Lost Chronicles

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Eigentlich hatte Cai vorgehabt sich noch ein wenig länger schmollend in seinen Bierkrug zu verziehen, aber mit seinen Launen war es eben manchmal wie mit seinen guten Vorsätzen: sie hielten nicht lange.
Zum Schluss gewann dann doch die Neugierde, vor allem was den sprechenden Waschbären anbelangte.
„Kann schon sein!“ beantwortete er Schulterzuckend Athaíns Frage ob der gesuchte Leonidas wohl ein Achatgardist sein mochte, oder nicht. „Ich glaub ich weiß wer gemeint ist, aber ich hab nie mit ihm gesprochen.“
Falkenstein war groß, ständig kamen und gingen Leute, man konnte hier sein Leben verbringen und nur einen Bruchteil der Bevölkerung dieser pulsierenden Stadt gesehen haben, von kennen ganz zu schweigen!
In das Gespräch über Geleitschutz und was Scimitar wirklich in der Gegend machte, mischte er sich erst einmal nicht ein, er hatte auch keine Lust noch mal eine verpasst zu bekommen. Da kam man sich ja gleich wieder vor wie im Unterricht wenn man zu laut getratscht hatte… Auch er widmete sich lieber, mit einem dankbaren Nicken, über ein Stück Brathuhn her, welches Lisbeth gerade gebracht hatte. Eintopf war zwar schön und gut, aber gegen ein gutes Stück Braten gab es selten etwas einzuwenden.

Und nebenbei bemerkt, war der Tritt seines Schwingenbruders ohnehin zu spät gekommen. Oder Cai hatte zu schnell geplappert, was oft genug vorkam, aber es hatte wohl gereicht dass Atevora sehr zielsicher auf ihre Berufung zurück schließen konnte.
Caius erwartete einen weiteren Rüffel seines Bruders und wandte sich wieder seinem Bier zu. Nur um es im nächsten Moment hustend in den Becher zurück zu befördern. Athaín überraschte ihn doch immer wieder. Kühle Eleganz gepaart mit rätselhafter Unnahbarkeit, und dann solche Aussagen!
Eigentlich hatte er Lachen wollen, aber irgendwie hatte er es doch geschafft das ganze zu einem kurzen Husten herunter zu biegen, denn er sah die faszinierend blauen Augen der Magierin strahlend auf sich gerichtet und er wollte einen guten Eindruck machen!
Ja, Cai sah die Sache mit den Bekanntschaften sehr anders als sein Flügelmann. Er hatte oft schneller Freubdschaften geschlossen als Athaín sich vorstellen wollte.
Und die bewundernden Worte, welche Atevora für die Drachenreiter fand, verfehlten bei Caius nicht ihre Wirkung.
„Bitte entschuldigt meinen Bruder!“ erwiderte er mit einem ebenso charmanten Lächeln bevor er fortfuhr „Ja, das ist es in der Tat! Und ich bin schon eine Weile Drachenreiter!“ es musste ja keiner wissen dass er erst vor kurzer Zeit, und entgegen einiger böser Stimmen, vom Initiat zum Pares aufgestiegen war.
Und zum Glück gehörte Athaín nicht wirklich zu den Personen, die dazu neigten aus dem Nähkästchen zu plaudern.
Seltsam nur, das diese schwärmerischen Sätze dieses Mal bereits aus ihrem Mund kamen. Normalerweise waren das eher Aussagen die er verwendete um hübsche Mädchen zu beeindrucken. Der weitere Verlauf eines solchen Gesprächs beinhaltete dann meistens eine Einladung ob sie denn seinen Drachen sehen wollte und alles andere ergab sich dann meist von selbst.
Blöd nur, das Nero heute nicht hier war, sondern am Drachenfelsen auf ihn wartete.

Es wäre wohl interessant gewesen zu sehen wie sich dieses Gespräch weiterentwickelt hätte, aber die Situation nahm eine neue Wendung. Lisbeth kam zurück, untypisch blass und bedrückt für Ihre sonst so unerschütterlich fröhliche Art.
Cai brauchte wesentlich länger um das Wappen einzuordnen, welches die Männer ein paar Tische weiter zur Schau trugen.
„Ich hab gehört, da sollen ein paar miese Schläger dabei sein…“ antwortete er auf Atevoras Feststellung, während er über den Rand seines Bierkruges hinüber sah.
Und dann passierte noch etwas unerwartetes: eine neue Stimme mischte sich in das Gespräch ein und das obwohl sich niemand zu ihnen gesetzt hatte.
Hatte sich gerade wirklich Scimitars Schwert zu Wort gemeldet?
Von Vertücktheiten hörte man ja oft, aber das überraschte selbst Caius, und der hatte viel Blödsinn im Kopf.
Ein leichter Stubser von Athaín ließ ihn wieder aufmerken. Hin und wieder brauchte Tatsächlich auch sein Schwingenbruder Hilfe!
„Na wenn wir keinen größeren Scherzkeks als mich an unserem Tisch haben, dann ist Scimitar im Besitz eines sprechenden Schwerts und das hat sich gerade zu Wort gemeldet. Und ausnahmsweise ist das nichts als die Wahrheit!“ beeilte er sich zu versichern bevor er dann noch bekräftigend hinzufügte „Scimitar ist übrigens ein sprechender Waschbär! Tut mir Leid, vorher gab’s keine höflichere Gelegenheit dir das zu sagen und die ist immer noch nicht besser, geb ich zu!“ ein kurzer, entschuldigender Blick ging zum Waschbären, dann sprach er weiter „Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich mir sowas ausdenke, oder?“
Erst nachdem er sich vergewissert hatte, dass Athaín zumindest geneigt war ihm zu glauben, wandte er sich wieder Scimitar zu „Also… was hat es mit der ganzen Geschichte auf sich?“
Da hatte sie sich gerade einmal gesetzt, die Leute zu etwas zu Essen und zu Trinken eingeladen, wurde aufgefordert sich zu erklären warum sie die Leute einlud damit sie sich überhaupt setzen durfte, und erhielt für ihre Frage nach der Augenbinde eine ziemlich unfreundliche Reaktion. Gut, solle es so sein. „Nun, in Ordnung. Ich kann verstehen, wenn ihr keine persönliche Frage beantworten möchtet. Vergessen wir es.“ Säuselte sie freundlich. Sie hatte einen Namen und ein markantes Aussehen das sie beschreiben konnte. Athain. Sie musste ihn nicht persönlich befragen um mehr von ihm zu erfahren. Außerdem kam ihr der Name ohnehin irgendwie bekannt vor. So als hätte sie ihn sicherlich schon einmal in den Einsatzberichten der Akademie gelesen. Zurück zum wesentlichen Hier hatte sie lebende Objekte vor der Nase. Insbesondere einen eigentümlichen Waschbär. Dieser ging nicht auf ihren Hinweis ein, dass man Tatsachen nicht auf den Tisch legen wollte und sie nur ans Licht kamen weil sie versehentlich herauspurzelten, aber er zeigte sich hinsichtlich ihrer Fragen kooperativ.
Es hatte funktioniert ihn mit einem möglichen Geschäft zu ködern. Er beantwortete ihre Frage bedacht ausweichend und dennoch ausführlich genug um nicht unhöflich zu wirken. „Wir sollten uns nachher unter zwei Augen noch etwas ausführlicher darüber unterhalten.“ Es war gewiss nicht schlecht nicht alleine von der Niederstadt zur Hochstadt zu gehen, selbst wenn der Begleiter nur ein Waschbär war. Wobei, was hieß da "nur"? Als Tier hatte er sicherlich bessere Sinne als ein Mensch, was ihr im Falle einer Gefahr vermutlich genug Zeit verschaffen könnte sich selbst zur Wehr zu setzen. Schließlich war sie selbst auch nicht wehrlos, aber sie durfte nicht überrumpelt werden und brauchte einen Zeitpuffer um ihre Magie zu wirken. Außerdem wollte sie die Chance erhalten ihn näher.. kennen zu lernen. Und welches Umfeld war hier besser als das Vertraute der Akademie?

