einen Toast aussprach, wurde das feine Popöchen der Dame auf das derbe ungepolsterte Holz des Sitzes verfrachtet.

Atevora bemerkte nicht, dass sie den jungen Mann verärgert hatte, als sie die im Raum stehende Frage beantwortet hatte. Dabei geschah das ausnahmsweise recht allgemein an alle Gerichtet und nicht bloß an den eigentlichen Nachhakenden, denn Augenkontakt mit dem Silberhaarigen zu halten war etwas zu sinnbefreit. Damit hatte sie sich also vorgestellt, und erkundigte sich nun mit wem sie die „Ehre“ hatte. Schließlich war es etwas hinderlich alle mit irgendwelchen Pseudospitznamen anzureden – wobei jemand wie sie zu solch einem Unsinn freilich durchaus bereit wäre. Der Rotschopf war der erste der sich freimütig vorstellte. Doch nanu? Was war denn das jetzt gewesen? Dra..auf der Durchreise? Mit Schmerzenslaut zum Wortabbruch und anschließendem bösem Funkeln in Richtung „Schwingenbruder“. Hatte dieser Athain seinen Collegen gerade gekniffen, geschlagen oder getreten? Er war es also der bei den Beiden „schlagkräftig“ den Ton angab auch wenn er gerade schwieg. Und der junge war der zugänglichere der Beiden. Gut zu wissen. Wie dumm für das Silberhaar. Selbst wenn dieser Vielleichtelb seinem Freund den Mund verbieten wollte, war es zu spät. Sie konnte sich anhand des Wortes Schwingenbruder und des abgebrochenen Wörtchens und des Personengespanns selbst inzwischen einen sehr guten Reim daraus machen mit wem, oder was sie es hier zu tun hatte. Es erklärte das nicht alltägliche Erscheinungsbild dieses Athains. Die Geheimniskrämerei konnte sie jedoch gerade überhaupt nicht nachvollziehen. Es war auch der Grund weshalb sich der Magierin Augenbrauen irritiert zusammenschoben und sich eine steile Falte in die Stirn furchte. Das Verhalten empfand die Adelige ganz schön ablehnend und unfreundlich und darüber half das vordergründig bemüht höfliche Mylady von Herrn Augenbinde auch nicht hinweg. Seine Haare übten jedoch noch immer eine magische Anziehung aus. Seidig, glatt, und im schummrigen Licht der Taverne silbrig schimmernd.
Warum hatte ihr Cousin keine wallenden langen Haare die sie ihm ab und an flechten konnte? Nun, hoffentlich würde sich bei ihrem Nachwuchs dauerhaft diese Elbenanlagen durchsetzen, die für diese wunderbaren Haare sorgten. Die Chancen und derzeitigen Anzeichen standen dafür gut und Serafina auch langsam  in dem Alter in dem sie ihr hübsche Frisuren zaubern konnte. Vielleicht sollte sie das Kind nur dafür nach Accipetris holen? „Ja in dieser Hinsicht offensichtlich. Erlaubt ihr mir eine persönliche Frage zu Eurer Augenbinde, Athain?“

Der Waschbär seinerseits stellte sich nun ebenfalls vor. Racoonis. Ein äußerst aerianisch angehauchter Nachname. Das bedeutete also er war vermutlich kein Besucher aus einer der anderen Welten? Seine Bemerkung, dass er auf der Durchreise war glaubte sie ihm sogar, das Fell wirkte dafür in jedem Fall genügend vom Staub der Straßen gemartert, und die lukrativen Aufträge ließen die Magierin aufhorchen. So einzigartig wie er aussah, konnte man sicherlich mehr herausfinden, wenn man sich ein wenig umhörte. Oder sie löcherte gleich direkt die Quelle. „Bitte entschuldigt meine wissenschaftliche Neugierde, Herr Racoonis. Euer Nachname lässt vermuten, dass ihr aus dieser Welt stammt, aber es ist selbst für mich etwas ganz besonderes jemanden wie euch zu begegnen. Stammt ihr ursprünglich auch Aitheria, oder seid ihr aus einer anderen Welt hier zugewandert? Und was meintet ihr mit einem lukrativen Auftrag? In welche Richtung bietet ihr Eure Dienste an? Kopfgeldjäger, Dolchkampflehrer, Söldner allgemeiner Art?“ Ja die Waffe die er bei sich trug gab Auskunft darüber in welche grobe Richtung man ihn einordnen konnte, aber nicht wofür genau er sich anheuern ließ. „Wieviel würdet ihr verlangen wenn euch jemand als Geleitschutz anheuern wollen würde?“

