Lost Chronicles

Normale Version: Sterne, Drachen und ein Törtchen
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Das hellblaue, fast weiße, Kleid reichte bis fast auf den Boden. Es war jedoch so geschneidert und an ihre Größe angepasst, dass der Saum auch dann nicht schmutzig wurde, wenn der Boden nicht ganz so eben war wie in Gebäuden. Laeticia trug Lederstiefel und zwar welche, mit denen sie reiten konnte und nicht etwa nur tanzen. Ein mit weißem Fell gefütterter mitternachtsblauer Umhang vervollständigte ihre Erscheinung, zumindest hier draußen, während sie über das Kopfsteinpflaster ging. Ihre Schritte waren zwar leichtfüßig und schnell, dennoch keineswegs feengleich. Man konnte sie gut hören und auch, dass sie sich beeilte. Warum war ganz einfach, sie war falsch abgebogen und hatte einen ganz schönen Umweg gemacht, was sie nun doch etwas ärgerte.

Ihre langen Haare waren unter ihrer Kapuze verborgen, die sie übergezogen hatte. Nicht weil sie sich verbergen wollte, sondern weil ihr kalt geworden war, trotz ihrer Eile. Wie immer umgab sie ein sachtes helles Schimmern, welches jedoch durch den dicken dunklen Umhang ganz gut verborgen wurde, wenn auch nicht ganz. Doch fiel sie nicht wirklich auf, was auch daran liegen konnte, dass sie nicht den Hauptweg eingeschlagen hatte. Sie wollte zum Sternengeschäft, wie sie es nannte. Sie war zwar bisher zwei Mal dort gewesen, doch die Erinnerung an den Weg dorthin war verschwommen. Beim ersten Mal hatte sie den Laden nur durch Zufall gefunden und beim zweiten Mal hatte sie sich angeregt mit einer Schankmaid unterhalten, die auf dem Weg zu ihrer Arbeit gewesen war, da das Wirtshaus in der Nähe gewesen war. Nur eine Querstraße weiter nämlich, 'Zum drehenden Derwisch'.

Aber jetzt müsste sie... also theoretisch jedenfalls... richtig sein. Mit einem kleinen Schnauben blieb sie stehen, drehte sich einmal langsam um die eigene Achse und ließ den Blick schweifen. Dann stapfte sie einmal kurz mit ihrer Stiefelspitze auf und ging dann doch weiter in die Richtung, die sie eh schon eingeschlagen hatte. „Perfekt!“, freute sie sich – mit sich selbst redend – als sie einen hochgewachsenen Mann sah, der gerade in diesen Weg einbog und auf den sie nun zielstrebig zusteuerte. Seine Haare waren sogar noch heller als ihre und da es langsam dunkelte, fielen sie erst recht auf. Laeticia war noch nicht nahe genug heran um die Augenbinde zu bemerken. Dafür jedoch sah sie, dass er bewaffnet war und neugierig wie sie nun einmal war, versuchte sie jetzt schon zu erkennen um was für ein Schwert es sich handelte.

So war es nicht verwunderlich, wenn man sie kannte, dass ihr Blick auf dieser Höhe blieb und sie mit einem freundlichen: „Entschuldigt bitte.“, auf sich aufmerksam machte und mitten in seinem Weg stehen blieb. Sie ging ja davon aus, dass er sie sah. Aufgeregt starrte sie den Knauf des Schwertes an und ließ den Blick dann die Scheide herab gleiten. „Ordo Draconis“, murmelte sie und man konnte heraushören, dass sie begeistert war. Sie merkte gar nicht, dass sie einen längeren Moment beinahe andächtig schwieg, denn sie erinnerte sich an die alten Geschichten über die Drachenreiter, die sie als Kind gehört hatte.

Dann fiel ihr ihre Unhöflichkeit ein und sie räusperte sich. „Verzeihung, ich war ein wenig abgelenkt. Aber könntet Ihr mir vielleicht sagen, ob ich auf dem richtigen Weg bin? Ich wollte zu Meister Elldron. Er hat hier in der Nähe ein Geschäft mit Sternenkarten, Büchern über Astronomie und dergleichen.“ Erst bei den letzten Worten hob sie den Blick und musste tatsächlich ihren Kopf etwas in den Nacken legen, damit sie in sein Gesicht sehen konnte. Was bedeutete, dass sie zu nahe vor ihm stand, als dass es noch schicklich gewesen wäre. Also räusperte sie sich erneut, dieses Mal aber verlegen und trat genau zwei kleine Schritte zurück und stutzte wegen der Augenbinde. „Bin ich Euch jetzt vielleicht zu nahe getreten? Wenn ja, dann tut es mir wirklich Leid.“
Der Abend war klar, ruhig und kalt. Auf einem Drachen durch die Lüfte zu reiten war im Sommer definitiv ein größeres Vergnügen. Trotz des wollenen Hemdes, des wattierten Waffenrocks und der gesteppten Lederhose, sowie der gefütterten Stiefel und Handschuhe war Athaín einigermaßen durchgefroren als er sich losgurtete und von Alachias Rücken stieg. Einen Mantel trug er nicht, denn Drachenreiter hatten sich in Accipetris so zu kleiden, dass sie zu erkennen waren. Wenn schon nicht in voller Gefechtsrüstung - die schwer und unpraktisch war - dann hatte zumindest die auffällige Drachenklinge offen sichtbar zu sein. Böse Zungen lästerten, damit jeder sofort wusste wohin er die Rechnung schicken musste wenn es mal wieder Ärger gab. Und den gab es oft. Denn der Ordo Draconis hatte in Accipetris keinerlei Ordnungsbefugnisse, und man wusste nicht ob seine Mitglieder trotzdem oder gerade deswegen oft in Streitereien verwickelt wurden.

Nachdem Alachia wieder davon geflogen war um gemächlich ihre Runden über Accipetris zu drehen - oder sich anderweitig zu beschäftigen wenn ihr langweilig wurde - denn das Warten auf den Landungsstegen der Luftschiffe war seit Neuestem strengstens untersagt, machte sich ihr Reiter auf in Richtung Marktplatz. Dort waren nicht nur fahrende Händler zu finden, die allerlei Krimskrams feilboten, sondern auch Geschäfte und Handwerksbetriebe gruppierten sich darum herum. Unter anderem gab es dort eine kleine, aber exklusive Waffenschmiede, die sich auf die Herstellung von Einzelstücken spezialisiert hatte. Athaín hatte dort ein Geschenk für einen Freund in Auftrag gegeben, und hatte nun vor sich nach dem Stand der Dinge zu erkundigen - und vielleicht einen heißen Met an einem der Markstände zu sich zu nehmen. Den konnte er nämlich nach dem frostigen Flug eindeutig gebrauchen.

Er lauschte dem Echo der Schritte auf dem Pflaster, seiner eigenen und jener der vorüberziehenden Passanten, welches ihm ein ungefähres Gefühl für die Umgebung vermittelte. Den Kopf hielt er gesenkt und zwischen die Schultern gezogen, denn hier auf der breiten Straße blies einem der kalte Wind ganz schön um die Nase. Athaín konnte erahnen ob sich ihm jemand näherte und in welche Richtung er würde ausweichen müssen. Es rempelte jedoch sowieso kaum jemand einen zwei Schritt großen Hünen mit Schwert an der Seite an, unabhängig davon ob er eine Augenbinde trug oder nicht. Jedenfalls nicht hier auf der Straße. In mancher Taverne mochte das anders aussehen. Wieder einmal näherten sich Schritte, diesmal von vorn, und sie steuerten direkt auf ihn zu. Sie klangen leicht. Ein Kind vielleicht? Die rannten manchmal durch die Gegend ohne groß darauf zu achten wohin...