Caius sprang auf die Schmeichelei an, und bewies nicht nur dadurch, dass er der Umgänglichere der Beiden Drachenreitern war. Sicherlich wäre Athain ohne ihn furchtbar aufgeschmissen, und dabei dachte die Magierin nicht an dessen fehlende Sicht. Caius entschuldigte sich nämlich sogar für das Vorangegangene rüpelhafte Verhalten seines Ordensgenossen und bewies damit zumindest einen Sinn für Benehmen. Allerdings war sich die Gräfin sich nicht sicher wie ernst er es damit meinte. Das Husten war akustisch nämlich irgendwo zwischen einem verschlucken aus Schreck und fehlgeschlagenem Lachen einzuordnen. Ihr Vormund hätte solcherlei nicht geduldet. Wenn sie sich so benommen hätte, wäre sicherlich sofort eine Lerneinheit Certamen angestanden, bei dem irgendwelche Untote.. nein lassen wir das. Diese Erinnerungen an das erste Certamen mit Xerxes sollten tief in den Erinnerungarchiven der kleinen Magierin vergraben bleiben. Nach außen hin nickte die Magierin dem Burschen jovial zu. Sie hatte nicht vor weiter darauf herum zu hacken, sondern wollte viel eher mehr von Caius erfahren. Ein wenig hatte sie gehofft, dass der Bursche nun etwas mehr aus dem Nähkästchen plaudern würde, wie Beispielsweise von seinem Drachen erzählen, doch es blieb leider äußerst oberflächlich. Aber dem war nicht so. Gerne hätte sie also noch nachgehakt und etwas mehr an Informationen herausgefischt, doch das Interesse ging in eine völlig andere Richtung.

Eigentlich sollte sie jetzt aufstehen und gehen, denn mit solchen Personen in einer Taverne konnte die Stimmung jederzeit kippen. Wenn es schon nicht zu körperlichen Auseinandersetzungen kam, so fiel früer oder später bei Gruppen mit übersteigertem Ego die Aufmerksamkeit auf sie. Sie war klein, zart, und hübsch anzusehen, und das reichte für gewöhnlich aus für eine große Bandbreite an Benehmen die als nicht wünschenswert betitelt werden konnte. Eine davon waren derbe Anmachen. Gut, damit kam sie bestens zurecht, aber es gab auch Momente da hatte sie halt keine Lust sich mit niederen Gesellen herumschlagen, und wohlgleich sie gerade keine Freude damit sie an den Haken zu nehmen, Hoffnungen zu machen und sie dann auszunutzen. Im Moment würde sie zum Beispiel lieber die Gelegenheit nutzen den Waschbär näher kennen zu lernen.

Athain war der Erste, der Scimitar sehr direkt auf die Neuankömmlinge ansprach, und Caius steuerte auch sein Wissen bei, welches er über diese Leute vernommen hatte, während der Waschbär selbst eine klare Aussage wieder geschickt zu umgehen gedachte. Völlig unerwartet mischte sich aus heiteren Himmel ein weiterer Teilnehmer ins Gespräch ein.
Einen Augenblick war Atevora äußerst irritiert, ehe sie lokalisieren konnte woher die Stimme drang. Es war Scimitas Langdolch! Perplex blinzelte die Magierin, aber ihre Ohren wurden rasch spitz wie die von einem Luchs. Die eigentümliche Konversation war verwirrend wie zugleich wahrlich interessant, in vielerlei Hinsicht. Ihr magiebegeistertes Herzchen hätte beinahe begonnen höher zu schlagen und gerne würde sie da jetzt sehr dingend Nachbohren, oder das magische Dinglein da genauer begutachten. Der Haken an der Geschichte war, so interessant die Informationen für sie am Tisch waren, dürften sie auch für die Schläger am Nebentisch gewesen sein, die davon eindeutig etwas mit bekommen haben. Anders war es nicht zu erklären weshalb einer inzwischen zu ihnen sah, mit dem Arm seinen Kumpanen neben sich stieß. Mit Worten die Atevora zwar dank des allgemeinen Geräuschpegels nicht ganz verstand, aber sich genau denken konnte was sie beinhalteten und einem halben Nicken zu ihrem Tisch brachte er diesen dazu ebenfalls in ihre Richtung zu sehen.
„Unsere Tischnachbarn fanden das genau so spannend wie wir..“
Ja, sie begannen schon zu ihnen zu schlurfen. Einer der Gesellen packte sogar seinen Stuhl und scharrte ihn über den Boden um ihn hinter Atevoras und Scimitars Stühlen in die Lücke zu stellen.
>“Was erzählt ihr Euch da für spannende Dinge?“< Fragte der kräftigste unter den Neuankömmlingen. >“Von uns gemeinem Pack, ja? Lasst euch von uns nicht aufhalten“< Meinte er mit einem süffisantem und etwas gefährlichem Grinsen. >“Wir hören gern noch ein wenig zu. Also, wie war das mit dem uns gemeinem Pack und dem Überfall!“< Demonstrativ setzte er sich Breitbeinig auf den Sessel.
Oh wie sich die Leute gerade strategisch ungünstig um sie herum positionierten.
Und wenn Waschbär dachte, es kann nicht mehr schlimmer werden, ein wenig was ging immer. Nicht nur, dass der Kerl mit der Augenbinde gerade heraus fragte, was es mit all dem auf sich hatte und seine Körpersprache dabei nur zu deutlich ausdrückte, dass er sich mit Halbwahrheiten, Ausflüchten oder gar Lügen nicht würde abspeisen lassen, nein auch Mademoiselle Magierin war die Neugierde anzusehen (und Magier ließen bekanntlich nie locker, wenn sie die belesene Nase einmal in eine Angelegenheit gesteckt hatten, egal ob sie selbige nun etwas anging oder nicht). Aber beides war nicht die Spitze der Unannehmlichkeiten: Durch das, mehr oder weniger laute Hin und Her (danke Askarton!) wurden gerade jene Gestalten auf sie aufmerksam, von denen er das am wenigsten brauchen konnte. Und die machten kein Hehl aus ihrem Interesse und zogen sich gleich ungefragt die Stühle an den Tisch, sodass abhauen nun weder unbemerkt noch unbehelligt mehr möglich war. Der Tag war von Anfang an zum in den Misthaufen treten.

Scimitar knurrte warnend und diesmal blieb es nicht dabei, dass er das Messer unauffällig lockerte. Nein, sicherheitshalber zog er es hervor und legte es demonstrativ vor sich auf den Tisch. Die Stimmung war geladen und auch die anderen Gäste im Umkreis schienen zu bemerken, dass eine Prügelei oder Ähnliches in der Luft lag, denn die Tische in ihrer Nähe leerten sich verdächtig schnell. Eben jener, der seinen Hintern inklusive Stuhl ungefragt zwischen ihn und die Magierin verpflanzt hatte, zeigte seine schlechten Zähne, als er mit schmierigem Grinsen die Pranke um die Schulter der Adeligen, die sich als Atevora vorgestellt hatte, legte und sie mit festem Griff an sich zu ziehen suchte. >Na Püppchen, was hat dich eigentlich in diese Gegend verschlagen?< Seinen schlechten Atem konnte Scimitar bis zu sich riechen. > Doch wohl nicht die Gesellschaft dieser drei Verlierer hier. Aber vielleicht müssen wir dir erst beibringen, dass gemeines Pack zu mehr fähig ist als zu Überfällen!< Seine schmierigen Finger spielten scheinbar harmlos mit den weißblonden Locken der Magierin, aber Scimitar war klar, dass der Mistkerl nur die Faust zu schließen brauchte, um Atevora in seiner Gewalt zu haben. Auf der andern Seite des Tisches stieß Lisbeth einen unterdrückten Aufschrei aus. Einer der anderen Rabauken hatte anscheinend seine Finger mal wieder nicht bei sich lassen können. >Bring uns noch ‘ne Runde, die Herren hier zahlen. Reden macht durstig und ich habe das Gefühl, wir haben eine Menge zu bereden.< Der drohende Unterton gefiel Scimitar ganz und gar nicht. Aus den Augenwinkeln musterte er die beiden andern an seinem Tisch, Atain und Caius. Beide Männer wirkten, als könnten sie ordentlich austeilen. Hoffentlich waren sie auch bereit dazu. Denn der Waschbär hatte nicht vor, sich hier aushorchen zu lassen. Würden diese ungehobelten Gesellen mitbekommen, dass er erst vor wenigen Kerzenstrichen einige der ihrigen von ihrem Dasein erlöst hatte, wäre sein Pelz keinen Nickel mehr wert und er hatte beileibe keine Lust, als Bett- oder Kaminvorleger zu enden. Oder als Wandbehang oder was auch immer für ‚Nettigkeiten‘ sich in diesen Hirnen zusammenspann.