Inzwischen war die Bedienung flinken Fußes mit vollgeladenem Tablett am Tisch angelangt und lud die zwei gebratene Vögel ab und stellte Atevora einen großen Krug Bier vor die Nase. Mit einer eleganten Bewegung legte die Adelige daraufhin ihre hellen Ziegenlederhandschuhe auf den Tisch neben sich, angelte nach dem Humpen und zog ihn näher zu sich heran. Das feine Näschen schnupperte kritisch an dem Gebräu und stellte fest, dass es tatsächlich ganz normal nach Bier roch. Vielleicht mit einer leicht unharmonisch überwiegenden Hopfennote. Mit dem Mut der Törichten nahm sie auch einen zaghaften Schluck, nur um festzustellen, dass das Bier brauchbar schmecken dürfte, und ihr sicherlich schmecken würde, jedenfalls wenn ihr Bier schmecken würde. Wie um alles in der Welt sollte sie dieses gefühlte Minnifass vor ihrer Nase jemals leer bekommen? Konnte sie die Bestellung noch umändern in ein schmuckes Tässchen Tee? Sie würde auch überrascht blinzeln hinsichtlich des Umstandes, dass die Männer am Tisch beherzt Hand am Hähnchen anlegten, obwohl die Schankmaid doch Messer und Gabel zum Runterlösen der Stücke bereit gelegt hatte. Aber, um ehrlich zu sein, ihr Cousin war genau so. Das war vermutlich gar kein Gesellschaftssichten, sondern irgend so ein Männerding. Es war einerlei, sie würde das Hühnchen nach dem Brathuhndesaster in der “Lokalität“ mit dem klingendem Namen ‘beim Nachbarn‘ ohnehin nicht anrühren wollen. Apropos beim Nachbarn.

„So nebenher, Herr Racoonis, ich glaube nicht, dass eure Durchreise mit jener der beiden Humanoiden Herren vergleichbar ist,  es sei denn ihr wohnt in der Nachbarschaft von Accipetris. Wohnt ihr in der Nachbarschaft?“ Meinte sie schließlich im sehr beiläufigen, und doch verschwörerischen Tonfall zu Scimitar geneigt, und das Gespräch in eine andere Richtung lenkend. „Die beiden Herren sind jedenfalls  vielmehr derart Nachbarn und von nebenan auf Besuch in Accipetris, denn auf der Durchreise.“ Atevora zwinkerte dem Waschbären zu ehe sie zu den beiden Drachenreitern sah hinüber sah. „Wobei ich mich Frage weshalb ihr Beide entschieden habt uns in dem Punkt anzuflunkern. Dabei freue zumindest ich mich doch gemeinsam mit Personen am Tisch zu sitzen, welche die Bürger Aitherias vor den Gefahren der Schattentore beschützen. Da ist es nicht nötig Geheimnis zu krämen. Der Ordo Draconis leistet hervorragende Arbeit!“ Hatten sie hier eine Bewunderin der Drachenreiter gefunden? Vom Klang der Stimme und ihrer Attitüde her zu urteilen, wäre es mit einem klaren JA zu beantworten. Die großen blauen Augen strahlten als sich direkt Caius zuwandte. „Es muss überragend sein eine solche Verbundenheit mit diesen Wesen zu besitzen. Drachen sind unglaublich majestätische Geschöpfe. Seid ihr schon lange beim Ordo Draconis?“
Machte Atevora Caius gerade schöne Augen? Ja, in der Tat.

