Lost Chronicles

Normale Version: Zwei Freunde werfen einen Schatten
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Vergnüglich pfeifend stand Norgrimm in seiner Schmiede und arbeitet in diesen Tagen besonders sorgfältig. Er hatte sich für seinen letzten Auftrag die Menge von Altvorderenmetall, die man für ein Schwert brauchte, und ein wenig freie Zeit ausgebeten. Und da er ein äußerst nützliches Mitglied des Ordens war und Brynjarr zudem noch erfahren hatte, daß das Metall einem anderen Warlock zugute kommen sollte, war dieser gern auf seinen Wunsch eingegangen.
Der Zwerg gab dem Schwert gerade noch den letzten Schliff. Ein passendes Griffstück lag schon bereit. Norgrimm war sehr zufrieden, denn die Waffe war ihm äußerst gut gelungen. Nun gut, es lag natürlich auch ein wenig daran, daß er sich für diesen Eineinhalbhänder das beste Stück Altvorderenmetall ausgesucht hatte, das er in der Schmiede hatte. Nun hielt er die fertige Klinge hoch ins Licht und betrachtete sie voller Zufriedenheit. Dann nahm er sich das feine Gravurwerkzeug zur Hand und versah die Klinge mit den üblichen Runen der Warlocks. Wäre es eine Auftragsarbeit für den Orden gewesen, wäre er nun fertig und würde zum Schleifen übergehen. Doch in diesem Falle nahm er erneut das Gravurwerkzeug zur Hand und versah die Klinge mit weiteren Runen - zwergischen Schutzrunen.
Erneut lächelte er zufrieden, als er die Gravuren versäubert hatte und sein Werk erneut betrachtete. Nun rief er sich einen Novizen heran, der die Mechanik des großen Schleifsteines bediente, während er die Schneiden des Bastards schärfte. Für seine Ordensbrüder legte Norgrimm stets viel Sorgfalt in seine Arbeit - doch bei dieser Klinge arbeitete er noch ein wenig genauer. Der Novize fluchte innerlich, daß der Zwergenschmied sich soviel Zeit nahm die Klinge zu schärfen. Das Antreiben des Schleifsteines war keine leichte Arbeit, da mußte man ihn doch wirklich nicht länger mit aufhalten als nötig! Jedoch staunte der junge Mann nicht schlecht, als der Zwerg ihm schließlich bedeutete, daß er aufhören könnte. Norgrimm nahm einen festen Stofflappen, den er normalerweise zum Säubern benutzte, zur Hand, legte ihn zusammen und zog ihn an der Schneide des Schwertes vorbei. Der Novize konnte keinerlei Kraftanstrengung hinter dieser Bewegung erkennen und doch schnitt die Klinge durch den festen Stoff wie ein Essmesser durch Butter!
Nachdem er den Novizen wieder entlassen hatte, polierte Norgrimm die Klinge, verband diese noch fest und zuverlässig mit Parierstange, Griffstück und Knauf und fertigte am Griffstück eine sorgfältige Wicklung aus Leder und in sich verschlungenem Draht, die einer behandschuhten Hand festen Halt bieten würde.
Wieder hob Norgrimm sein vollendetes Werk in die Höhe, betrachtete es genauestens von allen Seiten und polierte noch einige winzigste Flecken von dem blanken Metall. Dann wickelte er das Bastard-Schwert sorgfältig in ein geöltes Tuch und brachte es hinauf in seine Kammer.

Und als ob Rashûl seine ungeduldigen Gebete erhört hätte, erblickte er nur wenige Tage später doch tatsächlich Bran, der in Hrád Selvita ankam. Unbemerkt von diesem stahl er sich von der Tür zum Innenhof fort und eilte in seine Kammer. In diebischer Vorfreude grinsend erwartete er ungeduldig, daß dieser ihn aufsuchen würde. Das eingeschlagene Schwert hatte er bereits auf dem einfachen Tisch seiner Kammer positioniert.