Lisbeth kam eben mit den Bierhumpen. Von der Frohnatur der Schankmaid war nichts mehr zu sehen, kreidebleich war das Mädel. Scimitar entschuldigte sich schon jetzt im Geiste bei ihr, für das Chaos, das wohl in den nächsten Momenten entstehen würde. Als die Frau die Bierkrüge abgestellt hatte und eigentlich wieder in die Küche flüchten wollte, zog der Widerling, der bestellt hatte, sie mit einer raschen Bewegung an sich. >Gib mir ein Küsschen, meine Süße! Diese Tischgesellschaft ist so unerfreulich! Komm zier di…. hey!< Neben seinem Ohr steckte ein Messer in der Wandvertäfelung.
„Wenn du deine Finger nicht weg lässt, trifft das nächste Messer deine hässliche Nase. Würde meiner Meinung nach eine deutliche Verbesserung zum jetzigen Zustand darstellen!“
>Pass auf was du sagst, Nager!<
„Sonst was? Du solltest übrigens deine Schmierpfoten auch von der Lady nehmen …“
>Und wenn nicht?<
„Probier‘s aus!“
Bei seinen letzten Worten spielte Scimitar provokant mit einem weiteren seiner Messer (den Altvorderen sei Dank hatte er immer genug davon mit, er liebte seine Spielzeuge einfach). Sein kaltes Grinsen ließ spitzen Zähne aufblitzen. Er war ja nun eigentlich nicht der noble Retter von Witwen, Waisen und holden Maiden, solange kein Geld für ihn heraus sprang. Aber in der jetzigen Situation war Angriff die beste Verteidigung und das ungebührliche Gegrapsche der Banditen bot einen guten Anlass, die Angelegenheit mit Fäusten, Messern und was auch immer zu besprechen, jedenfalls nicht mit Worten. Und so nebenbei vom eigentlichen Thema abzulenken. Er konnte nur hoffen, dass die beiden Drachenreiter ihn jetzt nicht hängen ließen. Die Schurken schienen die Einladung zur Prügelei auf jeden Fall anzunehmen, denn Stühle wurden nach hinten gerückt, als sie sich erhoben. Scimitar tat das gleiche, sprang aber sicherheitshalber gleich auf den Tisch. Als Waschbär musste man ja einen gewissen Größenunterschied ausgleichen.
Athaín gab einen feuchten Haufen Dung auf das was Andere über ihn dachten. Dass die Meinungen nicht allzu positiv ausfielen, war er gewöhnt. Es war ja auch nicht seine Aufgabe Jedermann's Sonnenschein zu sein, sondern die bestand darin Schatten zu bekämpfen. Darin war er gut. Süßholzraspeln und zierliche Tischgespräche zählten indes nicht zu seinen Stärken, was er auch wusste und deshalb lieber die Klappe hielt wenn er nichts zu sagen hatte. Es sei denn man ging ihm so lange auf die Eier bis er etwas sagte, dann gipfelte es zumeist in Aussprüchen wie dem eben. Er stupste seinen Schwingenbruder unter dem Tisch an, als der anfing loszuprusten, und brummte leise. Auf Lacher war er nicht aus gewesen, und er hatte die Lady auch nicht beleidigen wollen. Das passierte nur eben früher oder später, wenn man nicht aufhörte ihn vollzuzwitschern. Athaín konnte gut unterscheiden ob Interesse echt oder eben nur Gezwitscher war. Diese Dame trug keine Wärme oder Herzlichkeit in ihrer Stimme, wie es zum Beispiel bei Lisbeth der Fall war, sie klang nur neugierig. Weshalb er auch nicht daran dachte ihr Persönliches auf die Nase zu binden. Zum Glück sah sie dann auch von ihrer Frage ab, was er mit einem zustimmenden Brummen quittierte. Dann musste er sich zumindest keinen Käse aus den Fingern saugen, und lief auch nicht Gefahr dass Caius mit einem Fräulein, ich weiß was! dazwischen funkte.

Was ihm jedoch auffiel, war dass dieser Scimitar offensichtlich ähnlich auskunftsfreudig war wie er selbst. Seine Antworten waren nicht ungeschickt, aber vage und ausweichend, und eigentlich ging der Informationsgehalt gegen Null. Nun, für gewöhnlich war Athaín das egal. Er interessierte sich weder besonders für seine Mitmenschen, noch hatte er als Drachenreiter in Accipetris irgendwas mitzukakeln. Der Orden hatte keinerlei offizielle Befugnis, weshalb dieser Scimitar ein Sölder, Mordbube oder Bandit sein konnte - es ging ihn nichts an. Da waren jedoch die Typen am Nebentisch, und sehr wohl kannte Athaín das Prinzip mitgefangen, mitgehangen. Wenn es hier also gleich rundging, wollte er zumindest wissen in welchen Schlamassel sie hineinschlittern würden. Bevor er jedoch nachhaken konnte, meldete sich eine andere Stimme zu Wort, die eindeutig Interessantes zu vermelden hatte.

Ein leises, warnendes Brummen drang aus seiner Kehle, als Caius auf seine Frage hin etwas von einem sprechenden Schwert und einem Waschbären faselte. Der Schelm versicherte jedoch ausnahmsweise die Wahrheit zu sagen, und da er das sonst nie tat wenn er versuchte ihn zu verarschen, war Athaín geneigt ihm zu glauben, so phantastisch es auch klang. "Du sagst also, da sitzt ein leibhaftiger sprechender Waschbär an unserem Tisch und unterhält sich mit seinem Schwert, hab ich das richtig? Und Frau Magistra hat sich beides noch nicht unter den Nagel gerissen? Interessant..." Sie kamen jedoch nicht dazu sich weiter ausführlich darüber zu unterhalten, denn plötzlich und unerwartet - nun ja, Letzteres nicht ganz - begannen die Ereignisse Purzelbaum zu schlagen. Irgendwer am Nebentisch hatte den Disput wohl mitbekommen, was kein größeres Kunststück war, und es offenbarte sich dass dieser Scimitar mehr mit diesen Kerlen am Hut hatte als er anfangs hatte zugeben wollen. Anscheinend kannte man sich, und mehr noch, man war sich ganz offensichtlich in die Quere gekommen und hatte die eine oder andere Rechnung zu begleichen. Ein Stuhl wurde gerückt und mit vernehmlichem Schleifen über den Boden gezerrt, um dann ganz in Athaíns Nähe, er vermutete zwischen Scimitar und der Maga, abgestellt zu werden. Am Ächzen des Möbels war zu erkennen, dass anschließend ein großer, schwerer Hintern darauf gewuchtet wurde.

Die Hand des Hellhaarigen wanderte langsam zu seinem Schwert, während er dem sich entspinnenden Disput folgte. Anscheinend wurde die Magierin bedrängt, wobei die Anrede Püppchen auf eine zierliche Statur schließen ließ. Dennoch war Athaín sicher dass sie nicht ganz wehrlos war, das tat aber nichts zur Sache. Die Kerle waren anscheinend auf Ärger aus, und dieser Scimitar stieg bereits bereitwillig darauf ein. Aber auch Lisbeth schien nicht ungeschoren davon zu kommen, und wenn es schon keinen Anlass gegeben hätte sich wegen ein paar Fremder weitere Strafdienste einzuhandeln - dies war eine Tatsache, die auch der Halbdrache nicht auf sich beruhen lassen konnte. Während das Chaos um ihn herum zu toben begann, Wurfmesser mit zischendem Geräusch durch die Luft flogen, und jemand nach Pelz riechendes auf den Tisch sprang, erhob sich Athaín geschmeidig und flankte über die Rückenlehne der Bank nach hinten. Er war groß, verfügte über einen Anderthalbhänder und brauchte verdammtnochmal Platz um hier mitmischen zu können. Dummerweise genoß der Waschbär - dessen Existenz er nun erstmal nicht weiter hinterfragte - bereits die volle Aufmerksamkeit der Typen, die versuchten von allen Seiten auf ihn einzudringen.