Athaín stellte sich darauf ein seine Schritte nach rechts oder nach links zu lenken, je nachdem an welcher Seite der Näherkommende an ihm vorbei stürmen würde, als er plötzlich einen leisen Ruf vernahm. "Entschuldigt bitte." Der Stimme nach handelte es sich um eine junge Frau. Eine sehr höfliche junge Frau, wie es den Anschein hatte. Der Halbdrache verhielt den Schritt und blieb stehen. Meinte sie ihn? Die Frage erübrigte sich im nächsten Moment, denn die Schritte kamen direkt vor ihm zum Halten und man hörte ein leises, beinahe ehrfürchtig gemurmeltes "Ordo Draconis“. Da hatte wohl jemand sein Schwert entdeckt. Die Begeisterung in der Stimme ließ ein Schmunzeln über das Gesicht unterhalb der Augenbinde huschen. "Ihr seid nicht von hier, was?" Eine simple Schlussfolgerung. In Accipetris war man den Anblick von Drachenreitern gewöhnt, und mal mehr, mal weniger begeistert darüber. Meistens wurde man jedoch schlicht zur Kenntnis genommen.

Die nächsten Worte der jungen Frau bestätigten seine Annahme, denn sie hatte sich anscheinend verlaufen. Was in Accipetris - zugegebenermaßen - nicht schwer war, wenn man sich nicht auskannte. "Meister Elldron..." Der Drachenreiter strich sich mit den Fingern über die Stirn. Der Name sagte ihm gar nichts, auch nicht beim zweiten und dritten Mal Nachdenken. "Nein, tut mir leid", schüttelte er schließlich den Kopf und ließ die Hände sinken, um sie leicht gegeneinander zu reiben. Trotzdem sie in Handschuhen steckten, war es verflucht eisig. "Es gibt ein paar Geschäfte für nautischen Kram in der Stadt, aber das ist weniger mein Gebiet." Athaín zuckte bedauernd mit den breiten Schultern. Dass sie inzwischen sehr nah bei ihm stand, fiel ihm zunächst gar nicht auf. Höchstens angenehm, hielt es doch ein wenig den eisigen Wind ab.

"Nein, schon gut." Er lachte leise. Es klang tief und leicht rau, so wie die ganze Stimme eben klang. "Bei dem Wetter ist mir jeder Hauch von Wärme willkommen. Sagt, habt Ihr es vielleicht genauer? Eine Adresse oder zumindest eine Straße? Dieser Weg führt geradeaus direkt zum Markt, und zum Hafen in die Richtung aus der ich komme. Aber ich nehme an, Ihr sucht weder das Eine noch das Andere?" Da die Dame wirklich nett zu sein schien, wollte er sie nicht einfach wieder wegschicken ohne wenigstens seine Hilfe angeboten zu haben.
Das schimmernde Persönchen war erleichtert und sogar froh darüber, dass sie jemanden entdeckte und war sich sicher so zu ihrem Ziel zu gelangen. Also hielt sie genau auf den langhaarigen Mann zu, der immer und immer größer wurde, je näher sie ihm kam. Doch nicht umsonst war sie mit Waffen groß geworden und liebte sie, auch wenn sie die meisten nicht einmal schwingen konnte und wenn doch, dann nicht gut und sehr grobschlächtig sowie unelegant. Da war ihr Stab sehr viel besser, den sie gerade auf ihrem Rücken unter dem Umhang verborgen trug. Eigentlich war ihr richtiger Kampfstab größer als sie selbst, aber sie wollte eine kürzere Variante ausprobieren.

Laeticia hielt den Unbekannten nicht nur mit einer Entschuldigung auf, sondern blieb auch direkt vor ihm stehen. Allerdings war sie gleich darauf auch schon abgelenkt, hatte sie doch seine Waffe bzw. das Zeichen darauf endlich gesehen und sogleich erkannt. Sie war begeistert, denn da stand doch wahrhaftig ein echter Drachenreiter vor ihr! Auch deshalb kam ihre Reaktion auf seine Frage um ein oder auch zwei Sekunden verzögert. Es war ein über sich selbst belustigtes leises Auflachen. „Das ist also sehr offensichtlich, ja? Verzeiht, aber ich hätte nicht gedacht, dass ich ein solches Schwert einmal vor mir sehen würde und nicht als Zeichnung in einem Buch oder einer Schriftrolle!“ Schon zuckten ihre Finger und ihre Hand hob sich ein paar Zentimeter an, die sie dann aber doch schnell wieder sinken und unter den Umhang verschwinden ließ. Da hätte sie doch fast etwas Ungehöriges getan und seine Waffe berührt. Reiß dich zusammen und benimm dich nicht wie eine liebestolle Närrin.

So fragte sie lieber nach dem Weg und versuchte eigentlich ihn anzusehen, weil das höflicher war, aber nun ja. Ihr Interesse hatte sozusagen einen eigenen Willen. „Sehr schade. Ich hatte mich bei Eurem Anblick schon sehr gefreut.“ Laeticia zog die Nase ein wenig kraus, sowie auch ihre Stirn und schnaubte dann kaum hörbar. Nautischer Kram?! „Ja, so könnte man es auch nennen. Aber es ist nicht gerade sehr höflich jemandes Leidenschaft Kram zu nennen.“ Oh ja, sie tadelte ihn, allerdings würde er ein leichtes Grinsen aus ihrem Unterton heraushören. Da sollte sie beileibe nicht so streng sein, denn sie selbst konnte das nämlich auch sehr gut: Jemandes Leidenschaft verunglimpfen und das mit noch unschöneren Bezeichnungen als Kram.

Erst bei ihrem halben Tadel sah sie zu ihm hoch und war für einen Augenblick erstaunt, dass er gar so groß war. Sie selbst war nur ganz knapp über fünf Fuß hoch und er... viel mehr. Fast so groß wie ihr Kampfstab! Also der Stab war fast so groß wie er. Du meine Güte! Aber ihr gefiel sein Lachen und flüchtig rieb sie sich über den linken Unterarm, was sie nicht einmal merkte. „Hmm. Das kann ich gar nicht so genau sagen. Markt und Hafen. Ich glaube nicht, dass eins davon in der Nähe war.“ Sicherheitshalber drehte sie sich mit Schwung noch mal um und so streifte ihr Umhang seine Unterbeine.
Cia kratzte sich über die Stirn und brummelte etwas Unverständliches in ihren nicht vorhandenen Bart. Sie stand mit dem Rücken zu ihm und hatte dahingehend Vertrauen, weil er ein Drachenreiter war. Ein Windstoß ließ sie jedoch frösteln und schimpfen: „Ich sollte diese Kälte ja eigentlich gewohnt sein.“ Sie schimpfte aber mit sich selbst. „Oh, ich weiß etwas!“ Schon wirbelte sie wieder herum und lächelte strahlend. „Kennt Ihr das Wirtshaus 'Zum drehenden Derwisch'?“ Es war keine miese Spelunke, aber etwas rau und urig, nichts für feine Leute, die keine derben Sprüchen vertragen konnten.
"Die gibt es in Büchern und Schriftrollen?" Athaín war einigermaßen verblüfft, und sich im ersten Moment auch nicht bewusst dass seine Reaktion wahrscheinlich nicht gerade von übermäßiger Intelligenz kündete. Das dämmerte ihm erst als die Worte schon über seine Lippen geschlüpft waren. Er grinste und winkte ab. "Ja. Natürlich tut es das wahrscheinlich. Ich lese nicht sehr viel, Verzeihung." Der Grund war wohl unschwer zu erraten bei jemandem, der mit einer Augenbinde herumlief. Worauf der Blick der Dame verweilte, konnte Athaín natürlich nicht sehen. Wohl aber hörte man deutlich, ob einem beim Sprechen ins Gesicht gesehen wurde oder irgendwo anders hin. In diesem Fall konnte man es auch noch aus dem Kontext schließen, denn das Schwert war für sie ganz offensichtlich das Interessanteste an ihm. "Mich oder mein Schwert?" konnte er deshalb nicht umhin amüsiert zu schmunzeln und nickte dann. "Ihr dürft es ruhig näher ansehen." Die Erlaubnis bezog sich auf den sichtbaren Teil, denn ziehen würde ein Drachenreiter seine Klinge nur, wenn er auch vorhatte sie zu benutzen. Dafür gab es derzeit wohl kaum einen Grund.