Als es kurz darauf tatsächlich klopfte, brummte er ein unwilliges "Was gibt´s denn?". Er wollte sich auf keinen Fall anmerken lassen, daß er bereits wußte, daß Bran hier war - auch wenn sein hinter der geschlossenen Tür grinsendes Gesicht so gar nicht zu dem brummenden Ton passen wollte...
Und doch wußte er auch, daß Bran ihn gut genug kannte, daß er sich von so einer schroffen Frage nicht abhalten lassen würde einzutreten. Als die Tür geöffnet wurde, zog er zunächst die Augenbrauen gespielt unwillig zusammen, nur um im nächsten Moment seinen Gesichtsausdruck aufhellen und die Freude, die er in diesem Moment in Wirklichkeit verspürte, sehen zu lassen.
"Bran!", rief er erfreut aus und eilte mit langen Zwergenschritten auf diesen zu.
Bran war gerne in Hrád Selvita und ein oft gesehener Gast dort. Seine Reisen und Aufträge führten ihn erstaunlich oft nach Waljagrad und auch wenn er viel Zeit in den Weiten des Landes verbrachte und sich auch nicht scheute Aufträge an weit abgelegenen Orten anzunehmen, wo die gut befahrbaren Wege spärlich wurden und die kleinen Dörfer weit auseinander lagen, so richtete er es meistens dennoch so ein, dass seine Reiserouten ihn immer wieder zum Orden Mesíac führten. Zum einen war es zweckmäßig und erlaubte ihm seine Vorräte aufzustocken und Neuigkeiten mit seinen Brüdern und Schwestern auszutauschen und zum anderen… fühlte er sich hier zum Teile wohler als im Hauptsitz des Ordens nahe Armadale, welcher im Grunde eigentlich sein Heim war.
Aber während er oft das Gefühl hatte nur auf freiem Flur und wenn er für sich alleine war, wirklich frei atmen zu können, so war ihm das rauere Klima, welches hier sowohl von der Umgebung als auch den anderen Warlocks ausging, willkommener als die teilweise sehr hochtrabende und ritterliche Tugendhaftigkeit wie sie im Orden Sól zur Schau getragen wurde. Vielleicht lag es daran, mit großer Wahrscheinlichkeit zählte jedoch auch die Tatsache dazu, dass er hier Freunde gefunden hatte. Und Bran gehörte nicht zu den Menschen die ihr Vertrauen leichtfertig hergaben und sich jedem öffneten. Nein, der Warlock hatte nur einige wenige Freunde die er wirklich an sich heran ließ und die ihn gut genug kannten um zu wissen was in ihm vor ging und… einer davon gehörte zum Orden Mesíac.

Auch heute hatten ihn seine Wege wieder in die große und lebhafte Festung geführt, auch wenn er dieses Mal nur vorhatte eine kurze Rast hier einzulegen, bevor er weiterziehen musste denn Bran hatte wieder einen Auftrag angenommen.
Meistens zog er es vor, alleine auszuziehen wenn er es konnte. Seit der Prüfung der Schatten hatte Einsamkeit sein Leben geprägt und diese war noch dazu zu großen Teilen selbst auferlegt. Aber wenn er diesen Auftrag richtig einschätzte dann wäre es geradezu leichtsinnig dumm, wenn er alleine loszog. Nein, er brauchte Unterstützung und die Tatsache dass es viel zu lange gedauert hätte eben jene aus seinem Ordenshaus anzufordern, lieferte ihm einen guten Grund mehr Hrád Selvita einen Besuch abzustatten.

Bran lenkte seine Schritte über den lebhaften Hof, grüßte hier und da ein bekanntes Gesicht in höflicher zurückhaltung, aber seine Schritte waren sehr zielstrebig in Richtung der Schmieden gelenkt, wo er nach einem ganz bestimmten bärtigen Gesicht ausschau hielt. Er musste jedoch schon nach kurzer Zeit feststellen, dass in den Schmieden zwar rege gearbeitet wurde, aber der Zwerg nicht seinen üblichen Arbeitsplatz an Esse und Amboss belegte.