"Cai, zu mir!" verfügte die ruhige Stimme des Drachenreiters, der rücklings gegen einen Stuhl stieß und ihn kurzerhand aufhob. Den dabeistehenden Tisch beförderte er mit einem kräftigen Tritt an den Rand des Geschehens. "Lisbeth! Bring alles her was man werfen kann! Teller, Krüge, egal was! Cai, du wirst hinter mir bleiben und mit allem werfen was Lisbeth dir anreicht! Ziel auf ihre Köpfe und triff gut! Wir müssen sie davon überzeugen dass hier die Musik spielt, denn ich hasse es hinter den Leuten her zu rennen. Verstanden?" Die Schankmaid nickte hastig und begann bereits geduckt durch den Schankraum zu laufen um auf den Tischen stehendes Geschirr einzusammeln. Für's Erste standen aber auch noch ein paar verlassene Krüge und Becher in der unmittelbaren Umgebung, die Caius erst einmal als Wurfgeschosse verwenden konnte bis Lisbeth Nachschub brachte. "Wieviele zählst du insgesamt und wie verteilen sie sich?" wollte Athaín wissen um sich einen ungefähren Überblick über die Lage zu verschaffen. "Sind Fernkämpfer dabei?" Er selbst stand breitbeinig wie eine lebende Bastion mitten im Raum, hielt sein Schwert in der Rechten und den Stuhl in der Linken. Zum Glück konnte man mit dem Anderthalbhänder sowohl ein- als auch beidhändig kämpfen. In Ermangelung einer Rüstung bevorzugte er es jedoch, zunächst einmal den Stuhl als provisorischen Schild zu verwenden.
“Ja ganz genau so ist es, also spar dir dein Brummen!” fast hilfesuchend und etwas entnervt über das scheinbare mangelnde Vertrauen seines Schwingenbruders wandte er sich an ihre zwei Tischnachbarn “Könnte ihm bitte irgendwer bestätigen, dass ich die Wahrheit sage? Sonst darf ich mir den Mist noch den ganzen Tag anhören!” Cais Laune pendelte den ganzen Tag schon ziemlich schnell auf und nieder, und er wollte sich auch noch weiter sehr ausgiebig darüber beschweren, dass es manchmal wirklich schwer war Athaín davon zu überzeugen dass er die Wahrheit sprach und ihn nicht anflunkerte, aber er kam gar nicht dazu, denn sie bekamen doch tatsächlich Besuch.
Das vorlaute Schwer hatte das geschafft, was die ganze seltsame Konstellation an Persönlichkeiten die hier beisammen saß, bis jetzt noch nicht fertig gebracht hatte. Es hatte die Aufmerksamkeit von mindestens drei Menschen auf sie gezogen und natürlich ausgerechnet von diesen Schlägern über die sie gerade her zogen. Warum wunderte ihn das so überhaupt nicht?
“Magische Schwerter sind wohl doch nicht so toll wie ich immer dachte, vor allem wenn sie sprechen können.” stellte er fest, während die Stimmung im großen Schankraum schlagartig kippte. die ganze Szenerie wäre ja fast unterhaltsam gewesen, wären sie nicht selbst mitten drin. Ein magisches Schwert mit einer ziemlich vorlauten Klappe und ja, Scimitar als sprechender Waschbär war auch nicht gerade langweilig, und jetzt noch das schmierig bedrohliche Gehabe der drei Männer, welche sich jetzt auch noch ungefragt zu ihnen an den Tisch setzten.
Cai knirschte unwillig mit den Zähnen, während er sich umsah.
Leider konnte er Athaín keinen Fragenden Blick zuwerfen, was er von der ganzen Situation hielt, denn eigentlich wusste er schon ziemlich genau, worauf er jetzt gerade Lust hätte.
Irgendwo tauchte in seinem Kopf noch der Gedanke auf, dass es vielleicht eher suboptimal wäre sich jetzt in eine Schlägerei einzumischen. Schließlich waren sie ja eigentlich schon auf Strafdienst hier und gleich noch einmal eine Kerbe ins Holz zu hauen, zog wohl eher in die andere Richtung. Aber es wurde auch genauso schnell klar, dass es vielleicht gar nicht bei einer einfachen Schlägerei bleiben würde. Immerhin hatte Scimitar bereits das erste Messer geworfen und ihre Gegner schienen die Provokationen des Waschbären nur zu bereitwillig aufzunehmen. Und immerhin galt es die arme Lisbeth zu verteidigen!

Der Waschbär auf dem Tisch und war drauf und dran sich in den Kampf zu stürzen, Athaín hatte sein Schwert schon in der Hand und auch bei ihren Gegnern konnte man die ersten Waffen blitzen sehen.
”Cai, zu mir!” der junge Drachenreiter sprang ohne zu zögern auf, als sein Schwingenbruder ihn rief. Er hatte ohnehin nur mehr ungeduldig darauf gewartet, dass endlich irgendwer den Anfang machte, bevor man es ihren Gegnern zu sehr überließ die Situation zu stark zu dominieren.
“Aye!” rief er laut, damit er auch für Athaín bestätigte dass er unterwegs war und nicht schon in irgendeine Dummheit verwickelt war.
Dabei lief es ohnehin auf das übliche Spielchen hinaus, welches die beiden Drachenreiter nur zu gut beherrschten: Cai durfte als scheinbar leichter Gegner die Feinde her holen und die Aufmerksamkeit in die richtige Richtung lenken, bevor Athaín dann alles niedermähte was dumm genug war noch so lange in der Gegend herum zu stehen.
Die Rolle des Köders mochte ihm zwar nicht schrecklich gut gefallen, aber sein Schwingenbruder hatte ihm schon einmal sehr deutlich klar gemacht, warum die Rollenverteilung genau so war und nicht anders.
“Es sind Drei! Einer bei Atevora, die beiden anderen stehen links und recht davon und konzentrieren sich auf Scimitar. Beide tragen… Kurzschwerter.” gab er einen kurzen Lagebericht ab. “Ach, und versuch niemanden umzubringen, ja?” fügte er mit einem Blick, auf seinen zu allem entschlossenen Gefährten hinzu, bevor er sich einen der Bierkrüge auf ihrem Tisch schnappte und zielte “He Pferdefresse!” lachte er den einem Kerl entgegen, bevor er das tönerne Trinkgefäß mit Schwung durch den Schankraum pfefferte.
Athaín brauchte wahrscheinlich nicht einmal sein sein erfreutes “Ha!” um zu wissen, dass der erste Krug getroffen hatte, denn schon vorher konnte man den Aufprall und das laute fluchen hören, während der Kerl wütend wie ein Stier sich seinen Weg zu ihnen bahnte.
“Der erste kommt!” stellte Cai trotzdem fest “Ich bleib in deiner Nähe!” damit schnappte er sich einen der Teller und schoss ihn flach wie einen Diskus durch die Schankstube, um auch Raufbold Nummer zwei auf sie zu ziehen. Sich hinter Athaín zu verstecken hätte wenig sinn, außer seine Bewegungsfreiheit einzuschränken. Und er brauchte Platz zum Werfen!
Cai ließ eine wahre Salve aus äußerst kreativen Beleidigungen und Wurfgeschossen auf ihre beiden Gegner los, um sie einerseits wirklich an sie zu binden und andererseits auch noch so richtig wütend zu machen. Je wütender ein Gegner war, desto einfacher war er normalerweise auszuschalten. “Ein Feigling versteckt sich noch hinter der Magierin!” da war es ihm dann doch zu riskant einen Becher zu werfen, denn er wollte nicht versehentlich Atevora erwischen. Da mussten sie sich noch etwas anderes einfallen lassen.