Das mit dem nautischen Kram war nur dahingesagt, schien aber ganz offensichtlich einen Nerv zu treffen, denn es war zwar kein ganz ernst gemeinter Tadel, ließ jedoch darauf schließen dass der Dame diese Sternkarten wichtig waren. "Da habt Ihr natürlich recht, tut mir leid." Athaín neigte den Kopf. "Es sollte auch nicht respektlos klingen, sondern nur meine Ahnungslosigkeit verdeutlichen. Demnach interessiert Ihr Euch für die Luftschifffahrt? Habt Ihr vielleicht sogar ein eigenes Schiff?" Um nicht noch einen Fettnapf mitzunehmen, deckte er vorsichtshalber die gesamte Bandbreite ab. Man wusste nie wem man in Accipetris begegnete. Vielleicht war sie ja die Tochter eines Reeders, oder gar die Kapitänin eines Luftfrachters? Auf etwas anderes kam er natürlich nicht, denn wer sonst außer einem Kapitän oder Navigator sollte sich für aitherianische Sternkarten interessieren? Allenfalls noch ein Magier, aber dann hätte die Dame nicht nach dem Weg fragen müssen. Sie wäre einfach in die Bibliothek der Akademie gegangen, denn Athaín war sicher dass es in ganz Aeria keine Information zu kaufen gab, welche die Magier nicht bereits besaßen.

Etwas streifte seine Beine, vermutlich ihr Mantelsaum, als sie sich herumdrehte und in die andere Richtung sprach. Der Vertrauensvorschuss einem Drachenreiter gegenüber war anscheinend groß. Nun ja. Es gehörte auch nicht zu den Gepflogenheiten des Ordo Draconis, ahnungslose junge Damen unvermittelt von hinten zu packen. Ebensowenig wie zu Athaíns persönlichen. "Hm. Das grenzt es auf den Rest der Stadt ein", merkte er an und konnte nicht vermeiden dass ein gewisser trockener Humor durchblitzte. "Aus welcher Gegend stammt Ihr denn?" Ihm fiel in Aeria so spontan keine ein, in der es kälter war als anderswo. Vielleicht der eine oder andere Gebirgszug, aber die meisten davon waren nicht sehr hoch. Eher Hügel als Berge. Im nächsten Moment hatte sie sich auch schon wieder umgedreht und lächelte ihn, dem Tonfall nach, äußerst gut gelaunt an, bevor sie ausgerechnet den Drehenden Derwisch erwähnte.

Athaín pfiff leise durch die Zähne. "Den kenne ich", bestätigte er. "Sollte es mich wundern, dass Ihr ihn kennt? Das ist gewöhnlich kein Ort für alleinreisende Damen. Aber wenn Euer Ziel in der Nähe liegt, kann ich Euch gern sagen wie Ihr dorthin kommt. Die Gegend ist aber nicht die beste. Vielleicht sollte ich Euch lieber begleiten?" Er wollte zwar ursprünglich woanders hin, aber einer ortsfremden jungen Frau seine Begleitung anzutragen war ein Gebot der Ritterlichkeit. Auch wenn es kalt war und man nicht die geringste Lust verspürte in gewissen weniger adretten Stadtteilen durch Matsch und Unrat zu waten. Außerdem lag der Derwisch in der Nähe des Gerberviertels, und wenn der Wind stadteinwärts wehte, stank es dort ganz hundserbärmlich.
Wieso war er denn jetzt so verblüfft? Oder wollte er sie nur auf den Arm nehmen? Mit einer hochgezogenen Augenbraue musterte sie ihn flüchtig, konnte aber kein Grinsen erkennen. Weshalb sie doch wieder zum Schwert an seiner Hüfte sah. Da sie noch nicht genau wusste wie sie reagieren sollte, hatte der Drachenreiter die Zeit noch etwas zu sagen, ohne dass sie dazwischen quatschte. „Oh.“ Daran hatte sie jetzt nicht gedacht und räusperte sich. „Verständlich, Ihr müsst Euch deshalb nicht entschuldigen. Aber es ist eigentlich ganz logisch, dass es Aufzeichnungen über Euren Orden gibt und auch über die Waffen, für all diejenigen, die nicht in Eurer Welt beheimatet sind.“ Laeticia zweifelte auch keinen Augenblick daran, dass es über ihren eigenen Orden ebenfalls irgendwelche Aufzeichnungen gab. „Nur ob die so ganz der Wahrheit entsprechen bezweifel ich. Jede Institution hat so ihre Geheimnisse, nicht wahr?“

„Hm? Was meint Ihr mit... ach so. Ja nun, zuerst wegen Euch selbst. Denn ich habe mich darüber gefreut jemanden nach dem Weg fragen zu können. Aber jetzt bin ich für den Moment jedenfalls eindeutig für Euer Schwert, wenn Ihr mir das verzeihen wollt.“ Cia gluckste amüsiert ließ es sich nicht zwei Mal sagen den Gegenstand ihres Begehrens näher zu betrachten. „Der Griff ist wunderschön gestaltet und auch informativ. Es gefällt mir äußerst gut, wie die Symbole gearbeitet worden sind.“ Sie legte seine Worte einfach dahingehend großzügig aus, dass sie es auch berühren durfte und fuhr somit mit den Fingerspitzen über den Knauf und den Griff und seufzte ein wenig neidisch. Oder eher, ganz schön neidisch. „Stimmt es, dass Ihr Euer Schwert nicht einfach ziehen dürft, damit man oder eher ich es im Ganzen betrachten kann?“

Erst als sie sich dem Thema ihres Zieles zuwandten, sah sie ihn auch richtig an und ja, er hatte da einen Nerv getroffen. Es gab den ein oder anderen Spötter, der sich über ihre Leidenschaft lustig gemacht hatte und bei dem sie des öfteren aufgefahren und richtig wütend geworden war. Allerdings musste sie sich auch an die eigene Nase fassen, weshalb ihr Tadel nicht so ganz ernst gemeint war. Doch er lenkte ein und das ließ sie lächeln. „Ein eigenes Schiff ist mein Traum und vielleicht in Hundert Jahren, werde ich als gebrechliche alte Dame eins zusammengespart haben. Nun, vorher werde ich hoffentlich einmal eine Reise in luftiger Höhe machen können. Aber im Moment interessiere ich mich einfach nur für die Sterne, deren Konstellationen und die Navigation ebenfalls.“ Cia machte eine kleine Pause, dann trat sie doch einen Schritt näher, damit sie ihm zu flüstern konnte: „Und vielleicht gibt es da oben ja auch die ein oder Antwort, auf Fragen, die man hier unten stellt.“