Erst der dritte, rußbeschmierte Novize den er fragte konnte ihm sagen, dass Norgrimm zwar heute den ganzen Tag über hier unterwegs gewesen war, aber sich wohl erst vor kurzem zurückgezogen hatte., weswegen Bran seine Schritte auch sogleich in richtung der Quartiere lenkte um dort nach seinem Freund zu suchen. Nicht nur, dass er sich nach der erfrischend ehrlich und grummeligen Art des Zwerges sehnte, so hatte er doch nicht ewig Zeit um sich hier aufzuhalten und es wäre eine Schande gewesen wenn er den Zwerg verpasst hätte.
Und außerdem… wollte er Norgrimm den Gefallen abringen ihn bei seinem Auftrag zu begleiten, denn er brauchte jemanden auf den er sich verlassen konnte.

Also stand er nur wenig später vor der Tür des Zwerges und klopfte an dessen Türe um auch sogleich herein gebeten zu werden.
Gut, die Aussage dass er hereingebeten wurde, dehnte den Begriff vielleicht ein wenig, wenn man bedachte dass ein eher brummiges und anscheinend wenig begeistertes ”Was gibts denn?” aus dem Raum nach draußen tönte.
Bran ließ sich davon nicht abschrecken, sondern trat mit einem schwachen Lächeln auf den Lippen ein “Ich freue mich auch dich wiederzusehen, Norgrimm!” sagte er laut, während er die Türe wieder hinter sich schloss und den Zwerg begrüßte. “Dein Bart wird auch von Mal zu Mal länger!” stellte er fest während er seinen Freund prüfend musterte “Geht es dir gut? Order rostest du schon ein, während du deine Tage in der Schmiede verbringst?”
Norgrimm ergiff Brans ausgestreckte Hand mit festem Griff, während seine andere Pranke dessen Unterarm fest umschloss. Es war eine sehr herzliche Begrüßung - eine, die er nur einigen wenigen schenkte. Denn auch wenn der Zwerg durchaus gesellig war, so zählten doch nur sehr wenige zu seinen Freunden. Nachdem sie die Hände wieder voneinander gelöst hatten, strich der Zwerg stolz über seinen beeindruckenden Bart. "Na, das ist doch auch gut so. Ich komme eben langsam in die besten Jahre." Und wer konnte das schon mit 155 Jahren von sich sagen?!
>Geht es dir gut? Order rostest du schon ein, während du deine Tage in der Schmiede verbringst?< Spöttisch zogen sich Norgrimms Augenbrauen nach oben. "Pah! Du kennst mich gut genug um zu wissen, daß ich mich nicht an den Amboss ketten lasse. Und der Grauwolf weiß das auch, weshalb er mich immer wieder mit Aufträgen betraut. Außerdem schmiede ich gerne. Wenn man es wirklich kann, ist es eine Kunst - eine Kunst, die nicht jeder beherrscht, der sich Schmied nennt - und schon gar nicht hier in der Welt der Menschen." Er grinste leicht schelmisch, war es ihm doch immer wieder ein Vergnügen, Bran zu einem kleinen Streitgespräch über die Vorzüge von Menschen und Zwergen herauszufordern.
Dann wandelte sich sein Grinsen in ein offenes und herzliches Lächeln. "Ich freue mich, dich wieder einmal zu sehen, Bruder." Bran wußte, daß er diesen Begriff bei ihm nicht als die übliche Bezeichnung der Warlocks untereinander verstand. "Was führt dich nach Waljagrad? Bleibst du länger? Ich würde mich freuen."
Er ging zu dem Tisch hinüber und griff nach dem Etwas, was dort in leicht geöltes Tuch gewickelt lag. Er konnte dies ohne Bedenken tun, denn nach der Fertigstellung des Schwertes hatte er sich vom Scheidenmacher eine Scheide aus bestem schwarzen Leder anfertigen lassen. Die Ausmaße und Form des Pakets konnten Bran leicht schlußfolgern lassen, was sich darin befinden könnte. Norgrimm ging zu Bran hinüber und hielt ihm das eingewickelte Schwert entgegen. "Das ist für dich, Bruder." Die Art, wie er den Warlock bei diesen Worten ansah, sprach Bände.