Mit einem lauten Krachen wurde rechts von ihm ein Tisch umgekippt und hoch gewuchtet.
“Oh scheiße!” entfuhr es ihm ungewollt. Der Kerl war ein Riese, mindestens vier mal so schwer wie er selbst und größer als Athaín und… er trug leider das Wappen eines springenden Hirschens auf seinem Wams.
“Tisch von rechts! Volle Deckung!” rief er seinem Schwingenbruder noch zu, bevor er sich selbst mit einem Hechtsprung nach vorne in Sicherheit brachte.
Der schwere Eichentisch brachte bei seinem Aufprall den Boden zum erzittern und wenn noch irgendwer der anderen Tavernengäste mit gaffen beschäftigt war, so ergriffen sie jetzt die Chance auf Flucht.
Cai beeilte sich wieder auf die Füße zu kommen. Immerhin war es jetzt in dem sich drastisch leerenden Schankraum sehr einfach zu sagen, wer hier noch dazu gehörte.
“Ich hab hier noch vier am Hals! Und ich könnt ein wenig Hilfe brauchen, ich hab den scheiß Tisch im Rücken und werd gerade eingekesselt!” was leider der Wahrheit entsprach, denn zwischen ihm und seinem Schwingenbruder war der Tisch liegen auf der Seite liegen geblieben und Cai hatte die große Tischplatte im Rücken. Immerhin konnte ihn von da keiner angreifen...
Tellerwerfen würde hier wohl nichts mehr bringen und Cai zog nun doch seine Kurzschwerter. Aber vier Gegner, alle bewaffnet mit Schwertern oder Knüppeln… nein, da hatte er im Grunde nicht wirklich eine Chance, zumindest nicht alleine.
Der Riese ließ ein finsteres Lachen hören >“Na du Rotzlöffel? Wir müssen dir wohl erst ein paar Manieren einprügeln!”<
Cai knirschte mit den Zähnen, er machte einen Ausfallschritt um dem ersten Angreifer zu entgehen und verpasste ihm ein paar Hiebe mit den Breitseiten des Schwerts “Komm und versuchs!” rief er dem großen Mann herausfordernd entgegen.
Er hoffte nur, dass ihm irgendwer zu Hilfe kommen würde, sonst würde er wohl wirklich ordentlich Prügel einstecken.
„Waschbärähnlich, Artefaktschwert, und die Magistra hat sich beides noch nicht unter den Nagel gerissen, korrekt.“ Tönte es ausgesprochen sachlich und trocken, und genau passend als Antwort zu der fad schmeckenden Bemerkung des Drachenreites mit Augenbinde hinüber. Zu mehr Nettigkeiten fand sich keine Zeit mehr, denn die Stimmung in der Taverne verschlechterte sich rapide. Geradezu dick und schneidend schob sich eine angespannte Atmosphäre über sie.
Die Magierin wunderte es irgendwie kein bisschen, dass sich der Schläger ausgerechnet neben sie an den Tisch zwängen musste und wie befürchtet wurde er natürlich auch gleich zudringlich. Diese Leute waren allesamt so elend vorhersehbar. Und sie stanken immer aus dem Mund. Es war wie ein naturgegebenes Gesetz, dass die widerlichsten, zudringlichsten und rüpelhaften Vertreter des männlichen Geschlechtes einem neben ihrem unmöglichen Benehmen auch noch mit üblen Gerüchen marterten.
Vermutlich war es auch Unnötig zu erwähnen, dass ihr das dreiste Ignorieren ihrer persönlichen Wohlfühlzone außerordentlich lästig war, und die Fragen des Mannes sicherlich höchst rhetorischer Natur, richtig? Sie waren gezielt darauf abgestimmt möglichst bedrohlich und dubios zu wirken. Wie öde. Ja sie hatte solches leider bereits reicht oft erlebt. Es war irgendwie vorhersehbar. Wollte sie ebenfalls vorhersehbar reagieren? Nein, natürlich nicht. Leute mit einer unerwarteten Reaktion aus dem Konzept zu bringen war spaßig, insbesondere wenn ohnehin schon so dicke Luft herrschte, dass so ein späßchen nichts mehr zur Sache tat außer vielleicht etwas Zeit zu verschaffen, bis sich das Gewitter entlud. „Oh, ja ich bitte darum“ Raunte die Magierin also im verschwörerischem Tonfall und neigte sich dem Ekel sogar noch zu. „Wie wäre es zu Beginn mit so etwas ganz und gar unerwarteten wie dem Einhalten höflicher Distanz und Etikette? Oder wenn ihr mich auch zu einem Getränk einladet.“ Er Mann zeigte nur ein schäbiges Grienen, orderte aber prompt Getränke, weshalb die Magiern einfach einmal frei davon ausging, dass die Wörter Distanz und Etikette zu hochtrabend für den schlichten Verstand gewesen waren, der schmierige Kerl dies mit dem Grinsen aus schlechten Zähnen überspielte und als alternative dem Ersten nachgekommen war das er im Satzgefüge verstanden hatte. Da sich die Magierin für die Drohspielchen uninteressanter gemacht hatte, hatte sich dieser geltungssüchtige Rohling als neues Opfer die arme Lisbeth auserkoren. Ein gravierender Fehler.

Schneller als Lisbeth dem Mann eine Ohrschelle verpassen konnte, segelte ein Messer knapp an dessen Gesicht vorbei. Die Schnelligkeit und Zielgenauigkeit waren dabei wirklich bemerkenswert, aber im Moment seufzte die Magierin innerlich bloß schicksalsergeben. Es war zu spät um zu beschwichtigen. Jetzt galt es bloß noch so rasch wie möglich aus dem direkten Gefahrenbereich zu kommen. Kaum dass Scimi auf den Tisch sprang, nutzte die Magierin Gelegenheit sich des Griffes zu entwinden. Geschickt tauchte sie unter des Schlägers Arm hindurch, drehte sich zur Seite und.. blieb prompt mit ihrer Tasche an der Stuhllehne hängen. Verflixt! Eilig zerrte sie den Tragegurt von der Lehne, der Stuhl fiel polternd zu Boden, und ehe sie sich noch in Sicherheit und dem Ausgang entgegen stürzten konnte, befand sie sich schon in einer taktisch äußerst ungünstigen Position. Nämlich genau mittendrin!

Aithan seinerseits hatte sich abgesetzt und sein Schwert gezogen – verdammt, ein Blinder der mit einem Schwert rumfuchtelte? Atevora verfluchte diesen vermaledeiten Tag jetzt schon. Welcher Depp hatte bitte die Glorreiche Idee einem Bilden einen Anderthalbhänder in die Hand zu drücken?! In einer Taverne, mitten in einer Schlägerei? Das würde Tote geben!
Ein undamenhaftes Knurren tönte in den Raum als sie schwankend zwischen Unlust und Pflichtbewusstsein, sich für das letztere entschied. Um ein Desaster gering zu halten musste sie bleiben. Wer sonst sollte hier potentiell tödliche Wunden stopfen bis sich ein ernsthafter Heilmagier darum kümmern konnte?
Aber sie benötigten eindeutig Hilfe von offizieller Hand. Sie griff sie das erstbeste an ihr vorbei drängende Bürschchen und befahl ihm in einem seltsam durchdringenden Ton der keine Widerrede zuließ: „Holt die Stadtwache oder Achatgarde. Sofort!“ Große Augen starrten sie überrascht an, doch der junge Mann nickte hektisch. „Ich gebe euch bis zum Ausgang Deckung.“
Kaum hatte sie die Worte gesprochen, segelten schon die ersten Bierkrüge durch den Raum und der Bursche drängte sich wacker an einem Schlägern vorbei dem Ausgang entgegen. >“Ein Feigling versteckt sich noch hinter der Magierin!”< Oh so feige war der benannte Feigling gar nicht, sondern höchstens ein Spätzünder. Zuvor noch unentschlossen und kurz dazu geneigt dem zum Ausgang hetzenden Burschen nachzustellen, richtete sich seine Aufmerksamkeit nun natürlich ausgerechnet auf die besagte Magierin.
Ein Grinsen das irgendwie näher an einem Zähnefletschen lag, denn an etwas anderem, gaben die Pläne des Schlägers nur all zu greifbar preis, und sie gefielen der Magierin nicht. Ganz und gar nicht.
Sie hatte noch nicht einmal vor sich an dieser bescheuerten Schlägerei offen zu beteiligen! „Wartet ich habe mit dem allen nichts zu tun.“ Entweder gingen ihre Worte in dem Tumult unter, oder es war diesem widerlichen Stück Mensch einfach egal, denn das Messer das er drohend in die Höhe hob sprach Bände. Mist. Sie brauchte schleunigst etwas um sich zu verteidigen!

Instinktiv wich die Magierin vor der Bedrohung zurück und sprach magische Worte. Ihre Flucht endete an einem Tisch an den sie schmerzhaft mit der Hüfte Stieß, und ihr zauber verpuffte. Jetzt trennte sie nur noch eine Handbreit vor diesem üblen Schuft. Siegessicher hob dieser seine Messerfreie Hand um nach der Magierin zu schlagen, doch plötzlich sprang ihm etwas in den Rücken. Nicht etwas, sondern Scimitar!
Atevora Atmete hörbar auf, als der Waschbär mit Krallen und Zähnen den Angreifer Bearbeitete und dieser kopflos davon stolperte.
Nun aber fort aus der Mitte!