Unterdessen kamen in der Taverne neue Gäste an, die für sich Platz schafften, und obendrein dazu beitrugen, dass Scimitar der Unterhaltung am Tisch nicht mehr folgte. Ein Umstand den die Adelige deutlich später Bemerkte als der Augenbindenträger. Lisbeth kam auch kurz an den Tisch und erkundigte sich ob sie alle noch irgendwelche Wünsche hätten. Ja, sicher! Atevora wollte ein Butterbrötchen! Doch der Waschbär war etwas zu schnell damit etwas anderes anzusprechen und die Schankmaid von den wirklich wichtigen Dingen, und zwar sie zu bewirten, abzulenken. Die Magierin abgelenkt hatte er leider damit auch, dass sie zu spät an ihren Brötchenwusch dachte. Stattdessen glitten ihre Augen so unauffällig wie möglich zu den Männern die sich etwas ruppig gebärdeten. „Das Wappen der d‘Lenfer. Das mit dem Sonnenschein klingt glaubhaft..“ Antwortete sie Lisbeth, im gemessenen Ton und nahm einen weiteren kleinen Schluck von dem herben Getränk. Dann beugte sie sich ein wenig vor, über den Tisch, um vom grillhuhn ein Beinchen abzureißen, sogar ohne zuhilfenahme von Gabel und Messer, ganz im Stil ihrer männlichen Gesellschaft! Das arme Huhn wurde benutzt. Es verkam zum reinen Mittel zum Zweck damit es so wirkte als würde sie nebenher ganz profane uninteressante Themen ansprechen. Nicht besonders donnernd war Atevoras Stimmchen schon immer, sodass sie in einem lärmenden Tavernenumfeld seit jeher gezielt lauter sprechen musste damit man sie klar verstand, doch nun dämpfte sie ihre Stimme noch mit Absicht. "Die Spatzen munkeln wirklich nur das 'Beste' von d‘Lenfers Arbeitnehmern, und geben doch keinen Piep von sich wenn sie es sollten.“ Sie nahm, und das obwohl sie es niemals vor hatte, nun doch einen kleinen Bissen von gebratenen Vogel und bedauerte die Verängstigte Schar die sich nicht selbst befreite in dem sie zur rechten Zeit sang. Athains leise gestellte Frage klang auch äußerst interessant, und sie war gespannt was Scimitar darauf antworten würde.
Dieser Tag war definitiv einer jener Sorte, der einer Kletterpartie auf einem morschen Baum ändelte: Voll Spannung, ob man wegen eines Fehltritts abstürzte oder doch unbeschadet den nächsten Ast erreichte. Zwischen Brathühnchen und der Ankunft jener unliebsamen Tischnachbaren, die die Lady Atevora als dem Haus d’Ienfer zugehörig erkannte, überraschte eben jene weiße Magierin Scimitar, denn … Bitte? Hatte er da richtig gehört? Hatte dieses adelige Persönchen, das so unverkennbar nach Magierin roch, ihm eben potentiell einen Auftrag angetragen? Misstrauisch schnupperte er, konnte aber keine Duftspur erkennen, die auf Lug und Trug schließen ließ. Die Neugierde der Lady hingegen war unverkennbar. War es ein Versuch ihn in die Finger und im Anschluss gar in eines dieser abscheulichen Labore zu bekommen? Andererseits, einen lukrativen Auftrag abzulehnen kam auch nicht wirklich in Frage, immerhin musste auch ein Waschbär von etwas leben. „In der Tat, Madame, Geleitschutz, Kopfgeldjagd, Söldnerdienste … Was die Kosten für meine Dienste angeht, kommt es auf die Art, Dauer und nicht zu vergessen das Gefahrenpotential der selbigen an.“ Seiner Einschätzung nach hatte die Lady sicher genug Kleingeld, um sich sein Honorar leisten zu können.