Kurz darauf überlegte sie welcher Weg der Richtige sein könnte und so drehte sie sich mit Schwung um und ließ den Drachenreiter an ihren Überlegungen teilhaben. Seine Bemerkung dazu ließ sie auflachen und leicht den Kopf schütteln. „Ja, in der Tat, das war nicht hilfreich.“, gab sie zu und beschwerte sich über die Kälte hier. „Ich stamme ursprünglich aus Armadale, allerdings war ich lange Zeit viel weiter nördlich.“ Es war nicht so, dass sie sich für ihren Orden schämte oder das was sie geworden war, doch sie wusste, dass nicht jeder Warlocks mochte. Aber da sie ihn für intelligent hielt, durfte er sich seinen eigenen Reim auf ihre Antwort machen. Dann drehte sich wieder zu ihm herum, weil ihr etwas eingefallen war, was wirklich hilfreich war und zwar das Wirtshaus ihrer 'Freundin'.

Der leise Pfiff löste ein Stirnrunzeln aus, doch glättete sich ihre Stirn wieder, als er meinte, dass er es kenne. Je mehr er sprach, desto mehr musste Cia lächeln und hätte fast gekichert. „Sehr gern, vielen Dank.“ Woher sollte er auch wissen, dass sie keine richtige Dame war, sondern gern nur so tat als ob? „Nun da Ihr mein Begleiter seid, sollten wir uns zumindest einmal vorstellen, nicht wahr?“ Selbst ein Tauber würde nun aus ihren Worten heraushören, dass sie sich gerade amüsierte und das ein klein wenig auf seine Kosten. Allerdings wartete sie darauf, dass er ihr als Kavalier den Arm anbot. Sie hätte auch selbst die Initiative ergriffen, aber dazu hätte er ihre Geste sehen müssen, nur die Frage 'ich darf doch' würde bei diesem Drachenreiter nicht ausreichend sein.
"Und Ihr müsst Euch nicht peinlich berührt fühlen", schmunzelte er sacht amüsiert auf das verlegene Räuspern hin. Die Reaktionen Fremder auf die Augenbinde waren interessant. Hin und wieder war sogar mal eine dabei, die Athaín noch nicht kannte. "Ihr habt sicher recht, ich habe nur nicht soweit gedacht", gab er zu. "Schon zu Lebzeiten in irgendwelchen Büchern zu stehen ist... ein merkwürdiges Gefühl." Er grinste leicht. "Und nun, mein Fräulein, wollt Ihr mir all diese Geheimnisse entlocken und fragt nur nach dem Weg damit ich Euch auf den Leim gehe? Ganz schön gerissen, wie mir scheint." Gewöhnlich war er bei Damen - auch vermeintlichen - nicht so schnell mit Späßen bei der Hand. Da diese hier jedoch etwas aufgeschlossener wirkte und nicht mit der gewohnten Hochnäsigkeit daher kam, machte er eine Ausnahme. Wenn er mit seiner Einschätzung falsch lag, würde er schon mit dem üblichen Was erlaubt Ihr Euch? zurechtgewiesen werden. Versuch und Irrtum.

"Gut gerettet. Ich verzeihe Euch", verkündete er großmütig, ließ aber durchblicken dass er es seinerseits nicht ganz ernst meinte. Wer hätte damit gerechnet, an diesem hundskalten Winterabend noch auf so amüsante Gesellschaft zu treffen? Natürlich bezog sich die Erlaubnis auch auf das Betasten von Griff und Knauf. Es hätte wahrscheinlich auch seltsam gewirkt, wenn ausgerechnet ein Blinder sich das verbeten hätte. Deswegen hielt Athaín still und ließ die Schwertbewunderin gewähren. Aus der Nähe war der Geruch von Waffenöl und Leder wahrzunehmen, aber haupsächlich frische, kalte Luft, die den Drachenreiter immer noch umwehte wie ein Eishauch. Liebesgrüße aus den Wolken. Er war sauber und wirkte gepflegt, aber ein Freund von Duftwässerchen und sonstigen Geckenhaftigkeiten schien er nicht zu sein.

"Hm. Informativ hat es noch keiner genannt. Aber ich leite das Kompliment gern weiter." Er wurde wieder etwas ernster. "Es stimmt, dass ein Krieger seine Waffe nicht ziehen sollte, wenn er nicht vorhat sie zu benutzen", erklärte er ruhig. "Auch dann, wenn die Damen sich ihm zu Füßen werfen, seine Stiefel küssen und ihn anflehen es zu tun." Bei einem anderen Mann hätte es schalkhaft in den Augen geblitzt. Bei diesem musste man es wohl - oder übel - aus dem Tonfall herausinterpretieren. Nichtsdestotrotz blieb die Drachenklinge wo sie war.

Nein, natürlich hatte er seine unverhoffte Bekanntschaft nicht beleidigen wollen, weshalb er rasch einlenkte. Im Gegenzug erzählte das ungewöhnlich offenherzige Fräulein ein wenig mehr über ihre Träume, was den Drachenreiter lächeln ließ. Diesmal ein echtes, herzliches Lächeln, wenn es auch flüchtig ausfiel. Athaín zeigte dergleichen selten mehr als flüchtig, aber dafür musste man ihn kennen. Ein wenig überrascht war er jedoch, als sie pötzlich an ihn heran trat und ihm etwas zuflüsterte. Er neigte den Kopf, um es besser verstehen zu können. "Ah. Tatsächlich? Und welche Fragen glaubt Ihr können uns die Sterne beantworten?" Er sprach ebenfalls leise, klang dabei nicht unbedingt skeptisch, aber interessiert, verzichtete jedoch darauf zu flüstern. Tuscheln wirkte bei einem Kerl von fast zwei Schritt Höhe doch etwas dämlich.

"Armadale", wiederholte er und schürzte anerkennend die Lippen."Die Reise durch ein Sternentor habt Ihr auf Euch genommen? Dann müssen Euch diese Karten wirklich wichtig sein." Die Frage was denn eine Vandriggerin wohl mit aitherianischen Sternkarten wollte verkniff er sich, obwohl sie ihm auf der Zunge lag. Wenn sie fand dass es ihn etwas anging, würde sie schon von selbst davon erzählen. "Verzeiht, ich bin mit der Geografie in Vandrigg nicht sehr vertraut. Was befindet sich nördlich von Armadale?" Das war immerhin eine Frage, die er getrost stellen konnte ohne wie eine neugierige Elster zu wirken. Gut, eine Bildungslücke offenbarte er vielleicht. Aber er war schließlich kein neunmalkluger Akademieheini, der die Weisheit mit der großen Kelle gefressen hatte. Und eigentlich... war er damit ganz zufrieden.