Eilig schob sich die Magierin um den Tisch herum, und begab sich an den Rand des Kampfschmelztiegels in der Absicht diesen elenden Kerlen für ihren Angriff nun doch endlich Manieren beizubringen. Rasch hetzte ihr Blick über das Chaotische Bild der Taverne. Athain stand da wie ein lebendes Ein-Mann-Bollwerk und erinnerte sie von seiner gesamten Körperhaltung her frappierend an ihren Cousin. Lisbeth verteidigte sich Tapfer mit einem Serviertablett, Bedienstete warfen mit Krügen, Scimitar zerlegte einen der Angreifer, Gäste flüchteten zum Ausgang und Caius war ordentlich in Bedrängnis geraten und rief nach Hilfe. Gegen diese vermaledeiten Rüpel? Nur zu gerne!
Sie formte ein Gebilde aus Blut und Gewebe und warf es mit Schmackes einem der Angreifer entgegen. TREFFER! Mit einem Flatsch, klatschte dem Schläger etwas Matischiges ins Profil und fiel zu Boden. Vom plötzlichen Flugobjekt überrumpelt hielt der Getroffene in der Bewegung inne. Während nebenher einer der Vier Angreifer einen Ausfallschritt nach vorne Tat, just auf dem schmierigen Gewebeschmodder aus einem Herz Blut und Blutbahnen am Boden stieg und darauf ausrutschte, fasste sich der Beworfene perplex ins Gesicht und registrierte, dass das auf seinen Fingern Blut sein musste. Er wandte seinen Blick in die Richtung aus welcher das Flugobjekt kam nur um dort eine Magierin zu erspähen die ihn seltsam unschuldig, gar lieb anlächelte.
Er war also jemand der sich leicht ablenken ließ. Perfekt. Komm her, meine Marionette. Zeit ihren Lieblingszauber zu Intonieren. „Creo Corpus.."
Was nun allerdings auf seinen, zugegebener Massen recht impulsiven, Messerwurf folgte, hätte sich Scimitar in seinen kühnsten Träumen nicht vorzustellen vermocht: Binnen weniger Momente verwandelte sich die Taverne in ein einziges Tollhaus. Wer noch konnte und klar im Schädel war, verließ den Ort des Geschehens, so schnell ihn seine Beine trugen. Leider waren es nicht so viele, wie der Waschbär erhofft hatte und mit leichtem Schrecken musste er feststellen, dass die Angreifer zahlenmäßig weit mehr waren, als er gedacht hatte. Den Altvorderen sei Dank, schlossen sich seine neuen Tischkameraden der Sache jedoch an, sogar die Magierin schien nicht abgeneigt, sich die Halunken zur Brust zu nehmen. Aber dabei unterlief dem weißen Persönchen ein kleines Missgeschick. Scimitar knurrte. Nur ein Anfänger achtete nicht auf seine Rückendeckung und als Atevora dann auch noch gegen einen der Tische, die mittlerweile etwas anders arrangiert im Raum standen, oder lagen, oder was auch immer, stieß, blieb ihm nichts anders über als dem Kerl, der mit einem wirklich ekelig gefährlich wirkenden Messer auf sie zuwankte, in den Rücken zu springen.

Dabei fauchte und knurrte er in schönster Waschbär Manier und setzte seine Krallen ein. Binnen weniger Augenblicke zierten einige ansehnliche Striemen und Kratzer das Gesicht des Angreifers. >Du verdammtes Drecksvieh! Verschwinde…. ah …au … na warte deinen Pelz hol ich mirrrrr< Das Gefluche ging in einem johlenden Schmerzensschrei unter, als Scimitar seinen Gegner einfach ins Ohr biss. Vor Schreck und Schmerz ließ dieser daraufhin das Messer, mit dem er zuvor noch versucht hatte den Waschbären zu erreichen, fallen und hielt sich sein Hörorgan. So abgelenkt taumelte er durch die Schankstube, nur um wenige Schritt später vom Koch eine gusseiserne Bratpfanne übergezogen zu bekommen. Das würde gewaltiges Kopfweh geben.

Davon bekam Scimitar aber schon gar nichts mehr mit, hatte er doch nach dem Ohrgenage einen Absprung gemacht. Angeekelt spuckte er auf den Boden. Ihwähhh, ich sollte mir überlegen, wo ich rein beiße. Der Kerl schmeckt nach dem Dreck Aitheras von mindestens den letzten sechs Monden. Doch zu seiner Verwunderung war das nicht das einzige blutige Zeugs, was den Boden des Wichtels zierte. Blitzschnell sah der Waschbär sich um. Seine Gefährten, oder zumindest Raufkumpanen, waren alle dem ersten Anschein nach ganz und unverletzt, zumindest schien keiner aus irgendwelchen unplanmäßigen Körperöffnungen Blut zu verlieren. Aber auch die Angreifer waren alle noch insoweit heil, dass keiner seine Innereien am Tavernen Boden verstreute. Was zum Geier …? Weiter kam er in seinen Überlegungen allerdings nicht, war der Rotschopf, der so ziemlich am andern Ende des Getümmels kämpfte, doch etwas in Bedrängnis geraten. Auf seiner Seite hatten sie jetzt die Unterstützung des Kochs bekommen, und sei es nur, dass er die Schankmaiden, die unter Lisbeths Kommando mit allem warfen, was sie in die Finger bekamen, im Auge behalten konnte. Und die Magierin murmelte irgendwelches Zeugs vor sich hin, was für ihn keinen Sinn ergab, sich aber hoffentlich als wirksam herausstellen würde.

Mit einem Sprung setzte der Waschbär über den seltsam ekeligen Klumpen was-auch-immer hinweg und zog dabei Askarton aus der Scheide. >Du willst doch nicht wirklich, nein, Scimitar wirklich! Schau dir deren Waffen an, ich hol mir Rostkrätze oder Schartenpilz oder … Scimiiiii!!!!!< „Klappe Askar…. Hey, pass doch auf du langer Lulatsch!“ Nur mit knapper Not konnte er sich unter einem von Athains Schwingern durchducken. „Verflucht, ich gehör zu deinen Leuten, wenn du mir die Rübe abhackst, nehm‘ ich das persönlich! Hast wohl keine Augen im Kopf!“ Das könnte in diesem Moment aber auch auf ihn selbst zutreffen, denn während er Aithan noch die Schimpftriade an den Kopf knallte, rannte er gegen ein unerwartetes Hindernis. Und zwar jenen umgekippten Tisch, der Caius von seinem Kapfgefährten trennte. Ohne eine Antwort des zuvor Angeschnauzten abzuwarten, umrundete er das Hindernis, blieb aber wohlweislich ausserhalb der Tischbeine, die den jungen Mann regelrecht eingekesselt hatten, und stürzte sich auf den Erstbesten, der den Rotschopf bedrängte und sich nun aber bereits ihm zugewandt hatte. >Hey Fellkugel, aus welchem Käfig bist du denn getürmt? < „Und in welchem Drecksloch hat deine Mutter dich auf die Welt losgelassen?“ War die, zugegeben nicht gerade diplomatische, Antwort. >Lass meine Mutter aus dem Spiel, du räudiger Nager! < Und schon kam ein Schwert auf ihn zu. Scimitar parierte, begleitet von Askartons lautem Gezeter. „Alles was du kannst?“ feixte er weiter. Beinahe hätte er es aber übertrieben, denn der nächste Schlag kam unverhofft etwas schräger von oben und die Parade des Waschbären war mehr schlecht als recht. In seiner linken Ohrspitze verspürte er ein Brennen. Erschrocken zuckte er mit selbigem. Gut dran war es noch, aber er spürte ein kleines Rinnsal die Ohrkante heranrinnen. Dieser Mistkerl hatte ihm doch tatsächlich eine Scharte in sein Ohr verpasst. Wütend knurrte er. Da hörte sich nun wirklich jeder Spaß auf! Aber auch Askarton, der eigentlich in seinem wehleidigen Gejammer voll und ganz aufging, schien mit einem Mal wie ausgewechselt. >Du hast meinen Kämpfer verletzt! Ahhh, los Scimitar, geben wir es dem räudigen Hund! Hau ihm eine in die Fresse, nein besser zwischen die Beine, schauen wir mal ob er dann auch noch so große Töne spuckt! <