Mit einem belustigten Grinsen hob er jedoch abwehrend die Hand “Schon gut, verschone mich mit deinen Vorträgen über Schmiedekunst und deinen Beschwerden zum menschlichen Unvermögen.” wandte er schnaubend ein “Zwar könnte man meinen, dass ich all deine Argumente bereits kennen sollte, aber irgendwie schaffst du es dir doch noch ständig neue aus den Ohren zu ziehen!” er verschränkte die Arme vor der Brust während er den Zwerg von Kopf bis Fuß musterte “Und gegen deine zwergische Sturheit kommt ohnehin kein Argument an, ganz egal wieviel Wahrheit dahinter liegen mag!” Bran kannte kaum jemanden der den Zwerg an Sturheit oder Dickköpfigkeit zu übertreffen vermochte, allerdings machte das Norgrimm auch zu einem absolut unerschütterlichen und loyalen Freund, was Bran sehr zu schätzen gelernt hatte. Nichts desto trotz hatte es eine gute Zeit gebraucht, bis sich die Freundschaft zwischen den beiden Warlocks zu dem entwickelt hatte, was sie heute war, aber mittlerweile vertraute Bran dem Zwerg vorbehaltlos sein Leben an.

"Das selbe wie immer, mein Freund. Ich hab einen Auftrag hier, ein paar Tagesreisen von hier entfernt. Ein Dorf welches von einer seltsamen Plage befallen ist, als würde irgendetwas das Land und die Menschen dort schön langsam verseuchen…" erklärte er Norgrimm den eigentlichen Grund für sein Hier sein. "In Sól vermutet man das Schatten daran schuld sein können, deswegen hat man sich der Angelegenheit angenommen." Bran zögerte kurz, während er sich durch den kurzen Stoppelbart strich welcher seine Wangen seit eh und je zierte "Ich wollte dich eigentlich Fragen ob du mich begleiten würdest." fragte er Norgrimm nun endlich, wobei er sich dem wahren Grund für seinen Besuch in wahrlich sehr weiten Kreisen genähert hatte, statt gleich mit der Türe IBS Haus zu fallen.

Der Zwerg griff schließlich nach dem länglichen Paket, welches die ganze Zeit über auf seinem Tisch gelegen hatte, eingeschlagen in geöltes Tuch. Es war nichts ungewöhnliches in den Räumen des Schmieds Waffen vorzufinden und deswegen hatte Bran nicht danach gefragt. Jetzt aber hielt der Zwerg es ihm entgegen und sagte ihm, dass es ein Geschenk für ihn war. 
"Für mich?" fragte er leise überrascht nach, während er zögernd nach dem Schwert griff. Form und Größe ließen kaum eine andere Schlussfolgerung zu und auch, was seine Hand unter dem geölten Tuch ertasten konnte, bestätigte den Verdacht nur noch.
Beinahe Andächtig wickelte Bran die Waffe aus und zog schließlich das Bastardschwert aus seiner Scheide hinaus. Selbst das schwache Licht welches in der Kammer herrschte, brach sich auf der kunstvoll geschmiedeten Klinge aus Altvorderenmetall und Bran musste nicht erst prüfend mit dem Daumen darüber streichen um zu wissen dass die Kante rasiermesserscharf zugeschliffen war. 
Norgrimm hatte Runen in die Länge der Klinge graviert und Bran konnte nicht anders, als das Schwert mit einigen prüfenden Hieben durch die Luft zu führen. Wie erwartet lag es gut in der Hand und war perfekt ausbalanciert. 
"Das… kann ich unmöglich annehmen, Norgrimm!" brachte er schließlich hervor, während er den Blick von dem Schwert löste und den Zwerg wieder ins Visier fasste. "Das ist ein Meisterstück der Schmiedekunst und ich könnte diese Schuld niemals bei dir begleichen!" stellte er nüchtern fest. Es war nicht so, dass er sich nicht danach sehnte ein solches Schwert sein eigen zu nennen. Aber dennoch hatte er nicht das Gefühl ein so großes Geschenk verdient zu haben.