"Hm. Warum habe ich gerade das Gefühl in eine Falle galoppiert zu sein wie ein Pegasusfohlen?" Er grinste leicht und fand nichts dabei dass sie sich amüsierte. Ja, vielleicht hatte es die Lady ein wenig darauf angelegt. Warum auch nicht? Er würde den Umweg schon überleben. Dass sie ihn tatsächlich in eine Falle locken wollte, befürchtete er indes nicht. Wer ein leichtes oder lohnenswertes Opfer suchte, der war mit einem Drachenreiter schlecht bedient. Sogar mit einem blinden. "Schön. Ich heiße Athaín, bin weder ein Von und Zu, noch ein Auf und Davon", machte er den Anfang. "Außerdem führe ich nicht besonders gut, seht es mir also nach wenn Ihr Hindernissen selbst aus dem Weg springen müsst. Notfalls rempelt mich an. Mylady?" Er spreizte den Arm ab und ließ ihn in der Luft schweben. Die Zielrichtung war etwas ungenau, man musste es sich wohl selbst zurechtjustieren.
„Danke, dass Ihr das so empfindet. Aber ich hätte tatsächlich ein klein wenig vorher schon mein Gehirn zum Denken anregen können.“ Cia grinste und schon war diese Peinlichkeit für sie schon gegessen und würde sie vermutlich noch in der nächsten Stunde vergessen haben. „Das zeugt doch nur davon, dass Ihr Euch nichts darauf einbildet. Stolz und Einbildung sind nämlich zwei verschiedene Paar Schuhe, man kann stolz auf etwas sein, ohne sich etwas darauf einzubilden.“, erwiderte sie lächelnd auf das 'Geständnis', dass er nicht so weit gedacht habe. Kurz darauf erklang ihr Lachen, fröhlich und echt. Es freute sie unglaublich, dass er Humor nicht nur verstand, sondern auch selbst anwandte. Es gab genug ernste Menschen. „Ihr habt ja keine Ahnung wie gerissen. Ich werde Euch sogar das Geheimnis entlocken, wie weit ihr einen Kirschkern spucken könnt.“

„Dann habe ich ja noch einmal Glück gehabt.“, schmunzelte sie und spürte wie ihr Herz ein wenig aufgeregt in ihrer Brust klopfte. Sie durfte das Schwert eines echten Drachenreiters berühren! Wäre sie der Typ dafür gewesen, wäre sie jetzt in Freudentränen ausgebrochen. War sie jedoch nicht, weshalb es bei einem etwas entrückten Lächeln blieb. Jeder hätte sich jetzt anschleichen und sie niederschlagen können, sie hätte es nicht einmal bemerkt, wenn ein Schatten in der Nähe wäre – trotz ihrer Fähigkeit. „Es ist wunderschön und vor allem so faszinierend. Ich habe schon viele Waffen gesehen. Und auch wenn ich es mir lieber nicht wünschen sollte, würde ich zu gern auch die Klinge einmal sehen.“ Sie seufzte leise und beendete ihre tastende Inspektion lieber, weil es sonst sicherlich für andere sehr merkwürdig aussah. Sein Geruch hatte ein klein wenig Heimweh bei ihr ausgelöst, denn diese Frische an ihm, diese kalte Luft von seinem Drachenritt, den gab es bei ihr auch. Nun, nicht ganz so, aber der eiskalte Wind und oftmals auch Sturm beim Orden Gwiáz war sehr ähnlich und deshalb musste sie an ihre 'Brüder' denken. Und somit roch er für ihr Näschen äußerst gut, auch weil Parfüm fehlte.

So richtete sie sich wieder auf und musste amüsiert glucksen, es war eher etwas seltener, dass sie kicherte. „Und ich habe mir schon überlegt, wie ich mein Kleid sauber bekomme, nachdem ich mich Euch zu Füßen geworfen habe.“ Es war gar nicht so schwierig den Schalk zu erkennen, der dem Drachenreiter auf der Schulter saß, wenn man schon erfahren hatte, dass er humorvoll war. Doch fragte sie gleich hinterher: „Müsst Ihr Eurer Schwert nicht zufälligerweise einmal pflegen?“ Selbstverständlich hatte sie das nach seiner Erklärung versuchen müssen.
Einige Momente später erzählte sie ihm einfach so von ihren Träumen und ihrer Vorstellung. Jedoch wollte sie eines davon nicht jedem erzählen, weshalb sie es ihm zu flüsterte. Netterweise neigte er sich dazu etwas zu ihr. Er war wirklich sehr groß. Oder sie zu klein, was sie flüchtig grinsen ließ. Sein Lächeln war jedoch zu schnell gewesen, so dass sie es leider nicht richtig mitbekommen hatte. Für einen Moment überlegte sie, ob sie ihm ihre Überzeugung anvertrauen sollte. Sie glaubte zwar nicht, dass er sie auslachen würde, aber es konnte durchaus sein, dass er es als 'romantische Frauensache' abstempelte. „Vielleicht sage ich es Euch noch. Aber diese Antwort müsst Ihr Euch erst verdienen.“ Ihr Lächeln war herauszuhören, dennoch meinte sie es genauso.

„Ja, das sind sie mir. Es ist nicht das erste Mal, dass ich durch ein Sternentor gegangen bin, aber es ist immer noch nicht angenehm. Ich reise lieber zu Pferd.“ Laeticia nickte und dachte daran, wie schön es wäre, wenn ihre schneeweiße Stute hier wäre. Aber das Tor wollte sie ihr nicht antun. Bei seiner Frage was sich nördlich von Armadale befand musste sie schmunzeln. Sie hielt es ihm nicht vor, dass er es nicht wusste, warum auch? Sie kannte ja auch nicht jeden Flecken in den anderen Welten, aber genau das würde sie gern ändern. „Sagt Euch Jarlsvest etwas? Noch etwas weiter nördlich bin ich aufgewachsen. Aber ich lebe in Armadale.“ Nun grinste sie sich eins, es würde interessant sein zu beobachten und zu hören, ob er ihr glaubte oder nicht. Theoretisch könnte er davon gehört haben, ihr Orden war kein Geheimnis und auch nicht unbekannt. Aber wenn nicht, dann würde es sie auch nicht stören oder von ihrem Vorhaben abhalten.

„Oh, die sind wirklich süß, nicht wahr?“ Natürlich war sie begeistert von einem Pegasusfohlen, wer war das nicht? Nur hatte sie noch keines leibhaftig gesehen. Cia räusperte sich wieder und musste dann lachen. „Meine Falle ist doch noch gar nicht zugeschnappt, Euer Gefühl ist viel zu früh dran.“, scherzte sie dann und gluckste erneut. „Euer Name hat einen sehr schönen Klang.“ Dieser Satz war nicht wirklich ein Kompliment, es war eine Feststellung. „Aber wichtiger ist natürlich, dass Ihr kein Auf und Davon seid.“ Sie grinste erneut und stellte sich ebenfalls vor, nur mit ihrem Vornamen. „Ich höre fast immer auf den Namen Laeticia.“.
Als sie seinen Arm sah, war sie sehr zufrieden damit, dass er sich als Gentleman entpuppte und lachte dann leise. „Wenn ich Euch wirklich anrempeln soll, dann beschwert Euch nachher nicht. Bis es so weit ist, reiße ich die Führung etwas an mich, wenn es Euch nichts ausmacht. Allerdings müsst Ihr mir die richtige Richtung angeben.“ Gleichzeitig mit ihrem Worten hakte sie sich bei ihm ein und freute sich über die Wärme, die sie bald darauf an ihrer Seite fühlen konnte. Das war angenehm und schon setzte sie ihre Schritte, wobei er wegen seinen langen Beinen sicherlich schneller gewesen wäre als jetzt mit ihr.
Athaín musste schmunzeln bei der selbstkritischen Äußerung. "Schon in Ordnung", winkte er ab und zuckte mit den Schultern. "Stolz gehört nicht zu unserer Ausbildung. Wir sind... im weitesten Sinne Waffen. Als Solche betrachtet uns jedenfalls die Bürokratie von Accipetris und pflastert uns mit Auflagen zu." Der Drachenreiter ließ ein halbes Grinsen sehen, was dann zu einem ganzen wurde als er das fröhliche Lachen hörte. "Jetzt im Huín? Es gibt noch schrumpelige Äpfel, aber die Kerne fliegen nicht sehr weit." Er hielt dann erst einmal still, damit sie das Schwert betrachten konnte - unter Zuhilfenahme der Finger, was für ihn in Ordnung ging. Athaín selbst kannte jedes Relief, jede abgegriffene Stelle, sogar jede ausgewetzte Scharte. Er hätte sein Schwert unter Tausenden wiedererkannt. Sofern es tausend Drachenklingen gegeben hätte. Dem war allerdings nicht so, denn jede davon wurde nur genau einmal hergestellt und diente ihrem Besitzer bis ans Ende seines Lebens.