Ein gemeines Grinsen stahl sich in Scimitars Gesicht und er zeigte dabei seine spitzen Zähne, an denen trotz Ausspuckens noch ein wenig Blut haftete. Das feine rote Rinnsal, das mittlerweile seine Wange erreicht hatte, verstärkte den Anblick eines wilden Tieres noch. „Mit Vergnügen mein stählerner Freund!“ Dann stürmte er wieder auf seinen Kontrahenten zu.
Athain und sein Schwingenbruder hätten ebenfalls das Weite suchen können, schließlich ging sie der Händel im Grunde nichts an. Aber jetzt waren sie nun einmal mittendrin, und es war egal wer angefangen hatte. Drachenreiter wurden nicht dazu ausgebildet sich feige zu verdrücken, ob sie nun in einem Sattel saßen oder nicht. Deswegen hatte der große weißblonde Schwertkämpfer nicht gezögert sich mitten im Raum zu positionieren und die taktische Führung an sich zu reißen. Nun ja - sofern man bei Mitstreitern in Form eines großmäuligen Waschbären und einer schwer einschätzbaren Magierin von so etwas wie Taktik reden konnte. Er konnte nur hoffen dass sie einigermaßen mitspielten und nicht die nächste Gelegenheit nutzten um ihrerseits zu verduften. Immerhin war Cai noch da, und der erledigte seine Sache wie immer prächtig. Athaín grinste angesichts der kreativen Beleidigungen und des Schepperns um sich herum. "Keine Sorge, ich bin nicht scharf auf einen längeren Kerkeraufenthalt", gab er zurück. Natürlich würde er niemanden umbringen. Außer es ging nicht anders.

"Der erste kommt!" Na das war doch mal eine Information, mit der man etwas anfangen konnte. Und Nummer Zwei war ebenfalls auf dem Weg. Der Erste stürmte wutschnaubend heran und wollte Athain unterlaufen um sich Caius zu schnappen. Der senkte jedoch seine Klinge und drosch ihm deren flache Seite wuchtig um die Ohren, sodass er stöhnend zu Boden ging. Der zweite war mit knapper Verzögerung da und wurde erst einmal mit dem Stuhl auf Abstand gehalten. Noch bevor der Halbdrache sein Schwert wieder in Position bringen konnte, kam rechts von ihm Tumult auf. Anscheinend hatten die Brüder noch Verstärkung dabei gehabt, die an einem anderen Tisch gesessen hatte. Athaín fluchte leise. Deswegen also hatten die es sich leisten können so eine große Klappe zu riskieren. Ein schweres Möbel wurde gerückt, und Caius' lauter Ruf setzte ihn ins Bild was da gerade passierte. Er hatte gerade noch Zeit den anderen Kerl mitsamt Stuhl von sich wegzurammen und selbst einen Hechtsprung zur Seite zu machen, da schlug besagter Tisch auch schon krachend dort auf wo er eben noch gestanden hatte. Was zum Kuckuck...?

Den Kerl von eben hatte er verloren, konnte aber anhand eines Schepperns und eines lauten Schmerzensschreis darauf schließen dass er wohl etwas Massives an den Schädel bekommen hatte. Inzwischen hatte sich auch das Tavernenpersonal organisiert, und festgestellt dass die Wurfgeschosstaktik erfolgreich war. Ein, zweimal bekam auch Athaín einen schlecht gezielten Treffer ab, aber nichts was ihn ins Wanken brachte.

Um die Gegner weiter weg konnte er sich nicht kümmern. Frau Magierin konnte den Ihren entweder bei ihm abliefern oder musste selbst damit fertig werden. Sein Anderthalbhänder war für den Kampf auf freiem Feld gedacht. Er konnte hier nicht einfach wild um sich dreschen und alles kurz und klein schlagen, sondern musste sich angesichts der knappen Platzangebots auf defensiven Kampfstil beschränken. Dafür war es wichtig dass der Feind zu ihm kam, und nicht umgekehrt.

“Ich hab hier noch vier am Hals! Und ich könnt ein wenig Hilfe brauchen, ich hab den scheiß Tisch im Rücken und werd gerade eingekesselt!” Caius' alarmierter Ruf von rechts. "Bin unterwegs! Halt durch!"

Der Kerl, der eben so intelligent gewesen war in Athaíns Klinge zu rennen, hatte sich inzwischen aufgerappelt und versuchte es allen Ernstes nochmal. Dabei röchelte er etwas wie "Das wirst du büßen!", halb erstickt vom Blut was aus seiner gebrochenen Nase strömte. Mit leisem Klirren hob er sein Kurzschwert vom Boden auf und stiess einen heiseren Kampfschrei aus. Idiot, auch noch anzukündigen aus welcher Richtung er angriff. Er hatte es nicht besser verdient. Die Klinge des Halbdrachen beschrieb einen Bogen und fegte ihn erneut von den Füßen. Diesmal erwischte sie ihn seitlich am Körper und man hörte ein paar Rippen bersten. Zeitgleich wuselte etwas nach Pelz riechendes an ihm vorbei und beschwerte sich lautstark. Ernsthaft jetzt? Der Halbdrache schüttelte den Kopf. "Mein Fehler. Ich bin leicht zu übersehen", merkte er trocken an und machte sich nun endlich seinerseits auf in die Richtung, aus der Caius' Stimme und Kampfeslärm erklangen.

Aha. Der Tisch. Athaín erkannte das Problem in dem Moment, als die Schwertspitze gegen die massive Holzplatte stieß. Diese wies in seine Richtung, während sein Schwingenbruder auf der anderen Seite zwischen den Tischbeinen eingekesselt war und weder vor noch zurück konnte. Es gab nur eine Möglichkeit. "Platz da!" Athain stellte den Fuß auf die Tischkante, zog sich hinauf und balancierte einen Moment darauf, wobei er das Schwert in eine wirbelnde Bewegung versetzte wie den Propeller eines Luftschiffs. Und mit lautem Kampfgebrüll sprang er wie ein wilder Barbar mitten in den Pulk, der Caius gerade bedrängte. "Hau ab, Kleiner!" Die wirbelnde Klinge lenkte die Kurzschwerter und Dolche ab, und mit wuchtigen Hieben wurden die Vier zurückgedrängt, was Caius genug Zeit verschaffen sollte über den Tisch zu klettern und sich eine günstigere Kampfposition zu suchen.

Das war auch bitter nötig, denn die Kerle hatten jetzt zwar einen neuen Gegner, der auch Einiges aushielt, aber vier - minus einem, denn der starrte gerade wie hypnotisiert zu der Magierin hinüber, blieben also noch drei - waren doch etwas zuviel für einen allein. Sie begannen den Halbdrachen einzukesseln, und auch wenn die wuchtig geführten Schwerthiebe das Meiste abwehren konnten, wurde der Stoff des Hemdes an einigen Stellen zerfetzt und blutige Striemen und Schnitte verzierten die Haut darunter. Im Gegensatz zu den Drachenreitern hatten diese Kerle nicht den hehren Vorsatz niemanden zu töten. Die meinten es ernst!
>“Bin unterwegs! Halt durch!”< dass war genau das, was er hören wollte.
Er war zwischen den Tischbeinen gefangen und jedes mal wenn er versuchte einen Vorstoß zu machen, wurde er wieder zurück gedrängt. Immerhin kamen sie so nur einer nach dem anderen an ihn ran. Cai blockte einen plumpen Schwertstreich von oben ab, die Kurzschwerter verschafften ihm zwar kaum Reichweite, aber dafür einiges an Versatilität und Anpassungsfähigkeit und hin und wieder war es gar nicht dumm dicht am Gegner dran zu sein. Der junge Drachenreiter versetzte seinem Gegner einen kräftigen Tritt in die Weichteile, welcher auch sofort die gewünschte Wirkung zeigte: der Kerl ging mit tränenden Augen zu Boden und war mit winseln beschäftigt.
Er hatte keine Zeit sich in diesem kleinen Sieg zu sonnen, auch wenn es ihm einiges an Genugtuung verschaffte. Aber die Sekunde die er mit feixen verbrachte führte dazu, dass er auf den nächsten Angriff schlecht vorbereitet war. Er bekam gerade noch so die Schwerter rechtzeitig in die Höhe, aber er war aus dem Gleichgewicht und unter den wuchtigen Schlägen taumelte er zurück bis er fast wieder gegen die Tischplatte stieß. Er fluchte laut, die Kurzschwerter nur mit der Breitseite zu benützen schränkte seine Möglichkeiten ein, zumal es seinen Schlägen leider einfach an Wucht fehlte um seine Gegner wirklich auszuschalten.
Er hatte niemanden wirklich verletzen wollen, zumindest nicht ernsthaft. Er biss die Zähne zusammen, denn anscheinend hatte er keine Wahl…
Cai hob das Schwert und…
FLATSCH!
Er blinzelte überrascht und wischte sich Blut aus den Augen. Moment mal, das… war jetzt aber nicht seine Schuld, oder? So weit war er doch noch gar nicht gekommen! Sein Blick irrte von dem blutigen Matsch auf dem Boden, in die Richtung aus der die Masse gekommen war um schließlich kurz den Blick der Magierin zu treffen. Für mehr als ein kurzes Nicken war keine Zeit, ein Gegner war abgelenkt und der zweite landete am Boden, weil er auf der Matsch ausrutschte.