Mit - ja zugegeben - selbstzufriedenem Lächeln beobachtete Norgrimm, wie Bran die Klinge aus der Scheide zog, sie bewundernd betrachtete, einige Hiebe damit ausführte und die Balance der Waffe prüfte. Er freute sich bereits darauf, den überschwänglichen Dank seines Freundes entgegen zu nehmen, doch was er dann von diesem hörte, war alles andere als das, was er erwartet hatte.
>Das… kann ich unmöglich annehmen, Norgrimm! Das ist ein Meisterstück der Schmiedekunst und ich könnte diese Schuld niemals bei dir begleichen!< Schlagartig verschwand das Grinsen aus Norgrimms Gesicht und eine Mischung aus Zorn und Entrüstung spiegelte sich auf seinen Zügen wider. "Sei froh, daß du das mir gesagt hast und nicht einem Zwerg aus Adamatia...", knurrte er zornig. "Im Volk der Zwerge gilt es als große Beleidigung, ein Geschenk zurückzuweisen. Da hättest du direkt meinen ganzen Clan auf dem Hals gehabt und wir sind viele..."
Er holte aus einer Ecke ein Reststück eines dicken Taus hervor, das er sich extra für diesen Tag besorgt hatte. Damit ging er auf Bran zu, warf es über die Klinge des Schwertes in Brans Hand und packte die beiden Enden des Seils unter der Klinge. Ohne den zornigen Blick von dem seines Freundes abzuwenden zog er das Seilstück die Klinge entlang. Bran spürte im Handgriff kaum einen Widerstand, gegen den er anhalten mußte, und doch hatte das Schwert das dicke Tau nach nur etwa einem Viertel seine Klingenlänge glatt durchschnitten.
Norgrimm warf die Seilstücke wütend in eine Ecke, dann senkte er den Blick und atmete einmal tief durch. Als er Bran wieder ansah, war seine Miene etwas ruhiger geworden, aber immer noch ernst und nicht amüsiert. Der Zwerg hielt den Blick des Menschen und sagte ruhig: "Unter Freunden gibt es keine Schuld, Bruder."
Dann wandte sich Norgrimm ab und verließ seinen Schlafraum. Die Tür knallte geräuschvoll hinter ihm zu und er machte sich mit eiligen Schritten auf den Weg in seine Schmiede. Er brauchte jetzt dringend seinen Hammer und ein Stück Metall, das er verdreschen konnte...
Bran wusste dass er seine Worte den Zwerg vollkommen anders erreicht hatten, als er es beabsichtigt hatte, kaum dass er sah wie sich das Gesicht des Zwerges verfinsterte und düster zusammenzog. Denn es war alles andere als seine Absicht gewesen, seinen Freund zu beleidigen indem er sein Geschenk zurück wies. Aber er hatte einfach nicht das Gefühl eine so meisterhafte Waffe wirklich verdient zu haben und diesen Gedanken laut ausgesprochen. Außerdem, Norgrimm war der einzige Zwerg den er kannte, weder hatten seine Wege Bran bis jetzt in die Reiche der Zwerge geführt, noch war er bis jetzt einem anderen Angehörigen dieses Volkes über den Weg gelaufen. Und er hatte durch seine Freundschaft zu Norgrimm auch einiges über die Zwerge gelernt, vor allem das es auch sehr einfach war sie zu beleidigen, durch Worte oder Handlungen die ein Mensch ganz anders aufgefasst und verstanden hätte. Aber wie hieß es so schön: Wähle deine Worte mit bedacht, denn du kannst nie sicher sein wie sie ankommen werden und es hatte sich bewahrheitet dass diese Aussage, zwar nicht nur aber sicherlich ganz besonders auf Zwerge zutraf.