"Das solltet Ihr Euch tatsächlich nicht wünschen", nickte der Drachenreiter ernst und legte interessiert den Kopf schief. "Und woher stammt Euer Interesse für Waffen?" war nun er dran mit Fragen. "Verzeiht meine Neugier, aber es ist ein... eher ungewöhnliches Faible für eine Dame." Die in Accipetris interessierten sich hauptsächlich für Schmuck und Kleider. Jedenfalls die, die man als Damen bezeichnen konnte. Es gab natürlich auch Söldnerinnen, Gardistinnen und sogar Drachenreiterinnen. Bisher hatte Athaín jedoch keinen Anhaltspunkt, dass seine Gesprächspartnerin dem schwertschwingenden Gewerbe angehörte. Schiffe und Sternenkarten klangen auch eher nicht danach. Wie eine Matrosin oder Kapitänin - ob zu Wasser oder Luft - wirkte sie allerdings auch nicht. Vielleicht ein gelangweiltes Töchterchen aus gutem Hause, den Kopf voller Träumereien? Athaín fiel auf, dass es recht schwierig war, anhand ihrer Stimme auf ihr Alter zu schließen. Aber es schickte sich auch nicht danach zu fragen.

"Aber Mylady. Die Straßen von Accipetris sind so rein wie ein frisch geschrubbter Esstisch", flachste er und musste wieder schmunzeln. "Netter Versuch. Ihr seid nicht von der Sorte die schnell aufgibt, was?" Anscheinend hatte sich das Fräulein tatsächlich in den Kopf gesetzt, die Klinge doch noch ansehen zu dürfen. Warum sie wohl so erpicht darauf war? Vielleicht machte sie sich einen Spaß daraus, herauszufinden ob die ehernen Kriegerprinzipien einer massiven Offensive weiblichen Charmes standhielten. Nun, vielleicht machte es ihm auch Spaß dabei mitzuspielen. Was sie sich wohl noch ausdenken würde um ihn "herumzukriegen"? Soweit einen Haufen Straßenschläger anzuheuern, damit er die Klinge ziehen musste um die Ehre der holden Maid zu verteidigen, würde sie wohl hoffentlich nicht gehen...

Zuerst einmal erfuhr er ein wenig über sie, und zwar im geheimnisvollen Flüsterton, wobei sie ihm ein wenig näher kam als es für eine Unterhaltung unabdinglich war. Ob das wohl auch zur Charme-Offensive gehörte? Auch wenn Athaín beileibe nicht behaupten konnte dass ihm so etwas jeden Tag passierte, war es so ziemlich das Gegenteil von unangenehm. Es kribbelte sogar ein bißchen, als der warme Atem und das Vibrieren ihrer Stimme sein Ohr streifte. "Uhh. Eine Lady mit Geheimnissen", nickte er und blieb noch für einen Moment in der gebeugten Haltung. Warum wusste er gar nicht genau. Für gewöhnlich legte er keinen Wert auf Nähe. Aber ein warmer Hauch schien von ihr auszugehen und die Kälte zu vertreiben. Nicht physisch, es war... schwer zu beschreiben. "Und welch heldenhafte Queste muss ich dafür auf mich nehmen?" Athaín schlug zwar vordergründig einen scherzhaften Ton an, aber er hatte verstanden worum es ging. Gemeinhin verstand er oft mehr als er sich anmerken ließ, aber das war eine andere Geschichte.

"Ähm... ja... leider muss ich passen." Der hellhaarige Drachenreiter grinste entschuldigend. Verdammt. Ihr Tonfall klang, als erwarte sie jetzt eine bestimme Reaktion von ihm, und ein wenig idiotisch kam er sich schon vor. Aber Vandrigger Geografie gehörte nun einmal wirklich nicht zu seinen Kernkompetenzen. "Ich kenne Armadale... vom Hörensagen. Eine freie Handelsstadt, die hauptsächlich prosperiert weil das Sternentor in der Nähe liegt. Dann weiß ich noch, dass es ein Land namens Waljagrad gibt, was die größte Landfläche einnehmen soll, und ein weiteres bedeutendes Reich namens Ingland. Außerdem soll es im Norden ziemlich eisig sein. Bei allem anderen habe ich entweder nicht aufgepasst, noch nie davon gehört, oder es schon wieder vergessen. Tut mir wirklich leid." Athaín zuckte sachte mit den Schultern. Alles in allem war es ihm lieber seine Unwissenheit ehrlich zuzugeben, als wie ein Depp herumzudrucksen und zu versuchen ein schlaues Gesicht zu machen. Zumal sein schauspielerisches Talent ohnehin zu wünschen übrig ließ. Trickbetrüger wäre eindeutig der falsche Beruf für ihn gewesen.

Alachia? Die telepathische Unterhaltung wurde geräuschlos geführt. Bist du noch über der Stadt? Hmm-hmmm... kam es gedehnt zurück, was wohl als Zustimmung zu werten war. Ich bräuchte mal 'ne Draufsicht. Da hat jemand nach dem Weg gefragt. Ein spitzbübisches telepathisches Lachen war die Antwort. Ohooo! Und jetzt möchtest du mir die Krallen polieren, nur um einem Fremden einen Gefallen zu tun? Das muss ja ein ganz besonderer Nachdemwegfrager sein! Athaín brummte gedanklich. Sehr scharfsinnig. Schon gut. Du bekommst deine Pediküre. Und jetzt mach schon! Wie mein Bruderherz wünscht... Sofort tauchte in Athaíns Gesichtsfeld eine wunderbare Sicht von oben auf die Stadt auf. Ein herrlicher Stadtplan, wenn man einigermaßen wusste wohin man wollte. Er konnte sogar sich selbst und seine Begleiterin von oben... nun ja, zumindest erahnen.

Währenddessen schlenderten sie bereits gemeinsam die breite Straße entlang. Der Drachenreiter hatte nur für einen Moment abgelenkt gewirkt. "Ich habe noch keins gesehen", schmunzelte er auf die Frage nach den Fohlen und zuckte dann leicht mit den Schultern. "Er ist elbischen Ursprungs", gab er ebenso sachlich zurück. "Der Eure gefällt mir aber auch sehr gut. Und auf welchen Namen hört Ihr, wenn Ihr gerade nicht auf diesen hört? Die übernächste Gasse links, bitte." Wie auch immer er das gerade so präzise zu sagen wusste...
„Es mag nicht zu Eurer Ausbildung gehören, aber Ihr könnt doch sicherlich stolz auf Eure Taten sein und auf das, was Ihr gelernt habt, oder etwa nicht?“ Zumindest laut dem Codex, nach dem die Drachenreiter lebten. Aber vielleicht hatte sie auch einfach nur diese Vorstellung in ihrem Kopf und auch nicht alle Gerüchte oder Geschichten gehört, die so geschehen waren bisher. „Mit Waffen sollte man auch nicht einfach herumfuchteln, da sind ein paar Auflagen sicherlich hilfreich. Zumindest wenn sie gut durchdacht sind.“ Zumindest glaubte sie bisher daran.
„Nun, dann benötigen wir eben Ersatz. Vielleicht sollten wir irgendwo hingehen, wo es Schnee gibt und diese zu Bällen formen und dann werfen. Ich bin übrigens sehr gut darin.“ Werfen und zielen konnte Cia wirklich gut, nur würde sie nicht so weit werfen können wir ihr Begleiter, denn dieser besaß mehr Kraft als sie.