Und dann kam auch schon die Kavallerie. Irgendwo auf Hüfthöhe keiften Scimitar und sein Schwert um die Wette, bevor sie sich ins Getümmel stürzten und dann hörte er hinter sich die Stimme seines Schwingenbruders, oder viel besser über sich.
Cai legte den Kopf in den Nacken und blickte nach oben nur um sich sofort hastig unter der wirbelnden Klinge von Athaíns Schwert wegzuducken, die gefährlich nahe an seinem Gesicht vorbei rauschte.
“Scheiße, willst du mich skalpieren oder was?” fluchte er laut, obwohl er sich nicht ganz sicher war ob der Weißhaarige seine Beschwerde überhaupt noch hörte, denn der hatte sich bereits sehr eindrucksvoll auf die verbleibenden Feinde gestürzt und alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen.
Abhauen, von Wegen! Wenn Athaín schon so aufmerksam war und Bollwerk spielte, dann konnte er sich daran machen, das Feld von hinten aufzuräumen.
Mit einigen Sätzen hatte er die Gegner umrundet, obwohl er den Riesen geflissentlich mied, um den sollte sein Schwingenbruder sich kümmern.
Mit schmackes trat er einem fest von hinten in die Kniekehle, sodass der Kerl mit einem überraschten Fluchen auf die Knie ging und Cai nutzte die Gelegenheit um ihm mit der Breitseite auf ihn einzuprügeln bis der keine Lust mehr hatte sich zu wehren.
“Ich bin hier.” meldete er dann, damit Athaín ihn nicht versehentlich im Eifer des Gefechts nieder mähte. “Und es ist einer weniger! Ich hab die Flanke!”
Cai war mittlerweile sehr zuversichtlich, dass sie diese Schläger jetzt ohne weitere größere Probleme erledigen würden. Mit jedem weiteren der Schläger, welcher in die Knie gezwungen wurde, kippten die Waagschalen mehr ihre Richtung.
“He Waschbär!” rief er eine kurze Warnung, dann trat er kräftig gegen einen der herumliegenden Stühle, sodass er gegen den Gegner des Nagetiers stieß und diesen kurz aus dem Gleichgewicht brachte und gründlich ablenkte.
Warum musste sie heute in diese Taverne gehen? Sie hätte umgehend zur Speisung zurückkehren sollen. Eventuell wäre es auch ratsam gewesen direkt den Weg nach Hause einschlagen, oder aber die Stadtgarde aufzusuchen um eine Recherche zu beginnen, schließlich hatte sie heute jemand zu möglichen Vermisstenfällen angesprochen. Vieles wäre besser gewesen als das hier.

Welch heilloses Gewühl und Chaos! Eines in dem es wahrlich mehr als schwer war den Überblick zu behalten und aus der Flut an Informationen die Wesentlichen herauszufiltern. Die Magierin registrierte die wie die Gäste kopflos flüchteten. Mit bangen blassen Gesichtern pressten sie sich an die schlichte dunkle Wandvertäfelung in der Hoffnung nicht von schlechtwetterverkündenden – ja, gewiss würde es noch ein ordentliches Donnerwetter geben - tieffliegenden Blechkrügen, oder verirrten Fäusten getroffen zu werden. Sie alle lauerten und harrten ob ihrer Chance sich am Tumult vorbei in die Freiheit zu stehlen. Weg, nur schnell weg von hier und frei von Schlägen und blauen Flecken. Noch könnte Atevora ihnen nach und dieses ganze Tohuwabohu hinter sich lassen! Doch sie hatte sich dagegen entschieden.

Stühle kippten krachend um, scheppernd landeten einige Zinnbecher auf den zerfurchten Holzdielen.Tonteller zerschellten dumpf klirrend und ein Schrankgestell von einem Kerl warf einen Tisch um, aufdass es lauthals hölzern polterte und die langen Dielen selbst unter der Gräfin Füßen noch rebellierten. Zwischen den Tischbeinen wurde der junge Drachenreiter eingesperrt, und die wilde Meute hatte ihn eingekesselt. Die Magierin hörte ihn um Hilfe rufen, nach seinem Freund der noch beschäftigt war, oder dem Waschbären der ihrem vorherigen Angreifer wortwörtlich ein Ohr abkaute und sie wusste: Sie alle wären nicht rechtzeitig zur Stelle. Instinktiv und ein wenig aus rechtschaffenem Zorn heraus handelte die Gräfin um den Mann zu Unterstützten. Mit einem eilig gewobenem Zauber warf sie den Angreifern etwas entgegen das nicht geworfen werden sollte. Einer der Bedränger rutschte auf dem widerlichen Zaubergewebe aus, und der Getroffene starrte fassungslos und äußerst Perplex zugleich in ihre Richtung. Augenkontakt und Überraschung gepaart mit einem schlichten Geist. Es war perfekt für ihren Zauber!
Behände und mit fester Stimme gleich einer Künstlerin die kundig ihren Pinsel schwang erhob die Magierin ihre Hände zu dem Zauber.

Geradewegs lange genug hatte sie zwei der Schurken abgelenkt damit sich Caius der Angreifer erwehren konnte, doch war sie auch schnell genug mit ihrem Zauberweben? Düster intonierte sie die Formel und mit ihren Worten schlangen sich jäh die Fäden der Magie um den Mann.
Im Hintergrund hetzte Aithain mit beherztem Satz über das derangierte Mobiliar hinweg um mit wirbelndem Schwerthieb seinem Kumpanen zur Hilfe zu eilen! Der Waschbär pöbelte in seltsamer Einigkeit mit dem jungen Drachenreiter, während Atevora die Maschen der Magie um den Unbekannten und zog und damit knebelte. Beinahe hätten die Lärmenden alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen, das Opfer der Gräfin wüst entrissen, doch diese hatte den Magieblutbesudelten schon in ihrem Bann. An unsichtbaren Fäden baumelnd drehte sich ihre Marionette fort von ihr hin zu einem Ziel das der Mann selbst nicht kannte. Seine Augen weiteten sich vor Schreck als er Begriff, dass sein Körper ihm nicht mehr gehorchte und jemand anderes sein Handeln lenkte. Er wollte schreien, doch er konnte es nicht, stattdessen ließ er sein Schwert fallen und griff nach einem der umgekippten Stühle als neu auserkorene Waffe. An unsichtbaren Fäden baumelnd hob er ihn in die Höhe und schlug ihn mit Wucht gegen seinen neben ihm stehenden Kumpanen.
Ein Krachen ertönte während der Stuhl splitternd aus den Leim ging, sodass ihre Marionette nichts mehr als die Lehne in den Händen hielt. Hinter ihm hörte man den riesenhaften Koloss maulen. Drohte er gerade einem von Atevoras Tischgesellschaft? Die Gräfin hatte nicht richtig zugehört, denn abermals raunte sie einige Worte und bewegte zum geschickten Fadenspiel ihre Finger. Ein unheilvolles Lächeln lag auf der Magierin Lippen, als sie ihre Puppe tanzen ließ. Und schon drehte sich ihre Spielfigur mit der Stuhllehne in den Händen um, und schleuderte sie mit Wucht dem Koloss entgegen. Voll farbenfroher Überraschung im Gesicht riss dieser rein aus Instinkt einen Arm in die Höhe um sich vor der fliegenden Stuhllehne zu schützen. Noch während mit dumpfem Laut das Holz auf Haut und Knochen traf und ein >„heey, was soll das“< durch den Raum donnerte, stürzte Atevoras Helfer wider Willen dem Koloss entgegen um ihm mit Schmackes eine Faust in die Visage zu rammen.
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