Der Zwerg hatte seine Kammer mit einem geräuschvollen Türenknallen wieder verlassen und Bran mit dem Schwert in der Hand einfach stehen gelassen. Der Warlock gestattete sich ein leises Seufzen, bevor er die Klinge zurück in die Scheide steckte und sich schließlich aufmachte um Norgrimm zu folgen. Wobei er sich jedoch zeit lies, denn es hätte nur sehr wenig Sinn gehabt seinem Freund stehenden Fußes hinterher zu stürmen um die Sache zu klären. Bran war sich ziemlich sicher, dass er Norgrimm in seiner Schmiede wiederfinden würde, wo er seinen Zorn an Hammer und Amboss auslassen konnte, dass die Funken flogen. Es war meistens leichter mit ihm zu reden, wenn er die Zeit gehabt hatte alles an einem Stück Metall auszulassen.

Vorerst trug er das Schwert in seiner Scheide in der Hand mit sich und er fand den Zwerg tatsächlich in der Schmiede am Amboss mit dem Hammer bewaffnet.
Die Novizen hatten wahrscheinlich schon das Weite gesucht, als sie den Gesichtsausdruck des Schmieds gesehen hatten und so waren sie alleine.
Bran lehnte sich gegen einen der Deckenträger und sah Norgrimm für einige Herzschläge lang zu bevor er schließlich ruhig die Stimme in einer Pause zwischen den Hammerschlägen erhob “Norgrimm, du weißt das es nicht meine Absicht war dich oder einen ganzen Zwergenclan zu beleidigen. Denn es liegt kein Makel auf deinem Geschenk und das ist auch nicht der Grund warum ich es gesagt habe, sondern vielmehr weil ich nicht das Gefühl habe eine solche Waffe verdient zu haben.”
Ob man dabei nun von Schuld reden wollte oder nicht, so wusste er doch dass Norgrimm damit recht hatte. Wer zählte noch mit wie oft man sich gegenseitig aus der Scheiße gezogen oder das Leben gerettet hatte? Da geb es keine Schuld die zu begleichen war, man passte aufeinander auf und hielt sich gegenseitig den Rücken frei. Aber dieses Schwert, war in Brans Augen etwas anderes.
“Und wenn es auch nicht um Schuld gehen mag, dann sieh es als meine Sorge dass ich dir wohl nie ein ebenbürtiges Geschenk machen kann.” er musterte den Zwerg während er sprach, das Schwert in seiner Scheide hielt er, während er sprach noch immer fast andächtig in der Hand, als würde er zögern es an seinen Gürtel zu hängen.
“Aber vielleicht kannst du mir zumindest die Chance einräumen, dass ich für den Anfang zumindest diese ungewollte Beleidigung wieder gut machen kann, was meinst du?”
Norgrimm war froh gewesen, als er in der Schmiede angekommen war. Den Novizen, der direkt hinzugeeilt war um dem Schmied zur Hand zu gehen, hatte er mit wütenden Worten fortgeschickt, woraufhin dieser direkt die Flucht ergriffen hatte. Man kannte den Zwerg in der Festung inzwischen gut genug um zu wissen, daß man ihn besser in Ruhe ließ, wenn er mal wieder eine seiner Launen hatte. Und Norgrimm wollte gerade keine Hilfe und keine Gesellschaft, er wollte nur seine Ruhe haben.
Eigenhändig hatte er eine Schippe Kohle in die Esse geworfen und die noch glimmende Glut mithilfe des Blasebalges wieder zu ordentlicher Hitze getrieben. Dann hatte er sich eines der rohen, noch unbearbeiteten Stücke Altvorderenmetalles genommen, es erhitzt und einfach mit dem Hammer darauf eingedroschen. Er war gerade wirklich nicht in der Laune eine komplizierte Arbeit zu tun und doch wußte er, daß seine Schläge einen Sinn hatten - er verdichtete das Material, bevor es wirklich in die Bearbeitung gehen würde.