Leider kam er nicht dazu, das Thema mit ihr näher zu erläutern, denn während Lisbeth die georderten Hühnchen auftrug, hatte sich die Magierin den anderen beiden am Tisch zugewandt oder eigentlich in erster Linie dem Rotschopf. Das Verhalten der gebürtigen Zweibeiner im Umgang mit dem jeweils anderen Geschlecht war Scimitar schon immer ein Rätsel gewesen. Doch sein Bestreben, eben jenes wieder einmal aus nächster Nähe zu beobachten, wurde je von eben der Ankunft der Rabauken des Hauses d’Ienfer unterbrochen. So sehr Scimitar auch versuchte, eine unbedeutende Miene zu machen, dem Weißhaarig, der sich als Athaín vorgestellt hatte, schien seine Stimmungsänderung nicht entgangen zu sein. Und prompt erkundigte er sich, ob er die beiden denn kenne. „Nicht persönlich, ich mag nur keine Rabauken, die hart arbeitende Schankmaiden anpöbeln.“ Eigentlich wollte er sich ja bedeckt halten, was sein Erkennen des Wappens anging aber er hatte mal wieder die Rechnung ohne sein Schwert gemacht. Askarton hatte schon zu lange geschwiegen und war nun der Meinung, sich in Szene setzen zu müssen. Und das tat es nun lautstark. Den Altvorderen sei Dank war es im Wichtel so laut, dass außer den am Tisch des Waschbären Sitzenden keiner mitbekam, dass eine Stimme ohne Körper sich mit einem Mal am Gespräch beteiligte.

„Aber das Wappen kennen wir, ich kann mich genau erinnern, immerhin war ich es, der von den Kerlen die Schläge abbekommen hat!“
„Halt die Klappe Askarton!“
„Warum? Du versteckst doch nicht nur dein Essen sondern auch deine Gedanken!“
„Ich versteck kein Essen, bin doch kein Eichhörnchen, du dämliches Stück Stahl!“
„Nager ist Nager!“
„Ich warne dich …“
„Vor was? Also ich wollte nur sagen, wir, also auch der Bär, auch wenn er es nicht zugibt, haben dieses Wappen heute morgen gesehen, als wir im Rahmen eines Auftrages überfallen wurden. Dank meines heldenhaften Einsatzes konnten wir dieses Pack besiegen und beseitigen aber im Zuge dieses harten, von meiner Seite heroische geführten Kampfes, konnte ich einen Blick auf eben genau so ein Wappen werfen, dass der Anführer an seinem Wams trug.“

Scimitar verdrehte die Augen. Dieses geschwätzige Stück Stahl tat jetzt wieder, als wäre es ein heldenhaftes Schwert, dabei hatte es während des gesamten Kampfes gejammert, als wollte es jemand in eine heiß glühende Esse halten. Aber einmal in Fahrt, war Askarton kaum zu bremsen.
„Und das alles nur wegen einem fetten Zweibeiner, der seine Waren nicht allein bewachen kann. Dabei kann ich mir nicht erklären, was an all dem Krams auf dem Wagen sooooo besonders sein soll. Nur hölzener und tönerner Tand, nicht eine schicke Schwertscheide war dabei!“
„In dein Material hat der, wer auch immer dich hergestellt hat, sicher kein bisschen Intelligenz eingearbeitet. Glaubst du wirklich die wollten das Zeug vom Leiterwagen?“

Verdammt! Das war Scimitar herausgerutscht! Dieses vermaledeite Schwert brachte ihn immer wieder mit seinem Geschwätz dazu, Dinge auszuplaudern, die er lieber für sich behalten hätte. Und so gespannt, wie die drei anderen am Tisch drein schauten, bezweifelte er, dass er aus der Geschichte ohne nähere Erklärungen wieder heraus kam.
Athaín kannte ebenfalls einige Wappen, auch wenn es ihn gewöhnlich nicht interessierte wer zu welchem Haus gehörte. Diese ganzen adeligen Söhnchen und Töchterchen konnten ihm herzlich gestohlen bleiben. Dennoch sammelte sich im Laufe der Jahrhunderte einiges an Strandgut im Gedächtnis an, sodass er unwillkürlich wußte welches Wappen gemeint war als diese Atevora Cousine von Leo es als d'Ienfer identifizierte. Ein springender Hirsch über einer Burgzinne. Das war aber auch schon alles was er an Informationen herausfiltern konnte. Da der Ordo Draconis politische Verstrickungen vermied, hatte er keine Ahnung wer von den hohen Häusern in welche Machenschaften involviert war, oder aktuell mit wem im Clinch lag. Auf jeden Fall schienen am Nebentisch einige Schergen zu sitzen, die gerade irgendetwas durchgezogen hatten, und nun offenbarten sich auch die Absichten der Lady Atevora. Anscheinend suchte sie jemanden für Geleitschutz, und die drei am Tisch hatten so ausgesehen als ob sie Schwerter schwingen könnten. 