Ein paar Augenblicke später durfte sie sich die Scheide und den Griff des Schwertes ansehen und ertasten und war dabei wirklich vorsichtig und auch glücklich. Es musste eine fantastische Arbeit sein, wenn das Äußere schon so beeindruckend war. Natürlich versuchte sie deshalb auch einen Ausweg finden, dieses 'Gesetz' zu umgehen, dass er die Drachenklinge nicht einfach so herausziehen durfte. Schließlich beendete sie ihre Erkundung und sah wieder zu ihm hoch, wobei sie leicht schmunzeln musste, da er den Kopf schief gelegt hatte. „Hmm, das liegt daran, dass ich nur wie eine Dame aussehe. Doch ich bin mit Waffen und dem Unterricht mit ihnen groß geworden. Ich habe Geschichten gehört von legendären Waffen und ihrer Fertigung, von Waffen, in denen Magie innewohnt. Also habe ich schon als Kind beschlossen, dass ich alle Waffen der Welten einmal ansehen werde und wenn es geht sie auch in die Hand nehmen.“ Auch eines ihrer vielen Ziele, die sie irgendwann einmal verwirklichen wollte.

Kurz darauf war es Laeticia, die anfing zu lachen, wegen seinem Vergleich zwischen den Straßen und einem frisch geschrubbten Esstisch. Das gefiel ihr wirklich. Echter Humor und nicht dieses gekünsteltes Getue, weil die Männer glaubten eine Frau verstehe so etwas nicht oder es wäre ihr zu derb. Dabei vergaßen sie völlig woher sie stammte, auch wenn sie es erzählt hatte oder so vorgestellt worden war. Es war nicht immer von Vorteil wie eine Dame auszusehen. „Das stimmt. Ich kann durchaus sehr stur sein oder wie Ihr meint nicht schnell aufgeben.“ Sie grinste und wenn sie keinen Funken Ehre besitzen würde, hätte sie tatsächlich irgendwelche Raufbolde bezahlt, damit er sie beschützen und mit dem Schwert kämpfen müsste. Aber so war sie nicht, was nicht heißen sollte, dass es nicht dennoch so kommen könnte.

Da Cia nicht wollte, dass jeder etwas mehr von ihr erfuhr, erzählte sie es dem Drachenreiter mit einem Flüstern. Nun, das war jedenfalls der Hauptgrund warum sie näher kam und er auch so nett war sich etwas herabzubeugen. Aber alles wollte sie nicht erzählen und als er meinte, sie sei eine Lady mit Geheimnissen, gluckste sie leise. „Das bin ich wirklich.“ Auch sie trat nicht sofort einen Schritt zurück, sondern blieb wo sie war und ihre Zufallsbekanntschaft richtete sich auch noch nicht sogleich auf. Gern hätte sie das einfach sich selbst zugeschrieben, aber sie wusste sehr wohl woran das lag. Es war nicht ihr Verdienst, es war ihre Ausstrahlung, die sie erhalten hatte, nachdem sie zum Warlock geworden war. Dafür war es jedoch erleichternd und äußerst angenehm, dass er sie verstand und sein Verstehen auch noch mit einem Scherz verpackte. So lächelte sie beinahe schon strahlend, denn es geschah einfach nicht so oft. „Ihr werdet Hinweise finden, die Euch nach und nach durch die Queste führen werden und am Ende erwartet Euch dann mein Geheimnis.“ Nun gut, das hatte sie sich eben spontan ausgedacht, weil ihr keine bessere Antwort einfiel. Sie las gern und auch gern Abenteuer Romane, da war das ja oft genug so.

„Nun, das ist nicht weiter tragisch. So kommt noch ein weiteres Geheimnis hinzu, welches Ihr irgendwann einmal lüften dürft.“ Die Blonde kicherte jetzt doch und es klang hell, aber nicht zu sehr. Vor allem war es kein gezierter Ton, sondern sie amüsierte sich. „Aber einen Tipp gebe ich Euch noch mit auf den Weg. Ein Hinweis, Ihr versteht?“ Sie wartete kurz, dann meinte sie grinsend: „Der eisige Norden ist schon einn guter Anfangspunkt.“ Sie überspielte ein wenig ihre Überraschung, denn damit, dass er einfach so zugab es nicht wissen, hatte sie nicht wirklich mit gerechnet. Es gab so viele Männer, die das nie zugeben würden, sie herausreden wollten, Eindruck schinden wollten und alles nur schlimmer machten. So etwas ging ihr auf die Nerven, sie war eine raue Sprache und kalte Wahrheit gewohnt, die man sich gegenseitig an den Kopf warf und hatte sich erst wieder daran gewöhnen müssen, dass das nicht überall so war.

Nachdem sie sich untergehakt hatte gingen sie los und wenn man unter ihre Kapuze hätte sehen können, wäre einem der sehr zufriedene Gesichtausdruck aufgefallen, den sie gerade zeigte. Auf ihren entzückten Ausbruch wegen einem Pegasusfohlen kam seine eher nüchterne, wenn auch geschmunzelte Reaktion. „Hmm... ich glaube, es wird Zeit, dass ich mich schon einmal im voraus für etwaige Fettnäpfchen entschuldige, in die ich sicherlich noch öfter hineintreten werde.“ Cia räusperte sich, aber nicht verlegen, eher um ihren Worten keine amüsierte Note zu verpassen.
„Elbischen Ursprungs, das ist interessant.“, bemerkte sie und sogleich hob sie ihren Kopf zu ihm hoch, um nach spitzen Ohren Ausschau zu halten. „Vielen Dank.“, lächelte sie jedoch und fügte hinzu, noch bevor sie darüber nachdenken konnte: „Das zeugt von Eurem guten Geschmack.“ Sie war ein wenig abgelenkt von der Wegangabe und man hörte gut heraus, dass sie erstaunt war, als sie nachfragte: „Wie macht Ihr das?“ Neugierig warf sie einem Blick von der Seite her zu, hielt sich aber daran und führte ihn sozusagen bei der zweiten Gasse nach links. „Oh und ich höre ansonsten eher auf Cia oder Schwester. Das bin ich mehr gewohnt.“ Gespannt wartete sie auf die nächste Richtungsanweisung, wodurch sie dem 'Sternengeschäft' immer näher kamen. Doch würde es schon geschlossen haben, wenn sie dort ankamen.
"Hm-hm." Der Drachenreiter nickte und zog einen Mundwinkel hoch, schien sich aber nicht näher darauf einlassen zu wollen. Stolz stand einem Ordenskrieger nicht an, sondern Demut. Allerdings gab es da gewisse Divergenzen zwischen Theorie und Praxis. Niemand, der Athaín kannte, hätte wohl ausgerechnet ihn als demütig bezeichnet. Deshalb verzichtete er wohl besser darauf einen Vortrag zu halten. Was die Sache mit den Waffen anging, hatte Laeticia allerdings recht. "Schneebälle als Ersatz für Kirschkerne? Klingt spaßig." Er schmunzelte amüsiert. "Ich stelle mich als Zielscheibe zur Verfügung, dann könnt Ihr beweisen wie gut Ihr seid." Mit seinen Zielfertigkeiten auf Distanz war es - naturgegeben - nicht weit her. Aber vielleicht bewegte sie sich ja nicht besonders leise, dann hatte er durchaus eine Chance.