Natürlich war ihm bald klar geworden, daß er auf Brans Reaktion zu zwergisch reagiert hatte. Doch obwohl er nun schon einige Jahre unter den Menschen lebte, so würde er wohl nie ganz die Ansichten und Gewohnheiten der Zwerge ablegen können - mal ganz zu schweigen davon, daß es unmöglich war den Unterschied zwischen einem menschlichen und einem zwergischen Charakter auszuradieren.
Er spürte mehr als er sah, daß Bran schließlich die Schmiede erreichte. Doch vorerst sah er nicht zu diesem hin und unterbrach seine Arbeit auch nicht, bis sein Freund, als er das Metall wieder erhitzen mußte und so eine Pause in den Schlägen entstand, zu sprechen begann.
>Und wenn es auch nicht um Schuld gehen mag, dann sieh es als meine Sorge dass ich dir wohl nie ein ebenbürtiges Geschenk machen kann.< Weiterhin blieb sein Blick auf das Metall in der Esse gerichtet, als er sagte: "Glaubst du, das weiß ich nicht? Glaubst du wirklich, ich hätte ein Gegengeschenk erwartet, als ich dir die Klinge in vielen Arbeitsstunden geschaffen habe?"
Er holte das Metall aus der Esse, legte es auf dem Amboss ab, so daß es nicht herunterfallen konnte, und legte die Zange zur Seite. Und nun wandte er sich doch zu Bran um und sah ihn an.
"Ich habe dir dieses Geschenk gemacht, weil du der beste Freund bist, den ich jemals hatte. Nicht einmal Grumasch war mir solch ein Freund wie du." Denn Grumasch war ein Anhängsel gewesen, der sich dem starken, aber unbeliebten Norgrimm angeschlossen hatte. Sicher war daraus eine ehrliche und herzliche Freundschaft geworden, doch für den Zwerg war das Besondere an der Freundschaft zu Bran, daß es eine Freundschaft zwischen zwei ebenbürtigen Männern war, die sich gegenseitig nicht notwendigerweise brauchten.

Er seufzte kurz auf, ging nun zu Bran hinüber, nahm diesem das Schwert aus der Hand und steckte es ihm symbolisch lose in dessen Waffengurt. "Du brauchst nichts wieder gut zu machen. Ich hätte einfach nicht so zwergisch reagieren sollen, aber manches werde ich wohl nie lernen hier in der Menschenwelt - zum Beispiel daß es ein Kompliment ist, wenn ein Geschenk abgelehnt wird..."
Er grinste und symbolisierte Bran, sich ein wenig zu ihm herunter zu beugen. Und da es nicht ihr erster Zank war, wußte sein Waffenbruder, daß Norgrimm ihm nach Zwergenart für einen Moment die Hände auf die Schultern und seine Stirn gegen dessen legen wollte - eine Geste der Versöhnung und Entschuldigung zugleich.
Für mehrere Herzschläge lang sah er dem Zwerg einfach nur schweigend bei der Arbeit zu, während Norgrimm zu beginn noch auf das Eisen eindrosch, als gäbe es noch eine persönliche Angelegenheit zwischen ihm und seinem Werkstück zu klären.
Zum einem war es immer wieder ein faszinierender Anblick dem Zwergen bei seiner Arbeit zuzusehen, zum anderen hatte Bran einfach keine Lust gegen Lärm von Hammer und Amboss anzubrüllen um sein Anliegen verständlich zu machen. Abgesehen davon, wusste er wie wertvoll ein jedes Stück Altvorderenmetall nun einmal war und Bran wollte nicht daran schuld sein, wenn es unbrauchbar wurde. Es würde die Situation nicht unbedingt verbessern…
Und Norgrimm ignorierte ihn ebenso geflissentlich, während er arbeitete und ließ sich in keinster Weise anmerken, was er von seiner anwesenheit in seiner Schmiede hielt. Bran wertete das schwer lastende Schweigen jedoch erst einmal als ein eigentlich recht gutes Zeichen, denn wäre der bärtige Schmied wirklich und versöhnungslos wütend auf ihn gewesen, er hätte sicherlich nicht gezögert ihn das auch nur zu deutlich spüren zu lassen und ihn wieder aus seiner Schmiede zu vertreiben.