 Mit dem Geplänkel über imaginäre Kobolde konnte der Halbdrache nichts anfangen, war aber bereits wortlos zur Seite gerutscht, damit die Lady sich dazu setzen konnte. Der Verplapperer von Caius reichte anscheinend aus, um sie eins und eins zusammenzählen zu lassen. Schön für sie. Sollte sie ihren Triumph auskosten. Dass sie jedoch begann einen ganzen Vortrag darüber zu halten, gefiel Athaín allerdings weniger. Auch dass ihnen schulmeisternd ein Flunkern unterstellt wurde, weckte nicht gerade Sympathien. "Und ich weiß, dass jemand auf dem Scheißhaus das Licht angelassen hat", bemerkte er und ließ den Hähnchenschlegel sinken, um stattdessen nach dem Bierkrug zu greifen und einen Schluck zu nehmen. Wohlweislich nach dem, den er selbst bestellt hatte und der zuerst vor ihn gestellt worden war. Die Dame sollte nicht denken, dass ein spendiertes Essen ihr gestattete sich Freiheiten herauszunehmen. Diese adligen Herrschaften - ob Magier oder nicht - benahmen sich oft als ob ihnen alles gehörte und jeder ihr Leibeigener war. Umso mehr ärgerte es Athaín, dass gerade Flaute in der Geldbörse herrschte. "Wenn Ihr es Euch nicht verkneifen könnt", brummte er. Sollte sie doch fragen. 

Ja, er wirkte gerade unfreundlich. Zum Einen mochte er die neunmalkluge Art dieses Fräuleins nicht, und zum Anderen mochte er Bekanntschaften nicht. Meist bedeuteten sie Ärger, vor allem wenn sie neugierig waren. Blöd nur, dass Caius das überhaupt nicht so sah, und selten eine Gelegenheit ausließ um anzugeben und den Ladies zu imponieren. Dass die Magierin das ausnutzte und zielgerichtet bei dem Grünschnabel ihren Charme spielen ließ, bestärkte den Älteren in der Auffassung dass sie Ärger bedeutete. Sie war ganz bestimmt kein naives Dummchen, welches Drachenreiter anhimmelte weil sie so tolle Kerle waren. Was in der Tat durchaus vorkam, aber gewöhnlich handelte es sich dabei um vierzehnjährige Backfische. Zu dieser Kategorie, da war sich Athaín sicher, gehörte diese Lady Atevora ganz bestimmt nicht mehr. 

Für den Moment geriet das allerdings gerade etwas aus dem Fokus, denn sein Tischnachbar erteilte ihm zwar erschöpfende Auskunft, aber dafür schaltete sich eine fremde Stimme in die Unterhaltung ein, die... ebenfalls aus dessen Richtung zu kommen schien? Wie war das möglich? Genähert hatte sich niemand. Hatte etwa die ganze Zeit über noch jemand am Tisch gesessen, den er nicht bemerkt hatte? Auszuschließen war das nicht, aber bestimmt hätte Caius oder auch die Magierin, nicht zuletzt aber die Schankmaid ihn erwähnt. Auf jeden Fall schien Scimitar ihn zu kennen, denn er versuchte hastig dem Unbekannten den Mund zu verbieten und sprach ihn sogar mit Namen an: Askarton. Aber warum nannte er ihn ein dämliches Stück Stahl und wurde umgekehrt als essenversteckender Nager bezeichnet? Ob das etwas mit dem Pelzgeruch zu tun hatte? Darüber hinaus gingen aus dem Disput noch einige andere interessante Informationen hervor, aber diese beiden Rätsel wollte Athaín zuerst gelüftet haben. Er wandte sich deshalb zunächst einmal Caius zu und stupste ihn auffordernd an. "Was hab ich verpasst?"
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