Sie war also mit Waffen aufgewachsen und konnte demnach wahrscheinlich auch mit ihnen umgehen, wie er aus ihren Worten schloss. Das revidierte Athaíns Theorie vom Töchterchen wohlhabender Eltern noch nicht ganz, führte jedoch ein Stückweit davon weg. "Wie Ihr ausseht, kann ich nicht beurteilen", schmunzelte er. "Aber wie eine Kriegerin oder Söldnerin wirkt Ihr nicht auf mich. Diese Damen haben gewöhnlich eine etwas... rauere Art an sich. Aber wer weiß, vielleicht ist es ja nur Taktik, damit der Gegner Euch unterschätzt?" Wenn, dann war es zumindest keine dumme, wie der Drachenreiter fand. Die schwertschwingenden Ladies, die er kannte, gaben sich zumeist hart und traten kraftvoll auf, um sich Respekt zu verschaffen. Zuweilen pöbelten und fluchten sie sogar lauter als ihre männlichen Gegenstücke. Mit einer liebreizenden Erscheinung, die plötzlich ihr Schwert zog und wie ein Sturm unter die Feinde fuhr, rechnete da wohl kaum jemand. Nun... ebensowenig wie man wohl bei einem Blinden damit rechnete.

Auf jeden Fall verfügte das Persönchen - dass sie recht klein und vermutlich auch zierlich war, hatte er schon bemerkt - anscheinend über einen starken Willen und ließ sich nicht die Butter vom Brot nehmen, allerdings ohne dabei herrisch oder hochnäsig zu werden, wie manch andere die man so kannte. Sie blieb charmant und ließ ihr perlendes Lachen ertönen. Vermutlich konnte ihr kaum ein Mann etwas abschlagen. Nun, Athaín nahm sich nicht davon aus. Auch er bot sich nicht jeden Tag als Begleitung an, wenn ihn jemand nach dem Weg fragte. Was ebenfalls ncht jeden Tag vorkam. Tatsächlich hatte er dieses... Etwas gespürt, als er sich herabgebeugt hatte. Ein warmer Hauch, der von ihr ausging, was aber nicht die Temperatur betraf. Für einen Moment hatte er innegehalten um dem nachzuspüren, weil es ihn überraschte. Dies war jedoch nicht der Grund, warum er sich ausgesprochen wohl in ihrer Nähe fühlte. Es war vielmehr... weil sie über seine dämlichen Witze lachte, Blödsinn wie Kirschkernweitspucken im Kopf hatte, und sich für Waffen interessierte. Das waren schon sehr viele Gemeinsamkeiten, abgesehen davon dass er ihre Stimme angenehm fand. "Tja, dann nehme ich die Queste wohl an, Edles Fräulein", schmunzelte er. "Und hoffe, dass mich am Ende kein über meinem Haupt ausgeleerter Nachttopf erwartet."

Es wunderte Athaín nicht, dass sie draufloskicherte bei der Offenbarung, dass er eine Niete in Geografie war. "Tja, Euch als weitgereister Mann von Welt zu beeindrucken kann ich damit wohl vergessen, was?" stellte er trocken fest und ließ eins dieser halben Grinsen sehen, bei denen man nur einen Mundwinkel hochzog. "Also Ihr stammt aus dem eisigen Norden von Vandrigg", fasste er nickend zusammen. "Aus einer Stadt namens... Jarlsvest?" Immerhin hat mein Bruderherz es geschafft sich den Namen zu merken, fuhr Alachia in ihrer üblichen charmanten Art dazwischen, was den Halbdrachen innerlich brummen ließ. Hörst du wohl auf zu lauschen? Nein, lautete die feixende Antwort. Was nicht anders zu erwarten war. Dieses neugierige Waschweib! Ich kann dich hören! Hmpf... Immerhin rückte sie die erbetene "Übersichtskarte" raus und erleichterte die Orientierung damit enorm. Manchmal war sie ja doch zu gebrauchen. Diesen Gedanken durfte sie ruhig mitbekommen, und es folgte das Äquivalent eines versöhnlichen Anstupsens. So sehr die ungleichen Geschwister auch manchmal wie Hund und Katz' waren - sie hielten eben doch zusammen.

"Das war kein Fettnapf", entgegnete der Halbdrache im selben nüchternen Ton wie eben. "Es ist nicht Euer Problem, wenn ich nicht mitreden kann." Da der Wind über die breite Straße pfiff und er weder Mantel noch Kapuze trug, blies ihm der Wind kräftig ins Gesicht und wehte auch die langen Haare nach hinten, die eine recht merkwürdige Färbung aufwiesen. Sie waren von einem sehr hellen, fast weißen Blond, aber durchsetzt mit silbergrauen Strähnen, die jedoch nicht altersgrau wirkten, dazu waren sie zu dunkel. Die Ohren waren zwar nur dezent spitz, wiesen jedoch sonst alle Merkmale der eleganten Elbenform auf. "Interessant?" Athaín neigte den Kopf zur Seite und wirkte sichtlich erstaunt. Elben, sowie auch deren Mischlinge, waren in Aeria nicht besonders gut angesehen. Zur Hälfte ein Drache, zur anderen ein Elb - man konnte wirklich kaum tiefer ins Glück greifen. Außer, wenn man zudem noch mit einem elbisch klingenden Namen gesegnet war...

Der Drachenreiter musste lachen bei der schlagfertigen Anmerkung. Es klang tief und leicht rau. "Um Antworten seid Ihr auch nie verlegen, was?" grinste er und horchte auf. "Schwester?" Er lotste sie zielstrebig von der Straße weg, durch einen Torbogen hindurch in eine Seitengasse. Man merkte dass der Prunk hier allmählich weniger wurde. Die Häuser waren schmalbrüstiger, an den Fassaden blätterte die Tünche, und statt polierter Granitquadar erwartete die Füße holpriges Kopfsteinpflaster. "Wer weiß, vielleicht bin ich auch ein Mann mit Geheimnissen", raunte Athaín in übertrieben vertraulichem Tonfall, wohl wissend dass der Spruch so flach wie ein überfahrener Pfannkuchen war. "Verzeihung", schob er hinterher. "Ich konnte dem schlechten Wortwitz nicht widerstehen. Die übernächste rechts, bitte." Die Gegend wurde nicht besser. Auch das Kopfsteinpflaster wich schließlich festgefahrenem Lehmboden, der um diese Jahreszeit aufgeweicht und matschig war. In den Spuren der Fuhrwerke hatte sich das Wasser gesammelt und spritzte hoch wenn wieder eines hindurchfuhr. Aus dem nahegelegenen Gerberviertel wehte ein unangenehmer Gestank herüber. "Iäääch...", murmelte der Halbdrache. "Ich hasse diese Gegend. Hm. In dieser Straße müsste es sein." Wo genau der Laden lag, wusste er natürlich nicht. Ebensowenig, ob er bereits geschlossen hatte.