Der Zwerg hob seinen Blick auch nicht, nachdem Bran zu sprechen begonnen hatte. Entweder er wollte es noch nicht, oder die Arbeit erforderte im Moment wirklich seine ganze Aufmerksamkeit. Aber der Warlock nutzte die kurze Pause in Norgrimms ausdauernden Hammerschlägen, um die Stimme zu heben und dem Zwerg seine Gedanken darzulegen.

“Natürlich hast du dir diese Gedanken nicht gemacht. Und das wollte ich dir auch nicht unterstellen.” antwortete Bran leise, während er Norgrimms Blick in die heiße Glut der Esse folgte und schließlich dem glühenden Werkstück zurück auf den Amboss. Aber der Zwerg nahm den Hammer nicht wieder auf, um weiter auf das Eisen einzuschlagen, sondern sprach weiter und dieses Mal begegneten sich ihre Blicke wieder.
Bran ließ ein schwaches Lächeln sehen, als er die nächsten Worte des Zwerges vernahm und nickte langsam “Du weißt wieviel auch mir unsere Freundschaft bedeutet und es war nicht meine Absicht sie mit Füßen zu treten.”

Er ließ es geschehen, dass Norgrimm ihm das Schwert, welches er noch immer gehalten hatte, aus der Hand nahm und es ihm schließlich in den Gurt schob. Sobald er wieder etwas Ruhe hatte, würde er es ordentlich an der Aufhängung dort festmachen und sein altes Schwert zurück in die Waffenkammer des Ordens bringen.
Ohne zu zögern beugte sich Bran nach unten, dem Zwerg entgegen und erwiderte dessen Geste “Danke Norgrimm, ich werde es in Ehren halten!” antwortete er, bevor er sich wieder aufrichtete und sich seine Hand fast wie unbewusst auf den Griff des Schwertes legte, ganz so als wolle er den Sitz wegen der Gewichtsverteilung anpassen.
Ein Schwert wie dieses braucht einen Namen… schoss es ihm fast unwillkürlich durch den Kopf, aber er verschob diesen Gedanken vorerst auf später. Stattdessen ging er einige Schritte zurück und ließ sich auf einem der Kistenstapel nieder, damit der Zwerg nicht ständig nach oben sehen musste wenn er mit ihm sprach.
“Eine Waffe wie diese sollte gebührend eingeweiht werden.” sprach er laut zu seinem Freund, mit einem Lächeln auf den Lippen “Und ich denke ich wüsste etwas passendes. Einige Tagesreisen von hier entfernt liegt ein Dorf am Ufer eines Flusses, die Bewohner sind hauptsächlich einfache Bauern und Fischer. Zwar wurden dort keine Monster gesichtet, aber die Bewohner berichten dass sich in letzter Zeit etwas geändert hat. Es ist als würde etwas schön langsam das Wasser verseuchen und den Boden vergiften. Die Fische sterben und das Land verdorrt, die Menschen werden schwach und krank. Und… es heißt, Nachts verdeckt etwas das Licht der Gestirne.” er wusste, dass er gegenüber Norgrimm nicht extra erwähnen musste dass es sich bei diesem seltsamen nächtlichen Ereignis wohl eher nicht um bloße Wolken handelte. Stattdessen strich er sich nachdenklich das lange Haar mit einer Hand aus dem Gesicht während er seinen Freund musterte. “In Sól hält man dieses Phänomen für auffällig genug um sich darum kümmern zu wollen. Und da du weißt wie gerne ich solche Aufträge nehme, bin ich im Grunde gerade auf dem Weg dorthin. Aber…” und hier zögerte er kurz, bevor er weiter sprach. Bran war dafür bekannt immer noch am liebsten alleine zu arbeiten, wenn es möglich war. “ich denke nicht dass sich diese Angelegenheit alleine bewältigen lässt. Das ist kein einfaches Monster, welches ein Dorf terrorisiert. Deswegen bin ich eigentlich hier, um dich zu fragen ob du mich begleiten würdest.”